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Neuss
Mit attraktiver City gegen Online-Handel

Neuss: Mit attraktiver City gegen Online-Handel
Katharina Bittner-Schenkel ist mit ihrem Shopping-Ergebnis zufrieden. Aber der Druck auf den Handel wächst. FOTO: woi
Neuss. Die Händler müssen dem Onlinehandel entgegensteuern und die Innenstadt attraktiv halten. Eine Herausforderung. Von Andreas Buchbauer

Für Thomas Werz ist die Marschrichtung klar. "Wir müssen uns auf den Hosenboden setzen und die Herausforderung durch den Onlinehandel annehmen. Dabei ist Erfindungsreichtum gefragt", sagt der City-Manager. Die Zahlen aus der jüngsten Passantenumfrage, die im Auftrag von Neuss Marketing an einem Samstag im Oktober in der Innenstadt durchgeführt wurde, sieht er in einem Punkt als erneutes Warnsignal. "Im Vergleich zu anderen Städten haben wir uns zwar bisher ganz gut behauptet, aber die Konkurrenz durch den Onlinehandel hat auch in Neuss messbar zugenommen", sagt Werz.

Neuss Marketing bietet daher am Donnerstag, 9. November, einen Workshop an. Dabei soll erörtert werden, was Einzelhandel und Dienstleister für den eigenen Standort an Innovationen und Verbesserungen im Onlinebereich umsetzen können. Ob der Workshop aber tatsächlich stattfindet, klärt sich erst am Montag. Dann wird Zwischenbilanz gezogen. "Wir haben 400 Einladungen rausgeschickt, aber bislang nur 15 Zusagen bekommen", sagt Jürgen Sturm, Geschäftsführer von Neuss Marketing. Komme nicht noch deutlich mehr Zug rein, lohne sich der Aufwand nicht. Dann wird die Veranstaltung abgeblasen. Dabei bestehe Handlungsbedarf. "Auch wenn wir in Neuss schon eine Reihe positiver Beispiele haben."

Gaben bei der Passantenumfrage 2015 noch 22 Prozent der Befragten an, wegen Amazon, Zalando & Co. seltener in die Innenstadt zu gehen, waren es 2016 bereits 28 Prozent - und nun sogar 36 Prozent. Eine Entwicklung, die sich auch mit repräsentativen Zahlen des Statistischen Bundesamts deckt - auch wenn diese nicht für Neuss heruntergebrochen vorliegen.

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein kennt man den Trend. "Je nach Branche ist der Onlineanteil am Gesamtumsatz unterschiedlich hoch: Im Bereich Elektronik und Technik liegt er bei 32 Prozent, im Bereich Spiel und Sport bei 29 Prozent und bei Fashion und Lifestyle bei rund 20 Prozent", sagt Andree Haack, Leiter des Geschäftsbereichs Existenzgründung und Unternehmensförderung bei der IHK. "Die Zahlen sind steigend, aber die Dynamik hat etwas nachgelassen."

Das bedeutet aber keineswegs Entspannung. Der stationäre Einzelhandel steht vor einem schwierigen Spagat, wie sich gegensteuern und gleichzeitig die Identität der City erhalten lässt. Christoph Napp-Saarbourg, Vorsitzender der Zukunftsinitiative Innenstadt Neuss (ZIN), die sich für die Aufwertung der City einsetzt, betont, dass der einzelne Händler bei der Masse an Herausforderungen - von rechtlichen Fragen über Kosten bis hin zur technischen Umsetzung - schnell überfordert sein könne. "Natürlich könnte man zum Beispiel einen Lieferservice einrichten, logistisch wird das machbar sein", sagt er. Aber man wolle die Kunden ja auch nach wie vor in die Innenstadt locken. "Von einer guten Frequenz profitiert im Schnitt jeder Händler", sagt Napp-Saarbourg. "Aber wenn keiner mehr kommt, dann profitiert auch der Beste nicht mehr."

Dieser Satz bringt die zentrale Herausforderung, die der stationäre Einzelhandel meistern muss, auf den Punkt: Online- und Offline-Geschäft müssen im Verbund funktionieren, die Innenstädte attraktiv gehalten werden. Ein Thema wird dabei schon bald aufs Tableau kommen: wie es mit der gemeinsamen, bislang eher statischen Plattform "Neuss Digital" weitergeht. Die Verträge zur Umsetzung sind auf drei Jahre angelegt, nächstes Jahr muss entschieden werden, ob sie verlängert werden und wie die künftige Ausrichtung aussieht.

Quelle: NGZ
 
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