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Neuss
Mit der Neusser Industrie durch die Nacht

Neuss. Mehrere Tausend Menschen nahmen am Donnerstag an Ausflügen im Rahmen der "Langen Nacht der Industrie" in der Region Neuss teil. Wir haben Alunorf und die Neusser Häfen besucht. Von Bernd Rosenbaum

Der Andrang ist groß, der Reisebus voll besetzt. Fast 50 Personen gemischten Alters haben sich den Abend frei gehalten, um spannende Einblicke in Industrieanlagen zu bekommen, in die Außenstehende normalerweise nicht ohne weiteres hineinkommen.

Der Bus startet von der Rennbahn aus und steuert zunächst das Gelände von Alunorf an. "Wir sind das größte Aluminiumwalz- und Schmelzwerk der Welt", sagt Thomas Geupel nicht ohne Stolz in der Stimme. Der kaufmännische Geschäftsführer der Aluminium Norf GmbH empfängt die Besucher im werkseigenen Kasino und informiert sie über das Unternehmen, zu dem auch die Standorte in Grevenbroich und Rheinwerk gehören. Allein in Norf produzieren die 2250 Mitarbeiter jedes Jahr rund 1,5 Millionen Tonnen Aluminiumbleche, in ganz Europa sind es insgesamt nur 4,5 Millionen Tonnen im Jahr.

Trotz seiner enormen bundesweiten und europäischen Bedeutung kennt kaum ein Endverbraucher dieses Unternehmen. "Das liegt daran, dass wir unsere Produkte nicht unter unserem Namen an Endkunden verkaufen, sondern nur für den Handel produzieren", erklärt Geupel. Auch aus kartellrechtlichen Gründen dürfe Alunorf nicht selbst als Anbieter auftreten.

Bei einem Lichtbildvortrag erklärt der Geschäftsführer, wie Aluminium, das in der Natur nicht in Reinform vorkommt, aus Bauxit gewonnen wird, und betont dabei, dass das Recycling des heutzutage so universell einsetzbaren Elementes nur etwa fünf Prozent der Energie benötigt, wie die Verhüttung des Bauxits. Trotzdem müsse weiter neues Aluminium produziert werden, denn noch heute seien 70 Prozent des seit der ersten industriellen Herstellung vor 120 Jahren entstandenen, äußerst langlebigen Metalls in Benutzung - sei es in Autos, Häusern oder Möbeln.

Nachdem alle Teilnehmer mit Schutzbrillen, Schutzjacken und Ohrstöpseln versorgt sind, geht es in Kleingruppen zu Fuß über das Produktionsgelände, stets entlang der aufgemalten Wege. "Sicherheit ist unser oberstes Prinzip", betont Thomas Geupel und warnt davor, die Wege zu verlassen. Das Gelände jenseits davon sei den Werksfahrzeugen, vor allem den Gabelstaplern vorbehalten. Deren Fahrer rechneten nur auf den Sicherheitswegen mit Fußgängern.

Ein Blick auf die riesigen Stapler, die die bis zu 32 Tonnen schweren und neun Meter langen Alubarren hin und her transportieren, flößt allen Besuchern so großen Respekt ein, dass jeder freiwillig auf den Wegen bleibt. Beeindruckt von den riesigen Dimensionen zeigen sich auch Robert Paponja (37) und seine Frau Ivana aus Neuss, die zum ersten Mal an der "Langen Nacht der Industrie" teilnehmen. "Das ist schon überwältigend", sagt er. Dabei habe er es als gelernter Kaufmann in der Automobilbranche durchaus schon mit größeren Maschinen zu tun gehabt. "Man macht sich keine Vorstellung von den Dimensionen, bevor man das selbst gesehen hat."

Mit Ohren betäubendem Lärm werden die meisten Barren nach dem Erhitzen auf über 600 Grad zu Blechen ausgewalzt. Diese können bis zu einer Folie von lediglich 0,006 Millimetern Stärke geplättet werden. Damit werden die Innenwände der Tetrapaks ausgekleidet, um Getränke und andere Flüssigkeiten frisch zu halten. Nach dem Walzen werden die Platinen auf riesige Rollen aufgewickelt und anschließend versandfertig gemacht. In der Regel verlassen sie per Zug oder Lastwagen das Werksgelände und werden unter anderem zu den Neuss-Düsseldorfer Häfen transportiert, um dort auf Schiffe geladen zu werden.

Dorthin führt der zweite Teil des nächtlichen Ausfluges. Bei einer Rundfahrt durch die verschiedenen Terminals erklärt Andreas Hamm als Assistent der Geschäftsführung des drittgrößten deutschen Binnenhafens und der größten europäischen Hafengesellschaft, dass dort 600 Mitarbeiter im Jahr rund 1,2 Millionen Container umsetzen. Bei diesem Teil der Tour konnten die Besucher jedoch nicht aussteigen, um die Dimensionen des Geländes unmittelbar in sich aufzunehmen. Hamm bot aber jedem Teilnehmer an, das Areal noch einmal am Tag zu besuchen, die Zuwege zum Hafengebiet seien öffentlich.

Quelle: NGZ
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