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Neuss
"Mit Rau habe ich auf dem Flur noch geraucht"

Neuss: "Mit Rau habe ich auf dem Flur noch geraucht"
Seit 25 Jahren ist Günter Benz als Pförtner im Landtag beschäftigt. In dieser Zeit hat er viele Politiker und Persönlichkeiten kommen und gehen sehen. FOTO: HJBA
Neuss. Der Neusser Günter Benz ist seit 25 Jahren Pförtner im Landtag. An die verschiedenen Regierungschefs hat er teils sehr spezielle Erinnerungen. Von Markus Plüm

Günter Benz hat sie alle kommen und gehen sehen. Queen Elizabeth II., Königin Silvia von Schweden, Michail Gorbatschow, Jassir Arafat. Vier Menschen, die in die Weltgeschichte eingegangen sind. Vier Menschen, die zudem etwas gemeinsam haben: Sie alle wurden einst als Ehrengäste im Düsseldorfer Landtag empfangen.

Und während dort das staatstragende Brimborium streng protokolliert ablief, saß Günter Benz im Hintergrund und machte das, was er immer macht: seinen Job. Denn seit 25 Jahren arbeitet Benz als Landtagspförtner. Ein Vierteljahrhundert, von dem er sagt: "Ich mache einfach meine Arbeit, das hat bislang ganz gut funktioniert."

Etwa ein Jahr hat Benz nun noch bis zur Rente. Aber dass dieser Posten einmal einen Großteil seines beruflichen Lebens ausfüllen würde, daran hat er im Jahr 1970 keinen Gedanken verschwendet. Damals hatte Benz gerade seine Maler- und Lackiererausbildung abgeschlossen. Bis 1992 übte er diesen Beruf aus, eigentlich mit viel Freude. "Zu dieser Zeit wurde es im Handwerk allerdings etwas schwierig. Ich wollte sozial abgesichert sein." Zu Hause saßen seine Frau und zwei Söhne, die er versorgen musste. Durch Zufälle kam er an die Stellenausschreibung der Landtagsverwaltung. "Ich habe mich beworben und wurde genommen. Warum, weiß ich bis heute nicht", sagt Benz und lacht. Dennoch schwingt sich der aktive Schützenbruder jeden Tag aufs Fahrrad und radelt die zehn Kilometer aus Neuss-Furth bis zum Landtag.

Benz hat im zurückliegenden Vierteljahrhundert viel erlebt. Heikel wurde es nur selten - so wie vor wenigen Jahren, als es einigen protestierenden Stundenten gelang, ins Landtagsgebäude einzudringen. "Das war nicht angenehm", sagt Benz. Die positiven Anekdoten überwiegen aber. "Vor eineinhalb Jahren stand ein Mann mit einer Schüssel Kartoffelsalat vor der Tür. Der wollte Frau Kraft etwas zu essen bringen, weil sie so gestresst aussehe." Freundlich wiesen Benz und seine Kollegen den Herrn darauf hin, dass er dafür allerdings zur Staatskanzlei gehen müsse und zudem einen Termin brauche.

Genauso wie dem Kartoffelsalat-Spender hilft Benz derzeit auch den frisch gewählten Abgeordneten, die zum ersten Mal ein Mandat innehaben. "Die sind wie Kinder am ersten Schultag, nur ohne Schultüte. Aufgeregt, vorsichtig, angespannt." So wie es ihm ergangen ist, als er sich damals am neuen Arbeitsplatz zurechtfinden musste. "Das war Beamtenwelt, ganz anders als auf der Baustelle. Manchmal wurde ich angeraunzt, dass ich mich zu schnell bewege." Inzwischen habe er sich aber daran gewöhnt - und auch viele Bekanntschaften gemacht. "Man kennt, grüßt und unterhält sich. Da ist es egal, ob ein CDU- oder Piratenpolitiker vor einem steht, sind ja auch nur Menschen."

An einen Politiker hat der 62-Jährige aber besondere Erinnerungen. "Der Johannes Rau, das war ein sehr persönlicher Mensch. Der kannte einen mit Namen und hat sich Zeit für jeden genommen. Ab und zu haben wir auf den Fluren noch zusammen geraucht." Überhaupt seien Politiker früher menschlicher gewesen. "Auch der Rüttgers war so. Heute ist es leider nicht mehr so persönlich. Aber trotzdem macht mir der Job immer noch Freude."

Quelle: NGZ
 
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