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Neuss
Mit Reiner Breuer von Termin zu Termin

Neuss. Ute Lienshöft-Schultze hat bei einer NGZ-Aktion einen Tag mit Bürgermeister Reiner Breuer geschenkt bekommen. Sie nahm an Lagebesprechungen und Besichtigungen teil und lernte den Alltag des neuen Verwaltungschefs kennen. Von Oliver Burwig

Einblick in geheime "Regierungspläne" oder Top-Secret-Unterlagen erhielt die 70-Jährige bei ihrem "Geschenkten Tag" mit dem Neusser Bürgermeister nicht. Allerdings erfuhr sie einiges über den Mann, der seit gut 100 Tagen im Amt ist, aus erster Hand. Ute Lienshöft begleitete Bürgermeister Reiner Breuer gestern bei seinen Tagesgeschäften, saß bei der morgendlichen Lagebesprechung am Tisch und war beim Besuch einer Flüchtlingsunterkunft und einer Großtagespflege dabei. Schlusspunkt des Tages war die Ratssitzung, bei der auch der scheidende stellvertretende Bürgermeister Thomas Nickel geehrt wurde. Ein Tagebuch.

9 Uhr - Lagebesprechung Allmorgendlich trifft Breuer seine Vertrauten, um den Tag zu planen. Dabei darf normalerweise niemand sonst dabei sein - für unsere Leserin macht er eine Ausnahme. Die gebürtige Kölnerin bleibt trotzdem bescheiden: "Ich interessiere mich für Politik, so, wie sich jeder Bürger dafür interessiert." Beeindruckt zeigt sie sich beim Betreten des Balkons am Bürgermeisterbüro, der einen weiten Blick entlang der Oberstraße erlaubt. An den hat sich Breuer schon gewöhnt - an das Raumklima seines Arbeitsplatzes nicht: "Von 100 Tagen im Amt hatte ich an 50 kalte Füße", sagt Breuer. Der nächste Termin ruft, vorbei geht es an den teilweise schon abgenommenen Bildern seines Vorgängers. Dass hinter den verschlossenen Türen noch renoviert wird, entgeht der aufmerksamen Rentnerin nicht: "Man riecht es!" 10 Uhr - Großtagespflege Um das Rathaus und seine Umgebung besser kennenzulernen, besucht Breuer die nahe Kindertagespflege "Die kleinen Stadtstrolche". Eigene Kinder hat Lienshöft-Schultze nicht - dafür lernte sie ihren Mann zu spät kennen, meint sie. Dennoch freute sie sich über den Einblick in das Kinderparadies - und stellte sich auch beim Selfie dazu, den Betreuerin Michaela Danker und ihre Kolleginnen mit Breuer schossen. 11 Uhr - Liegenschaften und Vermessung Als hätte Breuer es geahnt, steht auch eine Führung durch den Eigenbetrieb Liegenschaften und Vermessung auf dem Programm. Für Lienshöft-Schultze ein Heimspiel, denn ihr Mann leitete noch bis vor wenigen Jahren einen Vermessungsbetrieb. Im Büro scherzt Betriebsleiters Peter Müller über den riesigen, bunt gescheckten Flächennutzungsplan an der Wand: "Dürfen wir den eigentlich zeigen?" Besonders interessiert die 70-Jährige die geografische Datenbank des Betriebs: Die enthält hochauflösende Luftaufnahmen von Neuss, die in dieser Schärfe sonst nur Mitarbeiter im Rathaus sehen dürfen - aus Datenschutzgründen. 12 Uhr - Mittagessen Weil die Kantine des Rathauses am Freitagmittag nicht mehr genügend Kunden findet und deshalb geschlossen hat, gehen Breuer und Lienshöft-Schultze zum Mittagessen in den "Schwan". Die Pause kommt der 70-Jährige gelegen: "Das ist schon ein stressiger Job." Und da ruft auch schon der nächste Termin. 13 Uhr - Flüchtlingsunterkunft Der kurze Besuch in der Mehrzweckhalle in Allerheiligen, die mittlerweile 103 Flüchtlinge beherbergt, ist für Lienshöft-Schultze der erste Kontakt mit einer Flüchtlingsunterkunft. Breuer will sich ein Bild von der Lage machen, die Rentnerin begleitet ihn. "Es ist deprimierend", fasst sie ihren Eindruck zusammen. "Es gibt zwar Duschen und Toiletten, aber keine Privatsphäre." 14 Uhr - Goldenes Buch Vor dem letzten Termin des Tages ist noch Zeit für einen Kaffee und einen kurzen Blick ins Goldene Buch der Stadt. Lienshöft-Schultze freut's: "Wann hat man dazu schon die Gelegenheit?" 16 Uhr - Ratssitzung Kurz bevor Breuer die Ratssitzung am Nachmittag einläutet, nutzt die 70-Jährige ihre Chance - und nimmt Platz auf dem Stuhl des Bürgermeisters. Ihr Fazit des Tages: "Als Bürgermeister hat man wirklich wahnsinnig viel um die Ohren. Den ganzen Tag auf Achse, das ist schon ungewohnt. Aber eine tolle Erfahrung."

Quelle: NGZ
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