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Neuss
Mit "Richard III." im Landestheater die Bühnenwelt entdecken

Neuss: Mit "Richard III." im Landestheater die Bühnenwelt entdecken
FOTO: Endermann, Andreas (end)
Neuss. Er gilt als der Inbegriff des Skrupellosen, des Bösen, der Bruder- und Kindsmord nicht scheut, um sein Ziel zu erreichen und als König über England zu regieren. "Richard III." ist hässlich, hat einen Buckel und ein verkrüppeltes Bein - zumindest bei William Shakespeare. Mit dem letzten Teil seiner Königsdramen bescherte Shakespeare Generationen von Schauspielern eine Traumrolle - und Generationen von Regisseuren eine große Herausforderung. Was also kann man neu erzählen von einer Figur, die schon unzählige Male auf der Bühne interpretiert wurde und sicher auch in Zukunft noch vielfach interpretiert wird? Von Helga Bittner

Bettina Jahnke, Regisseurin und Intendantin des Rheinischen Landestheaters, lacht. "Ja, das behindert schon", sagt sie, "denn alles ist schon mal dagewesen, und ich musste schauen, wo ich meine Einflugschneise finde." Dennoch hat sie sich zum Abschluss der laufenden Saison ganz bewusst für dieses Stück entschieden: "Was passt schon besser zum Spielzeit-Thema Gerechtigkeit als die Geschichte eines Menschen, der Gerechtigkeit allein für sich reklamiert!"

Am Freitag, 13. Mai, um 20 Uhr ist Premiere ihrer Inszenierung, aber bereits vorher wird ein Leser (mit Wunsch-Begleitung) einen exklusiven Einblick in die Produktion erhalten. Denn er darf schon mal gucken - bei einer Probe, die zudem mit einer Führung hinter die Kulissen verbunden wird.

Seit gut einem halben Jahr beschäftigt sich Jahnke mit dem Text, hat selbst eine Fassung erarbeitet, die sie jetzt auch ihrem Hauptdarsteller an die Hand geben kann. Alfons Philipp Heitmann wird Richard III. spielen. Er hat in etwa das Alter seiner Spielfigur (Mitte 30), wird allerdings nicht hässlich gemacht oder verunstaltet. Nicht das Böse in ihm interessiert Jahnke, sondern die Frage, wie ein Mensch, "der so ausgegrenzt wird, sich nach oben boxt". Richard III. und seine Getreuen sieht sie eher "als die jungen Wilden gegen die Etablierten um Königin Elisabeth". Für sie spiegelt sich darin auch das heutige Leben wider.

Gleichwohl will sie das Stück nicht modern machen, sondern in seiner Zeit belassen und gleichzeitig seine zeitlose Bedeutung vermitteln. "Historisierend" werden Bühne und Kostüme sein, die Ausstatterin Iris Kraft entwirft.

Nun aber stehen erst einmal die "Tischproben" an. Die Schauspieler lesen den Text, um zu erspüren, was darunter liegt. Diesen Weg ist Jahnke schon gegangen, nun muss sie ihn mit den mit den Schauspielern abschreiten: "Gerade bei Kunstsprachen wie von Shakespeare oder Thomas Mann ist es wichtig, sie sich zu eigen zu machen", sagt sie.

Ende April/Anfang Mai wird die gesamte Produktion von der Probebühne an der Wolberostraße ins Schauspielhaus umziehen. Dann beginnt die Zeit, in der die Darsteller unter den echten Bühnenbedingungen arbeiten - und in der die Inszenierung auch für eine Vorbesichtigung interessant wird. Sie wird verbunden mit einer Führung über die gesamte Bühne - von der Beleuchtungsbrücke bis hin zu den Räumen hinter den Brettern, die die Welt bedeuten.

Es ist nicht das erste Shakespeare-Stück, dass Jahnke in ihrem Neusser Spielplan hat. Einen wunderbaren "Sommernachtstraum" hat sie als Regisseurin schon auf die Bühne gebracht, ein überzeugend ideenreiches "Wintermärchen" ebenso.

Quelle: NGZ
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