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Neuss
Mit Tönen des Mittelalters zu religiöser Toleranz

Neuss. Das Kölner Ensemble "Sanstierce" für mittelalterliche Musik gestaltete erst im vergangenen Jahr einen der Höhepunkte der Romanischen Nacht in der Quirinusbasilika. Nun war das Ensemble wiederum in Neuss, diesmal in der Reihe "Acoustic Concerts" im mittelalterlichen Kulturkeller und mit seinem Programm "Tres Morillas": Drei Maurinnen begegnen einem spanischen Ritter und beginnen einen Flirt...

Das Lied aus dem 15. Jahrhundert beschreibt das Programm genau, denn es geht um Lieder unter jüdischem, christlichem und muslimischem Einfluss während der Anfangszeit der Jahrhunderte langen Herrschaft der Mauren auf der iberischen Halbinsel.

Die "convivencia", das Zusammenleben der drei Religionen war durch Toleranz und gegenseitige Akzeptanz geprägt. Das ist auch das Anliegen von "Sanstierce", religiöse und musikalische Gemeinsamkeiten aufzuzeigen und dadurch für Toleranz zu werben. Maria Jonas, Gesang und Shrutibox (erzeugt Borduntöne zum Gesang) und Dominik Schneider, Traversflöten und Quinterne (eine Art Laute), kennen sich schon lange. Die beiden Musiker leiten zusammen mit Stefan Klöckner den Masterstudiengang "Musik des Mittelalters" an der Essener Folkwang-Universität.

Seit 2014 gehört zum Ensemble der Iraker Bassem Hawar, Djoze (irakische Kniegeige) und Percussion. Auch er pflegt die mittelalterliche Musiktradition seiner Heimat. Davon zeugten auch zwischen den Liedern instrumentale Stücke wie "Lami", ein wehmütiger Djoze-Gesang von Bassem Hawar. Im Mittelpunkt aber standen die einstimmigen Gesänge, von Maria Jonas mit ausdrucksstarkem Mezzosopran geradezu zelebriert. Dem hochkonzentrierten Interesse eines zahlreich vertretenen Publikums kam dabei entgegen, dass sie die Geschichten der Lieder erzählte: "Im nächsten Gesang werde ich schon wieder verlassen!"

In einem galizischen Liederzyklus aus dem 13. Jahrhundert verleiht sie mit ihrer Interpretation den Substantiven "Sehnsucht" und "Trauer" vollkommene Einheit. Mit frivoler Mimik versieht sie die Sephardita "Con la cuba". Sephardim nannten sich die Juden, die nach dem goldenem Zeitalter der "convivencia" ab 1492 aus Spanien vertrieben wurden.

Dominik Schneider, der im Übrigen seine Traversflöten in Eigenbau rekonstruiert, begleitete nicht nur vermutlich sehr authentisch, sondern schrieb auch einige Instrumentalstücke, wie "Gargouille" vollkommen der Zeit entsprechend.

(Nima)
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