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Neuss
Mitreißend und exzellent - die Kammerakademie

Neuss. Im Fokus des Saisonauftaktes im Zeughaus stand die Uraufführung von "Sarumba". Aber auch alles andere überzeugte.

Es schien, als hätten die Neusser lange genug gewartet, denn das erste Konzert zum Saisonbeginn der Deutsche Kammerakademie Neuss am Rhein (DKN) war restlos ausverkauft. Ein zufriedener Orchestermanager Martin Jakubeit teilte dem erwartungsfrohen Publikum im Zeughaus mit, dass auch die folgenden Abonnementkonzerte zu mehr als 90 Prozent gebucht sind, und erläuterte für "die neuen Abonnenten unter Ihnen" Sinn und Zweck des von der Stadt Neuss geförderten einmaligen Stipendiatenorchesters.

Dabei verabschiedete er Ania Bara, die im Sommer beim Radio-Symphonieorchester Berlin eine feste Stelle antritt, und begrüßte als neue Stipendiatin Lilit Tonoyan, die im vergangenen Jahr den Kunstförderpreis der Stadt Neuss gewinnen konnte.

Das erste Konzert begann mit wunderbarer Unterhaltung, denn die berühmte "Serenata notturna" von Wolfgang Amadeus Mozart wurde von der DKN mit gut aufgelegter Leichtigkeit musiziert. Selbst der pompöse Marsch wurde gelegentlich zum Scherzo. Dem Streichorchester mit Pauken tritt ein Soloquartett gegenüber mit Kontrabass anstatt Violoncello. Dem Vergnügen setzte Chefdirigent Lavard Skou Larsen (an der 1. Violine) noch eins drauf, indem er im abschließenden Final-"Rondeau" den wiederkehrenden Refrain solistisch mit Wiener Walzertakten und den Anfangstakten der "Marseillaise" einleitete.

Im Mittelpunkt des Abends stand aber eine Welturaufführung. Die Komposition "Sarumba" wurde von dem in Texas lebenden niederländischen Komponisten Peter Lieuwen (63) im Auftrag der Chamber Soloists Salzburg und der DKN für zwei Soloviolinen und Orchester geschrieben. Die Solisten waren Lavard Skou Larsen und seine Frau Emeline Pierre, die auch als Geigenprofessorin an der Academie Musicale Lyon unterrichtet.

Das rhythmisch mitreißende Werk verbindet wirkungsvoll brasilianische Tänze wie den Samba, Rumba und den nordbrasilianischen Baiao. Vollkommen geglückt die Balance zwischen dem vor allem die tänzerischen Rhythmen zelebrierenden Streichorchester, verstärkt durch Klavier, Pauken und zahlreiches Schlagwerk, und den meist in melodischer Lyrik schwelgenden Solisten. Der in Neuss anwesende Komponist war sichtbar mit dieser Uraufführung glücklich.

Leidenschaft und exzellentes Spiel bestimmten auch Joseph Haydns meisterhafte Oxford-Sinfonie, der Lavard Skou Larsen markante Akzente verlieh. Unter den ausgezeichneten Bläsern konnten besonders die Hörner und Trompeten gefallen, denn die DKN hatte sich für weich klingende, historische Naturinstrumente entschieden.

(Nima)
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