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Neuss
Mitreißendes Klavierspiel von Gilles Vonsattel im Zeughaus

Neuss. Der Neusser Kulturreferent Rainer Wiertz testet gelegentlich in der Region unbekannte Ensembles und Solisten in Konzerten auf der idyllischen Museumsinsel Hombroich, bevor er sie auf die "große Bühne" Zeughaus einlädt. Das erlebte auch der 1981 im schweizerischen Lausanne geborene amerikanische Pianist Gilles Vonsattel, der jetzt ein Zeughauskonzert bestritt.

Vor einem Jahr feierte er seinen ersten Neusser Auftritt auf der Insel mit einem begeisterten Publikum. Einige der Werke, die er dort spielte, hatte Rainer Wiertz auch für das Zeughaus bestellt. Diese verband Gilles Vonsattel zu einem Gesamtprogramm, dessen konsequenter Zusammenhang faszinieren konnte.

Da mochte zunächst überraschen, dass er mit den "Variationen op. 27" von Anton von Webern begann. Der Klang der drei Sätze wird in kleinste Einheiten zerlegt, der "punktuelle Stil" korrespondiert mit einem permanenten Zwölftonkomplex.

Dass die folgenden "Vier Klavierstücke" (op. 119) von Johannes Brahms damit zu verbinden sind, schafft wohl nur Gilles Vonsattel. Seine berauschenden Klavierfarben, lyrischen Phrasen und die Leidenschaft im pianistischen Zupacken schaffen einen Zusammenhang, der "erst durch seine Klaviersprache deutlich wird", wie ein Kritiker einmal schrieb.

Dass er im vierten Stück "Rhapsodie" die Coda mit pianistischer Bravour steigert, zeugt von seinen enormen technischen Fähigkeiten. Seine "Sprache" macht auch Ludwig van Beethovens "Sonate Nr. 26" (op. 81 a) vom "Lebewohl" und der jubelnden Wiedersehensfreude zum bewegenden Dokument.

Am Vorbild Beethoven orientiert Robert Schumann seine große "Fantasie für Klavier C-Dur" (op. 17) mit ebenfalls dreisätziger Anlage. Leidenschaftliche Seelensehnsucht prägt den ersten Satz, das von Gilles Vonsattel überlegend mitreißende Spiel des Marschrhythmus im zweiten Satz bereitet das Traumfinale vor. Eine große Fantasie - ein großartiger Klavier-Soloabend!

(Nima)
 
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