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Neuss
Mitreißendes Konzert beim Orgelsommer

Neuss. Der Schweinfurter Organist Martin Seiwert interpretierte Max Reger mit Spannung und hoher Kunst.

Max Reger pur gab es in einem mitreißenden Konzert beim Orgelsommer in der Neusser Quirinusbasilika, der mit dem Thema "Willkommen Max Reger!" an das 100. Todesjahr des nach Johann Sebastian Bach bedeutendsten deutschen Orgelkomponisten erinnert. Einmal mehr spielte der Schweinfurter Organist Martin Seiwert in Neuss, der bereits sein Stammpublikum hat. Wegen des schönen Wetters blieb aber die Zuhörerzahl dennoch überschaubar.

Gleich feurig und "con spirito" begann er mit "Toccata und Fuge D-Dur" aus den "Zehn Stücken", einem Zwischenspiel gab er schöne Flötentöne und ließ in der lebhaften, aber gut zu verfolgenden Fuge immer wieder Akkorde aufblitzen. Aus der gleichen Sammlung spielte er mit "Romanze" und einem "Moment musical" kleine Kostbarkeiten, die man öfter hören möchte. Das gilt auch für die drei Stücke aus den "Trios": Ein sehr aparter Tanz wird abgelöst durch eine melodiöse "Canzonetta" ein lebendiges "Scherzo" mit ruhigem Mittelteil beschließt diesen Abschnitt.

Dann widmete sich Seiwert einem Monumentalwerk Max Regers: "Introduktion, Passacaglia und Fuge e-Moll" sind von der Länge, der Fülle an fantasievollen Einfällen und spieltechnischen Extravaganzen für den Interpreten, aber auch den Zuhörer scheinbar erdrückend.

Max Reger schrieb 1913 das Auftragswerk zur Einweihung der größten Orgel Europas, des von seinem Freund und Orgelvirtuosen Karl Straube disponierten Sauer-Instrumentes mit fünf Manualen und 187 klingenden Registern in der Breslauer Jahrhunderthalle. "Wir müssen nur die Errungenschaften des modernen Orgelbaus ausnutzen - und dann Bach'sche Kompositionsart für Orgel anwenden!" schrieb Reger zuvor.

Der mächtigen Einleitung mit toccatahaften Läufen und dynamisch reizvoll abgesetzten Zwischenspielen folgt die mit 26 Variationen großangelegte Passacaglia. Das ostinate Thema im Pedal erinnert stark an Bachs "Passacaglia c-Moll", bleibt immer trotz ruhiger Registrierung gut hörbar, darüber baut sich ein melodisch und harmonisch abwechslungsreiches Klanggebäude auf.

Seiwert bot auch in der Fuge eine überdurchschnittliche Interpretation, effektvolle Registrierungen steigerten den Aufbau spannungsvoll. In seinem klaren und technisch souveränen Spiel verzichtete er weitgehend auf schrill Obertöniges und setzte meist auf grundierende Pastellfarben und feine Soli. Sehr schön die "tranquillo"-Variation in satten Streicherstimmen! So wurde auch ein Mammutwerk zum lohnenswerten Hörerlebnis, wie der anhaltende Applaus bestätigte.

Info Das letzte Konzert im Orgelsommer spielt am Sonntag (20 Uhr) Münsterkantor Joachim Neugart, unter anderem mit Max Regers großartiger Fantasie über den Choral "Wachet auf, ruft uns die Stimme".

(Nima)
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