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Neuss
Mittelstandsforum diskutiert über Krisen-PR

Neuss. Auf Einladung der Sparkasse erörterten Fachleute aus PR, Wirtschaft und Medien die Frage: Was tun, wenn eine Firma am Pranger steht. Von Stefan Reinelt

Das 15. Neusser Mittelstandsforum hatte mit "Krisen-PR – Die Firma am Pranger, was tun?" ein Thema gewählt, zu dem es wohl immer ein aktuelles Beispiel gibt. Die Warsteiner-Brauerei ist mit dem Legionellenvorfall in diesen Tagen im Gespräch, vor einigen Monaten war es der Neusser Aromahersteller Silesia mit der Maggie-Wolke. Doch wann steckt ein Unternehmen überhaupt in einer Krise?

Ein Banküberfall löse für die Sparkasse Neuss noch keine Krise aus, sagte ihr Sprecher Stephan Meiser. Das Geldinstitut war wieder einmal Gastgeber des Mittelstandsforums. Für solche Fälle hat sich die Bank einen Plan zurechtgelegt. "Wichtig ist eine ehrliche und offene Kommunikation. Dabei gilt es, vor der Öffentlichkeit zunächst die eigenen Mitarbeiter ins Bild zu setzen, denn sie könnten überall darauf angesprochen werden", so Meiser.

Eine Krise muss ein Unternehmen also nicht gänzlich unvorbereitet treffen, allerdings kommt sie in der Regel unerwartet. "Aber denken Sie nie, dass Sie das nicht treffen kann", sagte Tom Hegermann. Der Moderator des Mittelstandsforums sollte später durch eine Podiumsdiskussion führen, begrüßte aber zunächst den Hauptredner des Abends, Thomas Müller von der Agentur "Die PR-Berater" aus Köln. Er vermittelte dem Publikum die klassische Methodik einer Krise.

"Die Krise ist immer einzigartig und unvergleichbar, wird schnell dynamisch und unkontrollierbar", so Müller. Häufigstes Element sei eine Missetat, die durch einen Informanten oder Verräter – dem "Skandalierer" – in die Öffentlichkeit getragen werde. Der PR-Berater spricht beim Krisenmuster von einer Skandal-Triade, bestehend aus dem Skandalierer, dem Betroffenen und dem Publikum. Kommen erste Enthüllungen an die Öffentlichkeit, setzt die sogenannte Krisenabwehr ein.

Zunächst sollten Fakten geprüft werden: Was stimmt? Wer ist dafür verantwortlich? Was muss zugegeben werden? Was kann anders interpretiert werden? "Das Wesentliche ist es, Fehler zuzugeben und für Verbesserung zu sorgen", erklärte Müller. Dies sorge für eine gewisse Emotionalisierung und mache den krisengebeutelten Unternehmer glaubhafter. Falsch sei eine lange Reaktionszeit oder das "Nicht-wahrhaben-wollen".

Das anschließende Podium bestätigte aus der Praxis, was Thomas Müller zuvor referierte. Dort saßen die Interim-Managerin Marei Strack, der Geschäftsführer des Kühlhauses Düsseldorf mit Lager in Neuss, Thomas Lemmerholz, und der stellvertretende NGZ-Redaktionsleiter Frank Kirschstein.

Der Journalist erklärte, dass die Medien nach Relevanzfaktoren – etwa der Zahl der Betroffenen, der räumlichen Nähe oder der mit einem Ereignis verbundenen Kontroverse – entscheiden. Sei das Thema identifiziert, helfe keine Blockadehaltung mehr. Im Fall des Pferdefleischskandals war das Kühlhaus Düsseldorf in den Blickpunkt geraten. Deren Geschäftsführer Thomas Lemmerholz reagierte schnell. "Wir mussten erklären, was unsere Aufgabe ist und was nicht. Die betroffene Tiefkühlkost lagerte zwar bei uns, aber als Logistikunternehmen waren wir nie Wareneigentümer und für die Inhaltsstoffe verantwortlich", so Lemmerholz. Die eigene Krise war damit abgewendet.

Quelle: NGZ
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