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Neuss
Museum begeistert Schüler für Kunst

Neuss: Museum begeistert Schüler für Kunst
Mit hoher Konzentration beschäftigen sich die Viertklässler der Martin-Luther-Schule mit Kunst - im Museum haben sie ihre Begeisterung für Gemälde entdecken können. FOTO: woi
Neuss. "Unterricht am Original" heißt ein neues Format, das das Clemens-Sels-Museum ins Leben gerufen hat. Ziel ist es, das Museum als außerschulischen Lernort zu etablieren. Zum Abschluss werden Schülerarbeiten im Museum präsentiert. Von Marion Lisken-Pruss

Fast fühlt man sich an ein Spiel aus längst vergangenen Kindertagen erinnert: "Ich packe meinen Koffer und nehme mit" heißt es. Der Mitspieler wiederholt alle Gegenstände, die sein Vorgänger genannt hat und fügt einen eigenen hinzu. Im Clemens-Sels-Museum läuft es andersherum: Denn der große, altmodische Koffer, der auf einem Tisch vor einer Staffelei steht, ist längst mit außergewöhnlichen Dingen bestückt: mit einer kleinen Blumenvase, einem rosa Spitzentuch, einem Fächer, einer alten Puderdose und einem großen Hut.

Die Schüler der vierten Klasse der Martin-Luther-Grundschule holen sie nach und nach aus dem Koffer hervor. Und es dauert nicht lange, bis sie Puderdose und Fächer auch auf dem Bildnis "Die Marquise" (1911) von James Ensor entdecken. Die Schüler nehmen teil an dem Pilotprojekt "Unterricht am Original". So heißt das neue Format, das das Clemens-Sels-Museum in Kooperation mit der Martin-Luther-Grundschule ins Leben gerufen hat - mit dem Ziel, das Museum als außerschulischen Lernort im Lehrplan zu verankern. Museumschefin Uta Husmeier-Schirlitz möchte die Schulkinder ins Museum holen, und zwar unabhängig von ihrem Elternhaus. Denn dort würden häufig andere Prioritäten gesetzt, sagt sie.

Einen passgenauen Unterricht vor dem Original mit einem Bezug zur Alltagsrealität hat sie dabei zur Maxime erhoben. Dieser sperrige Begriff entpuppt sich als eine Unterrichtsstunde, in die sich die Schüler von Anfang an begeistert einbringen: Als sie anhand von Spitzentuch und Puderdose auf das Leben der Gräfin schließen; als sie selber Teddys oder einen Pandabären aus ihren Rucksäcken holen und erzählen, warum sie sie zu ihren Lieblingsstücken erkoren haben und mit auf eine Reise nehmen würden, oder als die Museumschefin ihnen mithilfe eines Schaukastens den Entstehungsprozess eines Gemäldes erläutert.

Uta Husmeier-Schirlitz vermittelt den Kindern anhand von Ensors Porträt aber noch etwas anderes - wie sie überhaupt an ein Gemälde herangehen können, um es zu verstehen. Dabei ist der Museumschefin eines wichtig: Die Schüler dafür zu sensibilisieren, dass es sich bei Gemälden um wertvolle, alte und nicht reproduzierbare Einzelstücke handelt. "Die Schüler kennen Kunst überwiegend aus den Medien und als Reproduktion", bestätigt Bettina Schneidewin, Lehrerin an der Martin-Luther-Grundschule. Im Museum und vor dem Original hingegen könne man die Kinder für Kunst begeistern, und zwar über alle Altersstufen hinweg.

Bei den Schülern der ersten Klasse steht ein anderes Gemälde im Mittelpunkt: der "Korb mit Früchten" der naiven Malerin Emma Stern. Dort geht es primär um Farbtöne, um Mischungsverhältnisse und Formen und weniger um den Bildinhalt. Doch in einer zweiten Sinnebene erreicht Uta Husmeier-Schirlitz mit dem gemalten Obstkorb auch hier die Lebenswirklichkeit der Erstklässler. Zurück in der Schule malen die Schüler selber Porträts oder Obstkörbe. Als Highlight des Projekts werden ihre Schülerarbeiten ab dem 27. Oktober fast drei Wochen lang im Grafischen Kabinett des Museums präsentiert. "Die Kinder sind stolz und empfinden das als Zeichen der Wertschätzung", betont Bettina Schneidewin. Museumschefin Uta Husmeier-Schirlitz freut sich über einen gelungenen Auftakt. Für das nächste Jahr plant sie nicht nur eine Fortsetzung, sie möchte das Projekt auch auf weiterführende Schulen ausweiten.

Quelle: NGZ
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