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Neuss
Museum erwartet 90.000 Besucher

Neuss: Museum erwartet 90.000 Besucher
Ein L-förmiges Gebäude verbindet den Deilmannbau des Clemens-Sels-Museum und das neue Gebäude für Jugendstil-Sammlung und Bibliothek, das dem Gartensaal (r.) gegenüber liegt. Dadurch entsteht ein Innenhof, der auch nicht betreten werden soll. FOTO: gernot schulz: architektur GmbH
Neuss. Viele Fragen rund um den Erweiterungsbau des Clemens-Sels-Museums für eine umfangreiche Jugendstil-Sammlung aus privater Hand beschäftigten die Kulturpolitiker. Die NGZ hat eine Antworten-Auswahl zusammengestellt. Von Helga Bittner

Als die Kulturpolitiker zu ihrer Sondersitzung zusammenkamen, um mit Blick auf die avisierte Schenkung einer umfangreichen Jugendstil-Sammlung über die Erweiterung des Clemens-Sels-Museums zu diskutieren, war das Ergebnis offen. Bedenken gab es zu Hauf, auch wegen der Finanzierung, und so traten vor allem die CDU-Politiker mit einem großen Fragenkatalog an. Einige der wichtigsten Fragen stellen wir vor - samt der Antworten und Reaktionen aller Beteiligter. Dazu gehörten neben der Kulturverwaltung unter Dezernentin Christiane Zangs sowie Architekt Gernot Schulz auch Andrea Schiefke, Technische Betriebsleiterin des städtischen Gebäudemanagement Neuss (GMN), und Andreas Galland, Leiter des Bauordnungsamtes mit der Unteren Denkmalbehörde.

Wie setzen sich die Kosten für die drei Modelle zusammen?

Die kleinste Version (Modell A), 1200 Quadratmeter mit einem Bau für die Schenkung, wird mit 10,6 Millionen Euro veranschlagt. Darin enthalten sind ein Verbindungsbau und Planungskosten für weitere Bauten, denn Grundlage für den Entwurfsauftrag war eine module Bauweise. Hinzu kommen 475.000 Euro für Transport, Versicherung und mehr der Jugendstil-Sammlung. Modell B mit Bau für die Schenkung plus eine weitere Wechselausstellungsfläche (2000 Quadratmeter) schlägt mit 15,8 Millionen Euro zu Buche (inklusive Planungskosten, plus 475.000 Euro für die Transport etc.). Modell C mit 3000 Quadratmeter kostet 19,7 Millionen Euro (plus 475.000 Euro) und ermöglicht die Ausstellung der museumseigenen Kunst in Nähe zu der neuen Sammlung.

Was heißt das für das Clemens-Sels-Museum?

Modell A ändert an den Verhältnissen im Deilmannbau nichts. Modell B würde im zweiten Obergeschoss die Fläche für Kunst-Wechselausstellungen überflüssig und diesen Platz für Ausstellungen der Stadtgeschichte und Archäologie frei machen. Für das Modell C könnten die Kunstsammlungen des Museums komplett aus dem Deilmannbau ausziehen, so dass er die beiden anderen Sparten aufnehmen kann. Stadtgeschichte findet derzeit nur im begrenzt zugänglichen Obertor statt, Archäologie im Kellergeschoss.

Ist mit unerwarteten Kostensteigerungen zu rechnen?

Andrea Scheifke vom GMN spricht von einer denkbaren Steigerung bis zu 30 Prozent. Der Architekt Gernot Schulz versichert, dass sein Büro Budgets bisher immer eingehalten habe. 10 Prozent der Kosten seien zudem für Unerwartetes einkalkuliert. Sollten mehr entstehen, müsse an anderer Stelle gespart werden oder umgeplant werden.

Ist die Einrichtung in der Berechnung enthalten?

Ja, von in Wänden eingelassen Vitrinen bis hin zu den Ruhebänken.

Sind Zuschüsse vom Land und vom Bund zu erwarten?

Zangs rechnet fest damit, aber kann erst Anträge stellen, wenn der Rat der Erweiterung zugestimmt und die Schenkung angenommen hat.

Woran orientiert sich der architektonische Entwurf?

Die Erweiterungsbauten liegen in der Traufhöhe unterhalb des Deilmannbaus, die Außenwände sind schlicht gehalten: "Ein zeitloser Bau", wie Gernot Schulz sagt. Bei Modell C entstehen zwei Innenhöfe, einer ist nicht betretbar und könnte Ausstellungsfläche für den Würfel von Josef Neuhaus werden. Die Anordnung der Bauten ist so, dass viele Bäume erhalten bleiben - vor allem die große Platane am Museum.

Was sagt die Unteren Denkmalbehörde zu den Entwürfen?

Laut Andreas Galland würde die Behörde sich an der alten Stadtkante orientieren und den Baukörper für Wechselausstellungen im Modell C verlegen, um die zentrale Sichtachse von Süden/Südost nicht einzuengen.

Sind wichtige archäologische Funde zu erwarten?

Es könnten Rest von den Gerbereien aus dem Mittelalter oder einem Turm gefunden werden. Für die archäologische Untersuchung werden neun Monate angesetzt und sind 300.000 Euro in den Baukosten eingeplant. Was auch Galland für "einen relativ hohen Ansatz hält". Sollten wichtige Funde auftauchen, werden diese auf ihre Einbindung in den Bau untersucht.

Was ändert sich an der Eingangssituation des Museums?

Nichts, der Haupteingang des Clemens-Sels-Museums bleibt, wo er immer war. Am Obertor. Auch das frisch renovierte Foyer wird nicht angetastet.

Ergeben sich höhere Personalkosten für das Museum?

Laut Aussage von Zangs müsste das Tableau um eine halbe Stelle für die Verwaltung aufgestockt werden, Das Wissenschaftlerteam mit Chefin Uta Husmeier-Schirlitz, Ulf Sölter, Bettina Zeman und Carl Pause traue sich zu, den Ausstellungsbetrieb zu meistern. Optionen für später seien Gastkuratoren und eventuell ein Volontär.

Sind auf Dauer Einsparungen bei anderen Kulturhäusern zu befürchten?

Zangs geht nicht davon aus und verweist auf frühere Projekte, die auch gestemmt worden seien. Kulturamtsleiter Harald Müller führte in einem emotionalen Appell die Entscheidungen Alte Post bis hin zum landestheater an und bekam dafür einhelligen Beifall von den Politikern und den anwesenden Institutsleitern.

Welchen Besucherzuwachs erwartet das Museum?

Museumschefin Uta Husmeier-Schirlitz orientiert sich an anderen Museen und macht folgende Rechnung auf. Jugendstil-Kunst in Nancy (770 Quadratmeter) ziehe jährlich 40.000 Besucher an, das Bröhan-Museum in Berlin (1000 qm) 60.000, das Kunstgewerbe-Museum in Hamburg (9000 qm) 225.000, das Leopold-Museum in Wien (5400 qm) 300.000 Besucher. Derzeit habe das Museum 25.000 Besucher, mit Modell B rechne man mit 70.000 bis 80.000 und mit Modell C auch mit 90.000 Besuchern.

Quelle: NGZ
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