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Neuss
Museum: Schenkung, Chancen, Kosten

Neuss: Museum: Schenkung, Chancen, Kosten
Die Pläne für den Erweiterungsbau des Clemens-Sels-Museums stammen vom Architekturbüro Schulz. Im Anbau würde die Jugendstil-Sammlung zu sehen sein. Die Visualisierung zeigt ein neues Jugendstilzimmer. FOTO: Gernot Schulz/Architektur GmbH
Neuss. Lässt sich Neuss die Jugendstil-Sammlung schenken, würde die Stadt für Kulturtouristen attraktiv. Das ist unbestritten. Doch keine Chance ohne Risiko. Über Kosten, Unwägbarkeiten und Bedingungen berät Dienstag der Finanzausschuss. Von Ludger Baten

Der Weg zum Anbau für das Clemens-Sels-Museum ist steinig. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) stuft die favorisierte Planungsvariante als "nicht denkmalverträglich" ein. Die jüngste LVR-Stellungnahme berät der städtische Finanzausschuss am Dienstag (16.) ebenso wie einen detaillierten Kostenplan, der im Rathaus für mehrere Entwurfsvarianten erstellt wurde. Die Verwaltung hat somit ihre Hausaufgaben gemacht. Sie testiert "im Groben" die Berechnungen des Architekturbüros Schulz "Plausibilität", weist aber daraufhin, dass angesichts der frühen Planungsphase und denkbarer Unabwägbarkeiten Kostensteigerungen möglich sind. Im schlechtesten Fall bis zu 40 Prozent. Als Alternative nennt die Beratungsvorlage eine Kostendeckelung.

Seit im Herbst ein Sammler der Stadt Neuss seine 600 hochwertigen Jugendstil-Exponate als Schenkung angeboten hat, diskutiert Neuss, wie viel Geld die Stadt investieren darf, um ihr kulturelles Profil zu schärfen, in der Hoffnung, (Kunst-) Touristen aus aller Welt anzulocken. Die Sollbruchstelle teilt Fraktionen, Parteien und Bürgerschaft. Die Kulturpolitiker sind entschieden. Einstimmig empfahlen sie im Fachausschuss, das Geschenk einer Jugendstil-Sammlung an die Stadt Neuss anzunehmen. "Ja, aber nicht alles was wünschenswert ist, ist auch machbar" kontern vor allem die Finanzpolitiker, denn die wertvolle Sammlung wird nur ihren Weg ins Sels-Museum finden, wenn die Stadt einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag in die Hand nimmt, um am Obertor einen Erweiterungsbau zu errichten. Geht es nach den Kulturpolitikern, wird die 18,5 Millionen teure "Optimale Lösung" verwirklicht. Zu viel Geld für eine Stadt, die mit einem strukturellen Haushaltsdefizit in gleicher Größenordnung leben muss, sagen die Kritiker. Der Abwägungsprozess - hier Chancen, dort Aufwand - läuft. Mit der Vorlage für den Finanzausschuss liegen nun ein belastbares Zahlenwerk und eine Liste der zu bedenkenden Unwägbarkeiten vor.

Mögliche "Überraschungen" vermutet die Verwaltung immer dann, wenn es um Fragen der Bodendenkmalpflege und des Denkmalschutzes geht. Dazu zählen "unerwartete Funde" bei Grabungen und gegebenenfalls eine erforderliche Umplanung, denn der LVR drängt darauf, dass historische Bebauungsgrenzen, Sichtbezüge zu Obertor, Museumsbau und Windmühlenturm sowie das "Geländerelief" respektiert werden. Der Abstimmungsprozess könnte die Zeitachse verlängern, in der ein Museumsneubau errichtet werden kann.

Abschließend soll der Stadtrat in seiner Sitzung am 15. April entscheiden. Dienstag (17 Uhr, Ratssaal) steht eine wegweisende Etappe im Finanzausschuss an. Die Chancen für das ehrgeizige Projekt, realisiert zu werden, sind weiterhin intakt. Aber die Liste der offenen Fragen war und ist lang; die Stadtverwaltung versucht, Antworten zu geben. Dabei kommt die preiswerteste Modellrechnung mit 10 Millionen Euro aus, die maximale Investition würde danach 30 Millionen erfordern. Ähnlich sieht es bei den jährlichen Betriebskosten aus: Minimum 725.000 Euro, im Maximum müssten 1,7 Millionen Euro zum Unterhalt aufgebracht werden.

Quelle: NGZ
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