| 00.00 Uhr

Neuss
Musikerinnen erobern die Männerdomäne Schützenfest

Neuss. Einigen Frauen reicht es nicht, am Rand zu stehen, sie marschieren. Aber das geht in Neuss nur mit Instrument. Von Ute Böhm

Frauen in Uniform auf dem Neusser Schützenfest, das geht nur, wenn sie ein Instrument spielen. Auch wenn es nicht viele sind, so haben sich dennoch einige Damen ihren Platz in der Parade und den Festzügen erobert. Vier Musikerinnen der Bundesschützenkapelle Neuss erklärten unserer Zeitung, warum sie das Neusser Schützenfest nicht verpassen wollen.

"Ich bin in Grevenbroich aufgewachsen und bin schon als Kind in einer Musikkapelle aktiv gewesen", sagt Stephanie Lorenz. Sie ist schon seit 15 Jahren in der Bundesschützenkapelle dabei. Die Musik und die Gemeinschaft gehören für die Musikerin fest zusammen. Dabei ist es keine Selbstverständlichkeit, dass Frauen in den Musikkapellen spielen dürfen. Erst seit Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre wurden auch Frauen als Musikerinnen in den Festzügen akzeptiert. "Damals gab es Auflagen, dass Frauen ihre langen Haare verstecken mussten", erinnert sich Martin Lorenz als Leiter der Bundesschützenkapelle. Zu Beginn waren es nur wenige Frauen, die sich ihren Platz in der Kapelle eroberten. Heute ist ein Viertel der rund 50 Aktiven weiblich. "Wenn wir ohne Frauen auftreten müssten, hätten wir ein echtes Problem, dann würden die Klarinetten komplett fehlen", erklärt Lorenz.

Das Neusser Schützenfest ist auch für die Damen der Höhepunkt im Jahr. Selbstverständlich sind alle Aktiven dabei, als Entschuldigung zählt nur wenig. "Wer hoch schwanger ist, oder gerade ein Baby bekommen hat, hat einen guten Grund, ansonsten sind alle dabei", erklärt Vera Holtstein. Frühes Aufstehen, langes Warten bis es losgeht, um dann in sengender Sonne musizierend über den Markt zu marschieren. Was für den Außenstehenden wenig verlockend klingt, zaubert ein Lächeln in die Gesichter der Musikerinnen. "Es geht gar nicht nur um die Musik, sondern um die Geselligkeit", stellt Vera Holtstein fest. Aufgewachsen im Sauerland, kam auch sie schon als Kind mit der Marschmusik in Verbindung. Als der Beruf sie dann nach Neuss führte, fand sie ganz schnell Anschluss durch die Musik. Was die Bedeutung des Schützenfestes in Neuss angeht, musste Holtstein allerdings einiges lernen: "Bei uns im Sauerland ist das halt ganz anders. Es ist schon krass, wenn man sieht, wie ganz Neuss auf diese Tage hin fiebert."

Auch Eva Nienhaus schreckt es nicht, ein ganzes Wochenende über im Dauereinsatz zu sein. Erst zu Beginn dieses Jahres kam sie zur Bundesschützenkapelle und fühlte sich gleich herzlich aufgenommen. Zwar gibt es einige Kapellen, die Frauen in ihren Reihen haben, "aber hier war ich einfach direkt mitten drin", erklärt sie. Allerdings werden die musizierenden Frauen in Uniform manchmal auch immer noch kritisch beäugt. "Ich spiele mit dem Horn eher ein klassisches Männerinstrument, da gibt es manchmal auch noch kritische Blicke", gibt Petra Lindenberg zu.

Trotzdem sind die Musikerinnen auch stolz darauf, sich in der Männerdomäne des Neusser Schützenfestes einen Platz erobert zu haben. Zur Marschmusik brachte sie meist die Gemeinschaft in den einzelnen Kapellen, in denen sie auch früher schon gespielt haben. "Es ist nicht die Art der Musik, sondern eher das gemeinsame Musikmachen und das Pflegen der Freundschaften." Für Stephanie Lorenz ist es daher auch kein Zufall, dass die meisten Musikerinnen Musiker geheiratet haben. Nicht zuletzt ist das Schützenfest die Gelegenheit, die Musiker der anderen Kapellen zu sehen, denn in Neuss treffen sie sich alle.

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Neuss: Musikerinnen erobern die Männerdomäne Schützenfest


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.