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Neuss
Naht Lösung für alten Pierburg-Standort?

Neuss: Naht Lösung für alten Pierburg-Standort?
Reiner Breuer, Frank Wolters, Christoph Hölters und Frank Gensler (v.l.) am Stand der Stadt bei der Expo Real in München. FOTO: Berns Lothar
Neuss. Bürgermeister Reiner Breuer will das ins Stocken geratene Projekt für Gewerbe und 500 Wohnungen an der Stadtgrenze zu Heerdt vorantreiben. Weiteres Thema auf der Expo Real: neue Investoren für den Sozialen Wohnungsbau in Neuss. Von Frank Kirschstein

Die Entwicklung des alten Pierburg-Standortes an der Stadtgrenze zu Düsseldorf-Heerdt soll wieder Fahrt aufnehmen. Bürgermeister Reiner Breuer definierte den Stand des 150-Millionen-Euro-Projekts gestern auf der Immobilienmesse Expo Real in München als "kurz vor dem Durchbruch". Vor einem Jahr hatte Breuers Vorgänger Herbert Napp als eine seiner letzten Amtshandlungen der Düsseldorfer Bema-Gruppe als Investor auf der Messe eine genehmigte Bauvoranfrage überreicht - passiert war jedoch wenig.

Das Problem: Stadt, Investor und auch die IHK als Sprecher benachbarter Unternehmen hatten unterschiedliche Auffassungen über die Verteilung von Wohnungsbau und gewerblicher Nutzung an der Düsseldorfer Straße. Breuer ist jetzt nach Gesprächen mit den handelnden Akteuren in München sicher, einer einvernehmlichen Lösung nahe zu sein. "Wir erreichen eine gute Mischnutzung - mit Gewerbe, vor allem aber auch mit neuem bezahlbaren Wohnraum." Für die konkrete Umsetzung seien zwar noch einige "Hausaufgaben" zu machen, das Ziel eines Mischgebietes mit Wohnungsbau, Büros und einem Hotel - ohne Beeinträchtigung der Wirtschaft - sei jedoch klar formuliert und werde in einem Stufenplan umgesetzt.

Bema-Geschäftsführer Marno Matthäs hatte das Ziel vor einem Jahr so definiert: "Eine gute Mischung von sozialem und frei finanziertem Wohnungsbau in einem Viertel, das die Menschen verbindet." Konkret: Mietpreise auch im frei finanzierten Bereich sollten nicht deutlich höher sein als acht Euro pro Quadratmeter. Insgesamt könnten auf 52.000 Quadratmetern rund neue 500 Wohnungen entstehen. Aus Sicht der Wirtschaft begrüßt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, die Fortschritte für den Standort, für den nach dem Umzug des Automobilzulieferers Pierburg auf die Hafenmole I eine neue Nutzung gefunden werden musste. Wichtig für Steinmetz: "Mindestens 30 Prozent der Fläche müssen für die gewerbliche Nutzung erhalten bleiben. Außerdem dürfen auch Unternehmen im Umfeld in Bestand und Expansion nicht behindert werden." Es sei deshalb wichtig, bei der Gesamtplanung für das Gebiet an der Düsseldorfer Straße darauf zu achten, dass die Flächen für Gewerbe an der richtigen Stelle positioniert werden.

Bürgermeister Breuer hat bei der Expo Real zum Thema Sozialer Wohnungsbau aber auch über andere Flächen gesprochen, etwa die acht Hektar des Geländes von Essertec, früher Eternit, am Berghäuschensweg. "Die Reaktionen sind positiv und konkret. Mein Ziel ist es, über die Aktivität des Bauvereins hinaus, weitere Investoren für Sozialen Wohnungsbau in die Stadt zu holen", sagt Breuer. Nachteile für den Bauverein seien damit nicht verbunden: "Es gibt einen so hohen Bedarf auf dem Wohnungsmarkt, das kann der Bauverein allein nicht stemmen." Auch das ohnehin anspruchsvolle Vorhaben des Bauvereins, 1000 Wohnungen bis 2020 zu schaffen, ändere daran nichts.

Mit Blick auf das Hammfeld II beschäftigt sich Breuer mit Ideen für einen "Marktplatz 4.0". Die Frage der Zukunft des digitalen Handels sei noch ungeklärt. Gemeinsam mit der Zukunftsinitiative Innenstadt Neuss (ZIN) sei zu prüfen, ob sich aus innovativen Ideen von Investoren etwas Brauchbares für Neuss ableiten lasse.

Für den Wendersplatz denkt der Bürgermeister über einen Investorenwettbewerb nach, allerdings erst, wenn die Rahmenbedingungen für eine künftige Nutzung auch in der Politik noch einmal analysiert wurden: "Wir haben im Umfeld das Romaneum und das umgestaltete Hafenbecken I. Der komplette Kontext für den Wendersplatz hat sich verändert. Gleichzeitig sind Probleme durch die Lage und die Verkehrsführung geblieben." Vor diesem Hintergrund gelte es zunächst, intensiv über neue Nutzungsmöglichkeiten nachzudenken.

Quelle: NGZ
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