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Neuss
Napps stiller Abgang

Neuss: Napps stiller Abgang
An seinem letzten Arbeitstag will Bürgermeister Herbert Napp sein Büro abschließen und still das Rathaus verlassen. Eine Feier zu seiner Verabschiedung will er nicht. Daran ändert auch ein erneutes Schreiben des stellvertretenden Bürgermeisters Reiner Breuer nichts, das eher neuen Ärger schürt. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Der Streit um die Verabschiedung von Bürgermeister Herbert Napp geht weiter - und erhält durch einen Brief neue Nahrung. Von Christoph Kleinau

Der stellvertretende Bürgermeister Reiner Breuer (SPD) will sich nicht als kleinkarierte Krämerseele, die Bürgermeister Herbert Napp um eine würdevolle Verabschiedung nach mehr 17 Amtsjahren gebracht hat, in die Ecke stellen lassen. Er hat sich deshalb noch einmal schriftlich zu Wort gemeldet. Doch sein Brief an seine Bürgermeisterkollegen Thomas Nickel und Jörg Geerlings (beide CDU) schürt nicht nur neuen Streit, sondern ändert auch in der Sache nichts. Napp bleibt bei seinem "kategorischen Nein" zu einer Verabschiedungsfeier mit geladenen Gästen im Zeughaus und plant für den 20. Oktober, seinen letzten Arbeitstag, einen Abgang in aller Stille.

Breuer, der wie Nickel Napps Nachfolger im Rathaus werden möchte, will den Äußerungen seiner beiden Amtskollegen entnommen haben, dass Napp schon einmal, nämlich im Frühjahr, wegen "Unstimmigkeiten zur Durchführung der Verabschiedung" alles abgesagt habe. Breuers Schlussfolgerung in dem Brief: Es könnte sein, dass Napp schon angesichts der Kostendiskussion seiner drei Stellvertreter, die am Ende nicht 50 000, sondern 30 000 Euro für angemessen hielten, den Spaß an einer Verabschiedung verloren hat. Dann - so schwingt zwischen den Zeilen mit - war nicht Breuers Äußerung in einem Interview, in dem er von "viel Geld" für diese Feier gesprochen hatte, der Auslöser für Napps brüsk geäußerten Verzicht auf jede öffentliche Verabschiedung.

Die Darstellungen in diesem Brief wollen Napp, aber auch Geerlings so nicht durchgehen lassen. Breuers Brief, sagt Geerlings, sei der durchsichtige "Versuch, sich reinwaschen zu wollen" - und voller Falschaussagen. Zum Beispiel der, dass er erst am 17. Juli bei der Besprechung unter sechs Augen von der geplanten Verabschiedung erfahren haben will, den CDU-Kollegen das Thema hingegen schon seit März bekannt gewesen sei. Dann wäre Breuer in der Tat von diesen hinters Licht geführt worden.

Nein, sagt Geerlings, Breuer habe sehr wohl gewusst, dass der erste Beigeordnete, Frank Gensler, erst an die stellvertretenden Bürgermeister herangetreten sei, um sie für diese Aufgabe zu gewinnen. Weil, wie er erklärte, diese für die Außendarstellung der Stadt und damit für Napps offizielle Verabschiedung zuständig seien.

Inhaltlich falsch sei zudem, dass sich Breuer damit brüstet, die Kosten für das Fest auf 30 000 gedrückt zu haben. "Es ist unangemessen, sich so zum Streiter der guten Sache machen zu wollen", sagt Geerlings. Napp wiederum betont, zu einer offiziellen Verabschiedung auch zu einem früheren Zeitpunkt nie Nein gesagt zu haben.

In der Tat sei schon Anfang des Jahres über diese gesprochen worden, damals aber noch mit der Absicht, die städtischen Tochtergesellschaften finanziell zu beteiligen. Als einige Geschäftsführer die Befürchtung äußerten, dass sich das mit den Anti-Korruptions-Regelungen der Unternehmen nicht vereinbaren ließe, verfolgte Napp das Thema nicht weiter. Er habe keine Lust gehabt, dafür noch umfangreiche Rechtsgutachten in Auftrag zu geben.

Ist damit Schluss? Breuer betont, dass er eine Verabschiedung für angemessen und immer noch möglich halte, doch Napp lässt sich nicht umstimmen. Keine Feier, aber ein Feierabendbier. Das wird er im Drusushof trinken - mit Freunden.

Quelle: NGZ
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