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Neuss
Nepal - Idylle und karges Land zugleich

Neuss: Nepal - Idylle und karges Land zugleich
Talphi ist ein Ort in Nepal, der etwa 2700 Meter hoch liegt. Eric Valli hat das Dorf mitsamt der Himalaya-Kette im Hintergrund fotografiert. FOTO: Eric Valli
Neuss. Auf Schloss Reuschenberg zeigt Beate Düsterbergs Kunstinitiave "Wurzeln und Flügel" Fotoarbeiten von Eric Valli und Marie Schmidt. Mit der Schau "High Himalayas" wird auch an das Photoweekend in Düsseldorf angeknüpft. Von Helga Bittner

Eine Ausstellung auf Schloss Reuschenberg, die nur eineinhalb Monate läuft? Und dann auch noch mit Fotoarbeiten, die dort noch nie zu sehen waren? Alles richtig. Denn die neue Ausstellung der Kunstinitiative "Wurzeln und Flügel" ist auch ein Experiment in der an großen Künstlernamen und hochrangigen Schauen nicht armen Schloss-Geschichte unter Beate Düsterberg. Die Initialzündung dafür kommt aus Düsseldorf: das anstehende Photoweekend.

Schon vor einem Jahr hätte Beate Düsterberg gern den Neusser Anschluss an das renommierte und publikumswirksame Foto-Festival in der Landeshauptstadt hinbekommen, aber nun erst hat es geklappt. Mit zwei Künstlern, die ihr empfohlen wurden: "Ich kenne mich in dem Bereich einfach nicht gut aus", sagt sie fast entschuldigend, hat sich auf das Votum kenntnisreicher Bekannte verlassen - und Recht damit getan.

Denn mit dem Franzosen Eric Valli und der Deutschen Marie Schmidt sind zwei zusammengekommen, die eine enge Beziehung zu Nepal haben und dort Land und Leute mit der Kamera auf eine Weise festhalten, die schon deswegen beeindruckt, weil sie die Schönheit der Himalaya-Region ebenso zeigt wie die Drangsal des menschlichen Lebens dort.

Den Blick auf Dhulikhel in rund 1500 Meter Höhe hat Marie Schmidt im Nebel eingefangen. Der Ort liegt etwa 25 Kilometer von Kathmandu entfernt und ist auch ein Touristenziel. FOTO: Marie Schmidt

"High Himalayas" ist der passende Titel der Schau, die indes auch Gutes tun will: Denn der Erlös der Werke geht zu 100 Prozent nach Nepal, wo von dem Geld Schulen aufgebaut, die Trinkwasseraufbereitung wieder sichergestellt werden soll. Beides hat seit dem großen Erdbeben 2015 sehr gelitten, ist allerdings in der Öffentlichkeit kaum noch präsent.

Eric Valli, ein preisgekrönter Regisseur sowie ein Fotograf, der im Brotberuf Imagekampagnen für große Modedesigner inszeniert, lebt seit 20 Jahren in Nepal und dokumentiert das Leben dort in Bildbänden. Seine Fotos sind von großer Eindringlichkeit, selten einmal gibt er Menschen ein Gesicht, aber immer stehen sie im Zentrum, selbst wenn zwei Drittel des Fotos einen tief verschneiten Berghang zeigen, oder sie gar nicht wirklich da sind, weil das Bild nur Yaks als Lastentiere in einem Schneesturm zeigt.

Marie Schmidt, ebenfalls eine Modefotografin, war noch im Januar in Nepal unterwegs und zeigt ihre aktuellen Arbeiten. Größer sind sie, aber wie die von Valli von Düsterberg für die Schau auf Alu-Dibond gedruckt, was den Unterschied der Handschrift und die Gemeinsamkeit des Motivs betont.

Auch Schmidt ist von terrassierten Landschaften gefesselt, aber ihr Ton ist weicher, manches könnte auch von einem modernen Caspar David Friedrich gemalt sein. Marie Schmidt setzt mehr auf Stimmung: etwa in Aufnahmen mit Sonnenuntergang oder im Nebel. Sie spiegelt das Leben in Nepal in den Gesichtern der Menschen. Die Furchen verraten die Härte im Alltag, die Münder den Stoizismus, die Augen die große Lebendigkeit.

Quelle: NGZ
 
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