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Neue Mobilität - Neuss tut sich schwer

Neuss: Neue Mobilität - Neuss tut sich schwer
Dass sich mehrere Neusser ein Auto teilen, hat sich bei dem Modell von "Car2go" nicht rentiert. Experten sagen, für den Start wäre ein anderes Modell geeigneter gewesen. Darauf aufbauend hätte auch "Car2go" in Neuss eine Chance. FOTO: Daimler
Neuss. Carsharing wird wieder gestrichen, eine Fernbus-Haltestelle ist nicht in Sicht. Experten sehen trotzdem Potenzial in Neuss. Die Stadtwerke sind bereit, sich an Modellen zu beteiligen, haben aber noch keinen passenden Partner gefunden. Von Susanne Genath

Noch vor einem Jahr hatte der Fernbus-Betreiber Flixbus, der mittlerweile mit "Mein Fernbus" ein Unternehmen bildet, überlegt, in Neuss eine Haltestelle einzurichten. Daraus wird vorerst nichts. "Wir stecken unsere Energien im Moment in den Ausbau unseres Netzes außerhalb von Deutschland", erklärt Flixbus/Mein-Fernbus-Sprecherin Marika Vetter. Ein Halt in Neuss sei daher in nächster Zeit nicht vorgesehen.

"Wir haben in Düsseldorf eine starke Anbindung", sagt Vetter. "Die steht natürlich auch den Neussern offen." Erst vor kurzem hatte die Daimler-Tochter "Car2go" angekündigt, sich mit ihrem Carsharing-Modell, bei dem sich mehrere Benutzer ein Auto teilen, aus Neuss zurückziehen zu wollen. Das Angebot rechne sich in der Quirinusstadt nicht. Ziehen die mobilen Trends an Neuss vorbei?

Das glaubt Professor Dirk Vallée vom Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen nicht. "Es kommt auf das Konzept an", sagt er. Eine Fernbushaltestelle werde es wegen der Nähe zu Düsseldorf wohl nicht so schnell in Neuss geben. Aber für Carsharing sieht er gute Chancen, wenn man das richtige Konzept wähle.

",Car2go' ist ein flexibles Carsharing-Modell, bei dem man die Autos in einem Gebiet irgendwo abholen und woanders wieder abstellen kann", erklärt er. Bis dieses System bei der Kundschaft verankert sei, dauere es eine Weile. Außerdem passiere es hierbei oft, dass die Autos in der Innenstadt geholt und am Stadtrand abgestellt würden, es aber keine Kunden für die Rückrichtung gebe. Der Anbieter müsse dann dafür sorgen, dass die Wagen wieder in die Innenstadt kommen. "Das ist teuer. Einfacher ist es, mit der stationären Variante zu starten, bei der man die Autos nur an bestimmten Orten abholt und wieder hinstellt."

Dieser Meinung ist auch Professor Gerd-Axel Ahrens vom Institut für Verkehrsplanung und Straßenverkehr der Technischen Universität Dresden. "Flexibles Carsharing lohnt sich nur in großen Städten wie Berlin, Hamburg, Düsseldorf und München", sagt er. Für kleinere Kommunen sei stationsgebundes Carsharing die bessere Wahl. Und dann in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Verkehrsunternehmen, das den Nutzern vergünstigte Konditionen in Bus und Bahn biete. "Nur eine solche Kombination macht Sinn", erklärt Ahrens und verweist auf die Stadt Osnabrück.

Nach dem Start mit stationären Gemeinschaftsautos organisieren die dortigen Stadtwerke mit einem Verein seit September 2014 auch flexibles Carsharing. "Das Schöne: Die beiden Produkte kannibalisieren sich nicht, sondern wachsen kontinuierlich", berichtet Katja Diehl, Sprecherin der Stadtwerke Osnabrück. Über 500 Kunden habe man bereits bei der flexiblen Variante, 1200 bei der stationären. Das Schwierigste sei es gewesen, beide Modelle bekannt zu machen.

Grundsätzlich können sich die Stadtwerke Neuss (SWN) die Beteilung an Gemeinschaftsautos oder auf Gemeinschaftsfahrrädern wie in Düsseldorf vorstellen. "Solche Angebote machen den öffentlichen Nahverkehr noch attraktiver", , sagt SWN-Sprecher Jürgen Scheer. "Damit es ein tragfähiges Geschäftsmodell wird, brauchen wir aber einen Partner, der uns die Fahrzeuge zur Verfügung stellt." Den habe man bislang nicht gefunden. "Es gab aber schon Gespräche."

Quelle: NGZ
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