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Neuss
Neue Runde im Kampf um Palliativ-Station

Neuss: Neue Runde im Kampf um Palliativ-Station
Dr. Werner Moser ist Leiter der Palliativ-Station mit neun Betten. Er führt ein Team von Ärzten, Pflegern, Psychologen und Therapeuten FOTO: woi
Nordstadt. Der neue Landes-Krankenhausrahmenplan setzt einen Schwerpunkt auf die medizinische Versorgung älterer Menschen. Die St. Augustinus Kliniken hoffen daher auf eine Neubewertung ihres Palliativ-Angebots. Von Christoph Kleinau

Die Langmut der Krankenkassen hat ein Ende. Mit dem Jahreswechsel sind sie endgültig aus der Finanzierung der Palliativstation am Johanna-Etienne-Krankenhaus ausgestiegen. Die St. Augustinus-Kliniken als Träger des Klinikums in der Nordstadt halten das Angebot trotzdem aufrecht und haben die Hoffnung auf ein gutes Ende im Sinne ihrer Patienten noch nicht aufgegeben. Nahrung erhält diese Hoffnung durch den Entwurf eines neuen "Krankenhausrahmenplans 2015", den die Landesregierung vor einigen Tagen vorgestellt hat. "Unsere Chance ist, dass die PalliativMedizin in diesem Bedarfsplan neu eingeordnet wird", sagt Professor Jens Encke, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Johanna-Etienne-Krankenhaus.

Schon im Herbst 2011 war das kreisweit einzige Krankenhaus in konfessioneller Trägerschaft davon in Kenntnis gesetzt worden, dass die Palliativversorgung im Kreis in zwei Häusern konzentriert werden sollte. Das "Etienne" war nicht dabei. Obwohl, wie Markus Richter vom Vorstand der Augustinus-Kliniken erinnert, dieses Haus 2006 das erste war, das ein solches Angebot für unheilbar kranke Menschen aufbaute. Eine Klage gegen das Land scheiterte erstinstanzlich; die Richter sprachen von einer Ermessensentscheidung des Landes. Die Neusser legten Revision ein, doch ein Termin für eine Verhandlung am Oberverwaltungsgericht steht noch nicht fest. Parallel wurden 15 000 Unterstützerunterschriften gesammelt, und auch die Politik vor Ort machte mobil. "Weitere Kampagnen werden wir nicht starten", sagt Richter, der die Beratungen über den Krankenhausrahmenplan abwarten will. Der wurde dem Landtag zunächst zur Anhörung im Gesundheitsausschuss zugeleitet.

Dieser Rahmenplan enthält zwar keine Festlegungen zu den Strukturen einzelner Krankenhäuser, erklärt ein Sprecher des Landes-Gesundheitsministeriums, aber er definiert detaillierte Kriterien unter anderem für die spezielle medizinische Versorgung älterer Menschen. Eine gezielte Veränderung der Bettenkapazitäten ist Teil dieses Plans. "Wir müssen einen Rahmen setzen, der auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung Qualität sichert", formulierte Gesundheitsministerin Barbara Steffens beim Vorstellen dieses Entwurfes ein zentrales Anliegen.

Vor dem gleichen Hintergrund argumentiert auch das "Etienne" für eine Palliativmedizin, die, so Richter, an allen Krankenhäusern im Kreis etabliert sein sollte. "Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Menschen mit chronischen und unheilbaren Erkrankungen weiter zunehmen wird", sagt Jens Encke. Der Bedarf für eine solche Medizin, die todkranken Menschen Linderung ihrer Schmerzen bringen und ihrer verbleibenden Zeit mehr Leben geben will, sei eindeutig. 400 Patienten behandelt sein Haus schon jährlich – jetzt auf eigene Kosten.

(NGZ/jco/url)
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