| 00.00 Uhr

Neuss
Neue Wohnungen im alten Hochbunker

Neuss: Neue Wohnungen im alten Hochbunker
So könnte der Bunker an der Ecke Adolf-Flecken-Straße/Gielenstraße nach dem Umbau aussehen. Die Pläne auch für die Fassade müssen noch mit der Stadt abgestimmt werden. FOTO: Architekten Luczak
Neuss. Der städtische Bauverein erwirbt den Bunker an der Adolf-Flecken-Straße. Nach Plänen des Kölner Architekten Thomas Luczak werden in und auf ihm bis zu 20 Wohnungen neu entstehen. Der Bauverein spricht von Stadtreparatur. Von Christoph Kleinau

Der Neusser Bauverein will in direkter Nachbarschaft zum Hauptbahnhof etwas Stadtreparatur betreiben. Dazu hat das städtische Tochterunternehmen den zum Preis von 230 000 Euro ausgelobten Bunker des Bundes an der Adolf-Flecken-Straße erworben, um darin und darauf bis zu 20 neue Wohnungen zu schaffen. "Wir leisten damit einen Beitrag zur Aufwertung des Stadtbildes an markanter Stelle in zentraler Innenstadtlage", sagt Bauvereins-Vorstand Frank Lubig.

Der fensterlose Hochbunker aus dem Jahr 1942 wird - wie das derzeit in Heerdt passiert - dazu zum Mehrfamilienhaus umgebaut und zugleich um drei Stadthäuser mit Dachterrasse und bis zu 145 Quadratmetern Wohnfläche aufgestockt. Die Pläne dafür hat das Kölner Architekturbüro von Thomas Luczak entworfen, das auf derartige Umbauten spezialisiert ist. Weil sich die Planer an die Vorgaben des 1968 gefassten Bebauungsplanes hielten, der maximal vier Vollgeschosse zulässt, hält Luczak einen baldigen Baubeginn für möglich.

Seit dem Jahr 2000 präsentiert sich der Schutzraum bemalt. Genutzt wird er schon lange nicht mehr. FOTO: woi

Der Bund trennt sich seit einiger Zeit überall von seinen Schutzbauten. 2013 brachte er über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben den Hochbunker am Berghäuschensweg auf den Markt, der dann von der Stadt selbst erworben wurde. Diese wiederum hatte kein Gebot abgegeben, als mit dem Bunker an der Ecke Adolf-Flecken-Straße/Gielenstraße im März der letzte Bunker des Bundes in Neuss zum Kauf angeboten wurde. Das Büro "Architekten Luczak" hätte selbst Interesse gehabt, als Projektentwickler aufzutreten oder mit einem anderen Investor dieses Koversions-Vorhaben umzusetzen, sagt Inhaber Thomas Luczak. Letztlich aber erteilte die Bundesanstalt dem Bauverein den Zuschlag für den Bunker, der noch bis ins Jahr 2006 regelmäßig gewartet wurde. Seitdem steht er leer.

Die Pläne des Architekten müssen noch mit der Stadt abgestimmt werden. Deshalb kann Luczak noch nichts zur Fassadengestaltung sagen. Nur so viel: Sie solle Wohnlichkeit vermitteln, ohne die Herkunft, also die Bunker-Geschichte, ganz zu verleugnen. Seine Erfahrung zeigt, dass eine Aufwertung eher unansehnlicher Zweckbauten - zu denen Bunker durchaus zu zählen sind - positive Auswirkungen auch auf die direkte Nachbarschaft haben.

Bunker zu Wohnzwecken umzubauen, sei seit einigen Jahren zu durchaus erschwinglichen Kosten möglich, erklärt der Architekt. Er setzt dabei auf diamantbesetzte Seilsägen, mit denen er bodentiefe Fenster in die 1,10 Meter dicke Betonarmierung des Bunkers schneiden will. Das sei langwierig, sagt Luczak über das Verfahren, schone aber die Statik des Gebäudes - und die Nerven der Nachbarschaft. Die 40 Zentimeter dicken Innenwände, die dem Bunker eine zellenartige Struktur geben, seien sehr solide - aber nicht tragend. So können im Bunker 17 barrierefreie Wohnungen entstehen. "Damit schaffen wir weiteren bezahlbaren Wohnraum", sagt Frank Lubig. Der Bunker ist für ihn ein weiterer Schritt auf dem Weg, bis 2020 über 1000 neue Wohnungen zu errichten.

Quelle: NGZ
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Neuss: Neue Wohnungen im alten Hochbunker


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.