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Neuss
Neues Behandlungszentrum im "Etienne"

Neuss: Neues Behandlungszentrum im "Etienne"
Im gemeinsamen Gespräch zu einer ersten Diagnose. Menschen mit mehrfachen Behinderungen fällt es oft schwer, zu signalisieren, was ihnen fehlt oder ob sie Schmerzen haben. FOTO: St.-Augustinus-Kliniken
Neuss. Die St.-Augustinus-Kliniken planen eine bessere ärztliche Hilfe für Menschen mit Behinderungen. Sie hoffen, schon nächstes Jahr im Johanna-Etienne-Krankenhaus eine neue Abteilung einrichten zu können. Von Susanne Genath

Menschen mit geistiger Behinderung - insbesondere solche mit mehrfachen Behinderungen -, haben es schwer, anderen mitzuteilen, wenn sie Schmerzen haben oder krank sind. "Häufig gibt es ein jahrelanges Rätselraten von Eltern und Ärzten, was dem Betroffenen fehlen könnte", weiß Wilfried Gaul-Canjé, Geschäftsführer der St.-Augustinus-Behindertenhilfe. Das soll sich möglichst schon im nächsten Jahr ändern. Dann wollen die St.-Augustinus-Kliniken ein "Medizinisches Behandlungszentrum für erwachsene Menschen mit Behinderung" - kurz: MZEB - ins Leben rufen. Die gesetzlichen Grundlagen dafür wurden gerade gelegt.

"In dem Zentrum wollen wir die vier Fachbereiche Inneres, Orthopädie, Psychiatrie und Neurologie abdecken", sagt Gaul-Canjé. In welchem Umfang genau, stehe noch nicht fest, nur wo: im Johanna-Etienne-Krankenhaus. "Dort haben wir alle nötigen Geräte. Wir brauchen nur die Räume." Auf einem eigenen Flur sollen Mediziner, Pflegekräfte und Ergotherapeuten gleich beieinander sitzen. "Aus diesem Gesamtteam heraus wollen wir den Patienten eine kompetente Behandlung bieten."

Denn das klassische Gesundheitssystem sei für Menschen mit Mehrfachbehinderungen, wie es rund 3400 im Rhein-Kreis gebe, keine große Hilfe. "Die Ärzte haben oft nur fünf Minuten Zeit. Doch diese Zeit brauchen Menschen mit Behinderungen allein für einen Einstiegskontakt." Die Folge: Sie bekommen Angst, verschließen sich der Untersuchung. "So ist schon die Diagnose ein Problem."

In den Augustinus-Kliniken mit ihren Fachbereichen Behindertenhilfe, Psychiatrie und Somatik habe man dagegen große Erfahrung mit dem Personenkreis. "Wir unterstützen rund 1000 Menschen mit Behinderung bei Wohnen und Arbeit. Wir wissen, wo es Lösungen bei Problemen gibt."

Das werde auch künftig nicht alles in dem Medizinischen Behandlungszentrum selbst sein. "Wir können zum Beispiel keine Zahnärzte hier vorhalten. Aber wir kennen zwei Zahnärzte in der Region, die im Umgang mit Menschen mit geistigen Behinderungen geschult sind." Auch Augenärzte und Frauenärzte würden in dem Fachpool dringend gebraucht.

Rund 80 bis 90 MZEBs sind laut Gaul-Canjé bundesweit geplant. "Das bedeutet, dass unser Einzugsgebiet nicht nur aus Patienten des Rhein-Kreises bestehen wird, sondern auch von weiter weg, zum Beispiel aus dem Rhein-Erft-Kreis oder aus Krefeld." Eine genaue Zuordnung müsse noch erfolgen.

"Unsere Spitzenverbände haben mit Ärzten schon ein Rahmenkonzept entwickelt", berichtet Gaul-Canjé. "Es gibt eine eigene Bundesarbeitsgemeinschaft dafür." Diesen Monat wolle man NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens den Antrag übergeben. "Dann muss eine Landeskoordination erfolgen, um eine gute Versorgung in ganz NRW sicherzustellen." Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat das Konzept bereits kennengelernt. Bei seiner Sommerreise machte er auch in seiner Heimatstadt Neuss Halt und ließ sich die Probleme, aber auch die MZEB-Pläne schildern.

Quelle: NGZ
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