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Neuss
Neues Konzept für das "Schwatte Päd" gesucht

Neuss: Neues Konzept für das "Schwatte Päd" gesucht
Das Lokal "Em schwatte Päd" ist seit 1604 Gaststätte. Das (vorerst?) letzte Bier wurde dort beim Tanz in den Mai 2012 getrunken. FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)
Neuss. Der Makler der Meerbuscher Eigentümerin versucht, neues Leben in eins der ältesten Gasthäuser des Rheinlandes zurück zu bringen. Von Christoph Kleinau

Die nackten Fakten sehen nicht gut aus: Das Traditionsgasthaus "Em Schwatte Päd" ist noch bis Ende 2020 an die Brauereingruppe InBev verpachtet, zu der auch die Issumer Diebelsbrauerei gehört. Weil die erkennbar nichts zur Belebung der Gaststätte am Büchel getan hat, seit dort zum Tanz in den Mai 2012 das letzte Altbier gezapft wurde, rechnet auch Jürgen Linnerz mit nichts anderem - als mit weiteren fünf Jahren Leerstand. Doch damit möchte sich der Makler, der die Interessen der Meerbuscher Hausbesitzern vertritt, nicht abfinden. Er arbeitet an einem neuen Konzept, das im Kern unverändert ein Gasthaus vorsieht - aber eben nicht nur. "Meine Mandantin möchte, dass Leben in das Haus zurückkehrt", sagt er. Eigentum verpflichtet.

Linnerz Konzept fußt auf der Idee, mehrere Unternehmungen unter dem Dach dieses altehrwürdigen und denkmalgeschützten Hauses zu büdeln. Das würde die finanzielle Belastung der Jahrespacht, die - ohne Nebenkosten - mit rund 50.000 Euro jährlich aufgerufen wird, auf mehrere Schultern verteilen. "Wenn Außengastronomie möglich wäre, hätten wir deutlich mehr Chancen", führte er gestern dem CDU-Stadtverordneten Jörg Geerlings vor Augen.

Ortstermin: In dem leeren Lokal traf sich die Eigentümerin mit Ante Linnerz, Jörg Geerlings, Jürgen Linnerz und Eugen Friese (v.l.) FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)

Geerlings hatte das Thema "Zukunft des Päd" aufgerufen, weil er in der Innenstadt kaum ein Gespräch mit Bürgern führt, in dem nicht die dauerhafte Schließung des Hauses bedauert wird. Das wurde 1604 erstmals erwähnt und zählt damit zu den ältesten Gasthäusern im Rheinland. "Die Neusser hängen an dem Haus", sagt Geerlings, der Kontakt mit Brauerei, Makler und Besitzerin aufgenommen hat. "Kann man nicht innovativ denken?", fragte er gestern beim Ortstermin. Man kann wohl.

Geerlings wurde von Eugen Friese begleitet, der aus der Unternehmensberatung kommt und als Pensionär noch immer Spaß daran hat, Dinge zum Laufen zu bringen. "Alle trauern dieser Location nach", sagte Friese, der aus anderen Gegenden Deutschlands weiß, dass dort die Städte so "historische Häuser hätscheln und tätscheln". Er brachte eine Weinverkostung in dem Gewölbekeller ins Spiel und war damit fast auf der Linie, die auch dem Makler Jürgen Linnerz und seiner Frau Antje vorschweben. Die hatte schon einmal einen Interessenten für eine Cocktailbar am Haken, doch die Brauerei als Pächter wollte einen solchen Mieter nicht akzeptieren. "Zu wenig Bierumsatz", sagt Linnerz.

Das Grobkonzept sieht Gastronomie in Keller und Erdgeschoss sowie Außengastronomie vor. Wenn das vielleicht mit Hilfe der Politik möglich gemacht werden könnte. Die oberen beiden Etagen des Lokals könnten anderweitig genutzt werden und zum Teil Vereinen und Organisationen angeboten werden. Das Haus-Management würde das Maklerbüro übernehmen. "Uns würde die Raummiete reichen", sagt Linnerz - wenn am Ende des Jahres die Pachtsummer stimmt. Darauf würde sich auch die Besitzerin einlassen, deren Familie das Haus 1992 erwarb.

Wenn das Konzept rund ist, soll der Makler an die Brauerei herantreten und ihr anbieten, sich vorzeitig aus dem Pachtvertrag auskaufen zu können. Dann, aber auch nur dann, kann sich schon vor dem 1.1.2021 neues Leben im "Päd" regen.

Quelle: NGZ
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