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Neuss
Neues Leben begann mit NGZ-Artikel

Neuss: Neues Leben begann mit NGZ-Artikel
Richard Sirotzki hat bei einem Wohnungsbrand alle seine Habseligkeiten verloren. Zunächst wollte ihm das Sozialamt keine Hilfe auszahlen. Ein Anruf einer NGZ-Mitarbeiterin konnte das Missverständnis aufklären. FOTO: Lothar Berns
Neuss. Im Juli 1980 stand Richard Sirotzki nach einem Wohnungsbrand vor dem Nichts. Die Zeitungsmeldung darüber besitzt er bis heute. Er ist überzeugt, dass er es dem Einsatz der NGZ zu verdanken hat, dass ihm damals geholfen wurde. Von Susanne Niemöhlmann

Gerade 26 Zeilen lang ist die Meldung aus der NGZ vom 9. Juli 1980, das Papier bräunlich verfärbt, ein Eselsohr an der linken oberen Ecke, die Seitenränder hier und da ein wenig eingerissen. Doch der Neusser Richard Sirotzki verwahrt den Zeitungsausschnitt in einem Kästchen mit anderen Erinnerungsstücken an wichtige Ereignisse in seinem Leben.

Das Leben, das in jener Nacht des Jahres 1980 beinahe zu Ende gewesen wäre, wenn Schäferhund Nick sein schlafendes Herrchen nicht geweckt hätte. So aber konnten sich beide aus der brennenden Dachgeschosswohnung retten und die Nachbarn warnen. "Bis auf mein Auto besaß ich nichts mehr", erinnert sich der 58-jährige Sirotzki.

Nicht einmal das, was er auf dem Leib trug gehörte ihm, denn die Sommernacht war heiß gewesen und der junge Mann unbekleidet unter die Bettdecke geschlüpft. Ein Nachbar half in der Not mit einer Montur aus. Versicherung? Fehlanzeige. "Natürlich habe ich mich ans Sozialamt gewandt, das mir drei- oder vierhundert Mark geben wollte - als Darlehen", erzählt er, er wollte Kleidung kaufen, Möbel, einen Kühlschrank. "Im Sozialamt hieß es, ein Kühlschrank sei Luxus - im Hochsommer", ist er heute noch fassungslos.

Richard Sirotzki verließ das Rathaus und wandte sich in seiner Ratlosigkeit an die Redaktion der Neuß-Grevenbroicher Zeitung. "Eine junge Dame hörte sich meine Geschichte an, griff zum Telefon und erfuhr im Rathaus, da habe es sich wohl um ein Missverständnis gehandelt", berichtet Richard Sirotzki. Tags drauf erschien in der NGZ die Meldung über den Wohnungsbrand mit dem Schluss: "Das Sozialamt hat seine Unterstützung zugesichert." Der wichtigste Satz für den damals 23-Jährigen, der sich nach einer abgebrochenen Ausbildung zum Autoschlosser und Jobs beim städtischen Friedhofsamt zu diesem Zeitpunkt in einer Umschulung befand. Kurze Zeit später seien ihm 2500 Mark für die Erstausstattung bewilligt worden. Diese musste er nicht zurückzahlen. "Das habe ich nur der NGZ zu verdanken." Davon ist er bis heute überzeugt. Dass er dem Feuer entkommen konnte, verdankt er seinem treuen Schäferhund Nick. Diesen hatte er einige Jahre zuvor aus dem Tierheim zu sich genommen, obwohl er in seiner Mietwohnung gar kein Tier halten durfte. "Ich konnte nicht anders. Als ich ihm in die Augen sah, war da sofort eine Verbindung", sagt er. "Nick war ein großes, schönes Tier, sehr stark und überaus intelligent." Nach einem Disco-Besuch war Sirotzki in der Nacht nach Hause gekommen, hatte noch ein wenig ferngesehen und war dann eingeschlafen.

"Das Fernsehgerät muss sich entzündet haben, so hat es die Kripo ermittelt", erzählt Sirotzki, den das Bellen seines Hundes zunächst nicht wecken konnte. "Erst als Nick auf mich sprang und mir die Brust zerkratzte, bin ich aufgewacht", schildert er. Versuche, das Feuer zu löschen, endeten mit Verbrennungen, deren Narben inzwischen verblasst sind. Auf dem Weg zur Wohnungstür versagten dem 23-Jährigen zwischenzeitlich die Beine. Der laute Knall, mit dem die Fenster zerbarsten, rüttelte ihn auf. Und der eindringende Sauerstoff ließ ihn wieder zu sich kommen.

Als das Wohnhaus einige Zeit später renoviert war, konnte auch Richard Sirotzki, der zwischenzeitlich bei seiner Mutter Unterschlupf gefunden hatte, in seine Wohnung zurück. Diesmal offiziell mit Hund Nick, der in Grimlinghausen eine lokale Berühmtheit geworden war. . Sirotzki mochte seit dem Feuer nie mehr ohne Hund leben.

Quelle: NGZ
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