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Serie Was Macht Eigentlich . . . ?
Neues Zuhause an der Hochschule

Neuss. Der frühere Marienkantor Stefan Palm ist seit einem halben Jahr Professor für Orgel an der Hochschule für Kirchenmusik in Rottenburg - und ab heute dort auch Prorektor. Als Konzertorganist kehrt er aber immer wieder ins Rheinland zurück. Von Helga Bittner

Neuss Stefan Palm ist wieder ins Studentenheim gezogen. Nicht weil der 54-Jährige, der mehr als 15 Jahre Kantor an St. Marien war, an der Kölner Musikhochschule Kammermusik und Cembalo gelehrt hat, wieder von vorne anfängt. Zumindest nicht in Sachen Ausbildung - wie auch, wenn man wie er drei Konzertexamina (Orgel, Cembalo und Klavier) abgelegt hat, als Stipendiat an der renommierten Julliard School in New York seinen Master of Music gemacht hat. Aber sein ganzes Leben hat Palm auf neue Füße gestellt, sein Kantorenamt abgegeben, um nach Süddeutschland zu gehen. An die Hochschule für Kirchenmusik der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die ihn zum Oktober 2015 als Professor berufen hat.

Im Hauptberuf hat Palm seine Zelte im Rheinland zwar abgebrochen, aber weil seine Familie mit Ehefrau Andrea und dem noch schulpflichtigen 14-jährigen Sohn weiterhin in Jülich lebt (zwei Töchter und ein Sohn sind bereits aus dem Haus), ist er zunächst ins Studentenheim in Rottenburg gezogen. "Aber da gibt es extra Dozentenzimmer", sagt er schmunzelnd, "und außerdem ist es nur für den Übergang gedacht." Bis er er eine kleine Wohnung gefunden hat, denn in der Woche lehrt er, an den Wochenenden spielt er. Im Kölner Dom etwa, in Düsseldorf und auch immer gerne wieder in Neuss, denn noch ist seine Nachfolge an St. Marien nicht geregelt, und so hilft er als Organist gerne aus. Ohnehin bleibt er dem Rhein-Kreis verbunden, wird weiterhin die Konzerte auf Schloss Dyck für den dortigen Förderverein konzipieren und als Gastsolist auch ansonsten präsent bleiben. Anderes hingegen hat er abgegeben, zum Beispiel die Mitgestaltung der mittlerweile zweimal jährlich stattfindenden Kirchenmusikwochen. "Die Mitarbeit war an meine Person gebunden", sagt Stefan Palm.

Ein gutes halbes Jahr nach diesem Einschnitt macht Stefan Palm einen sehr zufriedenen Eindruck. Gut, die Pendelei zwischen Rottenburg und Jülich ist weniger schön, aber es hat auch was, dass die Familie Palm sonntags in Ruhe frühstücken kann und er nicht wie früher wegen der Orgeldienste in St. Marien frühzeitig gen Neuss aufbrechen musste.

Unterrichtet hat der Musiker schon immer gerne, an Rottenburg schätzt er besonders die überschaubare Unterrichtssituation. Zwölf Studenten, davon vier Masterstudenten, betreut er derzeit, gibt Unterricht am Cembalo und Klavier, in Chorleitung, Orgel- und Cembalo-Improvisation oder Gregorianik. "Mit dieser neuen Aufgabe ist mein Schwerpunkt wieder in Richtung Orgel gerückt", sagt Palm höchst zufrieden und ergänzt, wie sehr es ihm Freude mache, mit den jungen Studenten zu arbeiten. Zu Bedingungen, die fast nur als traumhaft bezeichnet werden können: "Die Hochschule hat 35 Studenten und 24 Dozenten, davon sind vier, darunter auch ich, hauptamtlich." Genau das hat ihm mit Beginn dieses Monats heute noch ein weiteres Amt in Rottenburg eingebracht: Stefan Palm wurde zum Prorektor der Hochschule bestellt.

Damit scheint die Hochschullaufbahn des Musikers auch zementiert, was aber ganz in seinem Sinne ist: "Mein Ziel war es immer, an eine Hochschule zu kommen", sagt er. Dass ihn das eines Tages an eine andere Hochschule führen könnte, mag er zwar nicht in Abrede stellen, aber er denkt derzeit nicht darüber nach. "Rottenburg ist eine aufstrebende Hochschule für Kirchenmusik", sagt er nachdrücklich, "während andere Einrichtungen die kirchenmusikalische Ausbildung reduzieren."

Quelle: NGZ
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