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Geständnis in Neuss
41-jähriger Onkel beteuerte vor Festnahme seine Unschuld

Neuss: 41-jähriger Onkel beteuerte vor Festnahme seine Unschuld
Der 41-Jährige wurde am Samstag festgenommen und hat die Tat gestanden. FOTO: Simon Janssen
Neuss. Ein elf Jahre alter Junge kämpft weiter um sein Leben. Nun hat der Onkel des Jungen gestanden, seinem Neffen die gefährlichen Verletzungen zugefügt zu haben. Im Gespräch mit unserer Redaktion hatte er zuvor noch seine Unschuld beteuert. Von Simon Janssen und Christoph Kleinau, Neuss

Noch am Samstag beteuerte er im Gespräch mit unserer Redaktion seine Unschuld, einen Tag später wurde er dem Haftrichter vorgeführt. Sven F., Onkel des elf Jahre alten Jungen aus Weckhoven, der in der Düsseldorfer Uniklinik noch immer um sein Leben kämpft, hat gestanden, seinem Neffen die gefährlichen Verletzungen zugefügt zu haben. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntag in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit.

Zahlreiche Zeugen, die in jüngster Vergangenheit Kontakt zu dem Kind hatten, seien in den vergangenen Tagen befragt worden. Daraus habe sich am Samstagabend ein Tatverdacht gegen den 41-Jährigen ergeben. Die zuständige Haftrichterin vom Amtsgericht Neuss erließ am Sonntag einen Untersuchungshaftbefehl wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung sowie versuchten Verdeckungsmordes.

Der Junge musste am Donnerstag reanimiert werden und wurde nach Informationen unserer Redaktion zunächst ins Neusser Lukaskrankenhaus und später in die Düsseldorfer Uniklinik eingeliefert. Am Samstagmittag sprach der mittlerweile geständige Onkel mit unserer Redaktion und lieferte seine ganz eigene Version der Geschehnisse ab.

"Der Junge kam verletzt vom Spielplatz"

Immer wieder sei der Junge in den vergangenen Tagen mit Verletzungen nach Hause gekommen. Vor allem im Gesicht soll er Frakturen gehabt haben, aber auch blaue Flecken an den Armen. "Er sah aus, als sei er verprügelt worden", behauptete er. Den Gang zur Polizei oder zum Arzt habe sein Neffe stets abgelehnt. "Er wirkte sehr eingeschüchtert und hatte Angst", sagte der Onkel, der sechs leibliche Kinder hat, die ebenfalls mit ihm und seiner Frau in der Wohnung leben.

Am Dienstag sei der Junge dann mit stark zugeschwollenem Gesicht vom Spielplatz gekommen. Auch am Mittwoch sei sein Gesicht noch stark geschwollen und gerötet gewesen. "Am Abend nahm er sich dann ein Kühlpad und legte sich schlafen. Er wollte einfach nicht zum Arzt gehen", sagte der 41-Jährige.

Als sein Neffe am nächsten Tag – um kurz vor 13 Uhr – aufgestanden sei, habe er über starke Magenschmerzen geklagt. Sven F. habe gerade vor dem PC gesessen und dem Jungen dazu geraten, ins Badezimmer zu gehen, um sich "frisch zu machen". Als er wenig später einen lauten Knall aus dem Badezimmer hörte, habe er sofort nachgesehen und seinen Neffen regungslos, mit dem Kopf auf den Fliesen liegend, vorgefunden. Um 13.08 Uhr habe die Tante des Jungen den Notruf gewählt.

"Ich habe ihm nichts getan"

Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei schließen nach derzeitigem Stand jedoch aus, dass dem Jungen in der Schule oder auf einem Spielplatz die schwerwiegenden Verletzungen zugefügt wurden. "Insgesamt ist bei dem sich bietenden Verletzungsbild von Gewalttaten in der Wohnung auszugehen", heißt es in der Mittelung. Zum Motiv könnten zum jetzigen Zeitpunkt keine Angaben gemacht werden.

Noch am Samstag kritisierte Sven F. das Vorgehen der Kriminalpolizei: "Ich wurde abgeführt wie ein Schwerverbrecher und mehr als vier Stunden lang verhört." Zudem beteuerte der 41-Jährige zu diesem Zeitpunkt noch, nichts mit den Verletzungen seines Neffen zu tun zu haben: "Ich habe ihm nichts getan. Das weiß ich."

Nach Angaben des Onkels wohnt der Junge, der eine Realschule im Rhein-Kreis besucht, seit rund zehn Wochen bei ihm. Zuvor habe er vier Jahre bei seiner Großmutter gelebt.

Wie ein Stadtsprecher unserer Redaktion mitteilte, ist das Jugendamt bereits über den Fall informiert. Laut Sven F. sollen alle sechs Kinder am Montag zum Kinderarzt, um sich auf Verletzungen kontrollieren zu lassen. Der lebensgefährlich verletzte Junge sei in der Vergangenheit aber nicht vom Jugendamt betreut worden.

 
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