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Neuss
Neuss bewirbt sich als "Fahrradstadt"

Neuss: Neuss bewirbt sich als "Fahrradstadt"
Der Rad- und Fußweg zwischen Grimlinghausen und Gnadental ist zu schmal. Ein zweiter soll deshalb auf der anderen Straßenseite auf dem ehemaligen Straßenbahndamm gebaut werden. FOTO: Anja Tinter
Neuss. Der Planungsausschuss gab die Bewerbung der Stadt um das Prädikat "fahrradfreundliche Kommune" auf den Weg. Teil der Unterlagen ist auch die Radweglücke an der Kölner Straße, die zumindest planerisch Mittwoch geschlossen wurde. Von Christoph Kleinau

Die "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte und Gemeinden NRW" (AGFS) nimmt in diesen Tagen ihr 74. Mitglied auf. Die Stadt Neuss ist es nicht, hat aber den Ehrgeiz, die Mitgliedsnummer 75 zu bekommen. Ob das klappt?

Das - ohne Anlagen - 30-seitige Bewerbungsschreiben ist fertig und wurden Mittwoch im Planungsausschuss im Prinzip für gut befunden. Allerdings flatterte der Verwaltung noch ein Wunschzettel aus dem Arbeitskreis "Rad und Fuß" mit neun Ergänzungen auf den Tisch, die tunlichst noch eingearbeitet werden sollen. Und das ganz korrekt. Roland Kehl (Grüne) gab gestern dazu noch einmal Übersetzungshilfe. Der Ruf nach einer "E-Bike-Netzstation" sei ja wohl quatsch, sagte er, es müsste doch wahrscheinlich "E-Bike-Stationennetz" heißen. Was zugegebenermaßen nicht dasselbe ist und zeigt: Nachdem die Stadt 1993 mit ihrer ersten Bewerbung durchgefallen war, will sie jetzt alles richtig machen.

Wo in NRW die meisten Fahrräder geklaut werden

In dieser Linie ist auch der Punkt zu sehen, den die Stadt in ihrer Bewerbung schon mit dem Hinweis "Lücken im Radverkehrsnetz werden geschlossen" quasi als abgehakt darstellt, obwohl er gestern erst auf der Tagesordnung stand. Die Rede ist vom Bau eines Radweges an Kölner und Bonner Straße, an der es bisher zwischen Gnadental und Grimlinghausen nur einen einstreifigen und viel zu schmalen Rad- und Fußweg gibt. In Gegenrichtung fehlen zwischen Nixhütter Weg und Kaster Straße 800 Meter, die ab 2018 auf dem ehemaligen Straßenbahndamm angelegt werden sollen. 3,3 Millionen Euro sind für Neuanlage und Ertüchtigung des vorhandenen Radweges zu veranschlagen, sagte der Ausschussvorsitzende Karl-Heinz Baum (CDU), doch sei mit einer 70-prozentigen Landesförderung zu rechnen. Die Sache wird deshalb so teuer, weil die alte Straßenbahnbrücke über die Erft für 900.000 Euro saniert werden muss.

Fahrradfreundlich zeigte sich gestern auch die FDP-Fraktion, die bei den Grünen bisher in dem Verdacht stand, Fahrräder nur aus dem Museum zu kennen. Sie will geprüft sehen, wie die Radwegevorschläge aus dem "Masterplan Neuss an den Rhein" - entlang der Hammer Landstraße und über Europadamm und Scheibendamm bis zum Rhein - umgesetzt werden können. Achim Rohde sprach von einem "ersten Prüfauftrag für Bürgermeister Reiner Breuer" und erwartet noch in diesem Jahr Bericht. Also noch bevor die Kommission aus dem Landesverkehrsministerium nach Neuss kommt, um dem Bewerber auf den Zahn zu fühlen.

Die Absicht, die Stadt als fahrradfreundliche Gemeinde anerkennen zu lassen, hatte der Rat im März gefasst. Die Anregung kam von der neuen schwarz-grünen Ratsmehrheit, für die Roland Kehl gestern ebenfalls Nachträge zum vorgelegten Bewerbungsentwurf anmerkte. Es sollte autofreie Tage auf bestimmten Straßen und mehr Einbahnstraßen geben, die Radler auch gegen die Fahrtrichtung benutzen könnten. Und: Neuss sollte sich am Stadtradeln beteiligen.

Diese Anregung hatte auch der ADFC-Vorsitzende Heribert Adamsky schon gemacht: "Die Bewerbungsunterlagen dafür hätte ich.".

Quelle: NGZ
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