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Karl Heinz Baum
"Neuss braucht dringend neue Entwicklungsflächen"

Neuss. Der Vorsitzende des Planungsausschusses spricht über Neusser Interessen und Vorstellungen mit Blick auf den neuen Flächennutzungsplan.

Herr Baum, das Verfahren, an dessen Ende ein neuer Flächennutzungsplan stehen wird, läuft seit Mai 2014. Sehen Sie in dem Prozess, der sehr technokratisch 'rüber kommt eine Chance oder eher Gefahren für die Entwicklung der Stadt Neuss?

Karl heinz Baum Er ist einfach notwenig. Der neue Flächennutzungsplan legt den Rahmen der städtebaulichen Entwicklung der Stadt Neuss bis zum Jahr 2030 fest. Mit unserem gültigen, über 20 Jahre alten Flächennutzungsplan, dessen Prognosen längst von der Realität eingeholt wurden und der bereits mehr als 100 Mal geändert wurde, ist das schwer. Wir brauchen diese verlässliche Planungsgrundlage.

Wer wirkt denn bei der Meinungsbildung mit? Haben die Bürger überhaupt eine Chance von Gewicht, gehört zu werden?

Baum Behörden und öffentliche Institutionen wie die Industrie- und Handelskammern sind zu beteiligen. Eine konstruktive Bürgerbeteiligung erhöht die Qualität der Planung. Daher gibt das Baugesetzbuch der Öffentlichkeit zwei Mal Gelegenheit, Anregungen und Informationen in den Meinungsbildungsprozess einzubringen. Eine erste frühzeitige Beteiligung hat in Neuss bereits stattgefunden. Deren Ergebnisse wurden in den Entwurf eingearbeitet. Die zweite Beteiligung der Bevölkerung erfolgt nach dem in Kürze zu erwartenden Auslegungsbeschluss durch den Rat der Stadt Neuss.

Woran wird aktuell gearbeitet?

Baum Die Stadtverwaltung hat eine Empfehlung des Planungsausschusses aufgenommen und zwei mehrstündige Workshops unter Beteiligung der Neusser Wohnungswirtschaft und der Politik zur kooperativen Baulandentwicklung organisiert. Auch die Potenziale der Innenentwicklung wurden erörtert. Die Workshop-Ergebnisse dienen der abschließenden Nachjustierung und Fixierung des Flächennutzungsplan-Entwurfs.

Bitte konkret. Die Wohnungswirtschaft klagt seit Jahren, dass in Neuss zu wenig Bauland zur Verfügung steht. Wo sind die Flächen?

Baum Die von uns ermittelten Flächen umfassen eine Gesamtgröße von insgesamt rund 58 Hektar. Im Einzelnen sind das: die ehemalige Sauerkrautfabrik Leutenberg (1,1 Hektar), Hammfeld I, Zentralbereich (2,1), Vogelsang Nord-Ost (6,6), Uedesheim, südlich der Rheinfährstraße (7,5), Furth-Nord, südlich Kaarster Straße (7,2), Eselspfad Nord und Süd (8,6). Die Reihenfolge ist keine Prioritätenliste.

Was ist mit dem Whitesell-Areal?

Baum Es gibt weitere Flächen - wie zum Beispiel Whitesell an der Further Straße - die aufgrund ihrer gewerblichen Prägung und Bedeutung für die gesamtstädtische Gewerbeflächenbilanz derzeit nicht als Wohnbauflächen vorgesehen sind. Eine Entwicklung auch für den Wohnungsbau halte ich im Kontext von Sanierungsverfahren jedoch nicht für ausgeschlossen. Ich nenne drei Beispiele: Acument-Areal am Weißenberger Weg mit 0,7 von insgesamt 1,5 Hektar gemischter Baufläche, Whitesell-Areal mit 2,5 von fünf Hektar und Essertec/Eternit-Areal mit 4,3 von 8,7 Hektar.

Wie weit ist die politische Diskussion gediehen? Der Stadtrat hat jüngst die Themen Klimaschutz und Verkehr auf die Agenda gesetzt.

Baum Im Kern ist die politische Diskussion in meinen Augen beendet. Der Rat hat ja zusätzlich beschlossen, vor der Aufstellung von daraus resultierenden Bebauungsplänen neben vertiefenden Untersuchungen bezüglich des Klimaschutzes auch die Auswirkungen auf den Verkehr näher zu untersuchen.

Wann werden Sie am neuen Flächennutzungsplan einen Haken setzen?

Baum Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir für die Stadtentwicklung zu einer guten Lösung kommen werden. Und wie gesagt, es findet noch eine zweite Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange zum aktualisierten Auslegungsentwurf statt, bei der erneut Anregungen vorgetragen werden können. Planungsausschuss und Stadtrat werden anschließend beraten und endgültig entscheiden. Das sollte im Frühjahr 2017 sein.

LUDGER BATEN FASSTE DIE AUSSAGEN UND INFORMATIONEN ZUSAMMEN.

Quelle: NGZ
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