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Neuss
Neuss - die Jobmaschine

Neuss. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat in Neuss einen absoluten Höchststand erreicht. Im Langzeitvergleich überflügelt die Stadt ihre Nachbarn. Erstmals erhöht sich Jobzahl auch im produzierenden Gewerbe. Von Christoph Kleinau

Noch nie in der Geschichte der Stadt gingen mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Neuss einer Arbeit nach als im vergangenen Jahr. 67.651 Männer und Frauen standen zum Stichtag 30. Juni 2015 bei Neusser Unternehmen in Lohn und Brot - und diese Zahl klammert Beamte eben so aus wie Selbstständige oder geringfügig Beschäftigte. "Allein innerhalb des letztes Jahres wurden in der Stadt 1518 neue Jobs geschaffen", rechnet Frank Wolters vor, der Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung. Neuss - eine Jobmaschine.

Die Bezeichnung hält auch einem Langzeitvergleich stand, sagt Wolters. Denn seit Mitte 1976 bundesweit damit begonnen wurde, die Zahl der versicherungspflichtig Beschäftigten statistisch und nach Branchen getrennt zu erheben, stieg die Stellenzahl in der Stadt um satte 33,2 Prozent. In absoluten Zahlen ausgedrückt: von 50.785 um 16.866.

Mit dieser Wachstumskurve überflügelt Neuss alle Großstädte in seiner Umgebung und liegt auch deutlich über dem landesweit ermittelten Stellenzuwachs, der mit 14,6 Prozent angegeben wird. Allerdings, so Chef-Statistiker Wolfgang Düsing im Amt für Wirtschaftsförderung, stehen hinter der mit 9,2 Prozent angegebenen Zuwachs für Düsseldorf in absoluten Zahlen deutlich mehr Jobs als in Neuss. "Die Ausgangsbasis ist halt eine andere", sagt er.

Erklärungsbedürftig nennt Wolters die Zahl der Auszubildenden. Die lag nämlich mit 2310 genau 241 unter der des Vorjahres. Grund: Zum Stichtag 30. Juni haben viele Lehrlinge schon ihre Gesellenprüfung abgelegt, während der neue Jahrgang seine Ausbildung noch nicht angetreten hat. "Es macht mehr Sinn, im Dezember auf diese Zahlen zu sehen", sagt Wolters. Genau das soll nun passieren.

Erfreulich aus Sicht der Stadt: Erstmals seit Jahren sind die Zahlen im produzierenden Gewerbe gestiegen. 16.651 "Blaumann-Jobs" bedeuten ein plus von 129 Stellen. Den Effekt macht Düsing vor allem am Niederrheinwerk der Firma Pierburg fest, die im Hafen die Produktionsstandorte Nettetal und Neuss zusammenführte. Auch den Zuwachs in der Sparte "Handel, Verkehr, Gastronomie", der alleine mit 995 neuen Stellen zu Buche schlägt, macht Düsing an einer Neueröffnung fest: dem Möbelhaus Höffner.

Mit der Schaffung immer neuer Stellen wächst auch die Zahl der Pendler. Zum Stichtag 30. Juni kamen 11.500 Arbeitnehmer mehr zur Arbeit nach Neuss als umgekehrt die Stadt verließen. "Positives Pendlersaldo" nennt das die Statistik - und das wuchs in einem Jahr um 600 Köpfe.

Die nackte Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verdeckt allerdings den tiefgreifenden Wandel in der Arbeitswelt. "Der altindustrielle Bereich", zu dem Düsing Werke wie Case oder Whitesell rechnet, ist in den vergangenen Jahrzehnten geschrumpft. Diesen Wandel gab es auch in Krefeld und seiner Textilindustrie, doch hat Neuss ihn besser gemeistert. Und eine mehr oder weniger reine Dienstleistungsstadt wie Düsseldorf ist Neuss auch nicht geworden.

Quelle: NGZ
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