| 17.47 Uhr

Polizei fahndet nach Verdächtigen
Neusser Ehepaar rettete Frau vor Angreifer

Frau durch Schüsse in Neuss verletzt
Frau durch Schüsse in Neuss verletzt FOTO: Woitschützke, Andreas
Neuss. Ein Ehepaar soll einer 25-Jährigen das Leben gerettet haben, als sie am Mittwoch von einem Angreifer angeschossen wurde. Der 47-jährige mutmaßliche Täter ist auf der Flucht.

Viel sagen will das Neusser Ehepaar am Tag nach der Tat nicht, keine Namen, keine Fotos. Die Rolle der Helden sollen andere übernehmen. Dabei haben der Mann und vor allem seine Frau wohl am Mittwochnachmittag einer 25-Jährigen das Leben gerettet.

Die junge Frau war im Stadtteil Weckhoven am Lindenplatz unterwegs, als laut Polizei ein 47-Jähriger das Feuer auf sie eröffnete. Insgesamt fünf Schüsse soll der mutmaßliche Angreifer, den die Ermittler später als den Neusser Hakki Pekin identifizieren, auf sein Opfer angegeben haben. Vier Schüsse aus der Distanz, einen letzten, als er die Frau überwältigte und auf ihr kniete. So jedenfalls beobachteten es die Retter der Frau, die unmittelbar am Ort des Geschehens, einer Wiese an der St.-Nektarios-Kirche, wohnen.

SEK-Einsatz in Neuss FOTO: Patrick Schüller

"Hau ab. Ich hol´ die Polizei", rief die Frau dem Angreifer entgegen, als sie die Szene aus ihrem Wohnungsfenster beobachtete. Dann stürmte sie mit ihrem Mann aus dem Haus, woraufhin der Tatverdächtige nach dem letzten Schuss floh. Die 25-Jährige blieb mit einer Schussverletzung am Arm auf der Wiese liegen, das Ehepaar leistet erste Hilfe und alarmierte die Polizei. "Das war ein Mordversuch", ist sich die Frau sicher. Hätten sie und ihr Mann nicht eingegriffen, wären weitere Schüsse gefolgt. "In seinem Wahn, so wie der war, hätte er auch auf mich schießen können", sagt sie. 

Zweites Fahndungsfoto veröffentlicht

Die Polizei hat die Mordkommission "Linden" gebildet, vier Patronenhülsen konnten gefunden und sichergestellt werden. Ermittler aus Düsseldorf und die dortige Staatsanwaltschaft leiten aktuell die Fahndung nach Pekin, den die Ermittler für dringend Tatverdächtig halten. Eine Durchsuchung seiner Wohnung in der Maastrichter Straße und auch die Veröffentlichung zweier Fotos brachten bislang keine entscheidenden Hinweise. Die Fahndung wurde bis nach Köln ausgeweitet,  dorthin hatte der Neusser zuletzt Bezüge.

Zeugen auch berichten, dass der 47-Jährige zuletzt für den Neusser Kult-Imbiss "Pizza-Türmchen" an der Friedrichstraße gearbeitet hat. Der Inhaber dort bestätigte am Freitag auf Nachfrage unserer Redaktion: "Er hat hier mehrere Jahre als Aushilfe gearbeitet." Wieso der Mann am Mittwoch durchdrehte, kann man sich bei seinem ehemaligen Arbeitgeber nicht erklären.

Die Ermittler vermuten jedoch weiterhin Beziehungsprobleme hinter der Tat. Pekin soll mit der Mutter des Opfers liiert gewesen sein, die Beziehung sei allerdings schon vor Monaten in die Brüche gegangen, schildern Zeugen. Wieso der Verdächtige letztlich die Tochter seiner Ex-Partnerin attackiert haben soll, ist bislang ein Rätsel. Die 25-Jährige wird noch immer im Krankenhaus behandelt, Lebensgefahr besteht laut Polizei jedoch nicht. 

Polizei warnt - SPD fordert mehr Polizei in Weckhoven

Die Ermittler suchen nach Zeugen, die Hinweise auf den Aufenthaltsort des Gesuchten liefern können. Allerdings warnt die Polizei davor, Hakki Pekin anzusprechen oder selbst zu stellen. Der Verdächtige könnte noch immer bewaffnet sein. Hinweise auf den Mann erbittet die EK "Linden" unter 02131 3000.

Unterdessen hat die SPD im Neusser Stadtrat eine Neuordnung der Polizei im Süden der Stadt gefordert. "Die Bürger wünschen sich eine stärkere Präsenz der Polizei in Weckhoven", wird der Fraktionsvorsitzende Arno Jansen in einem offenen Brief an Polizeichef und Landrat Hans-Jürgen Petrauschke zitiert. Die SPD fordert deshalb eine zusätzliche Polizeidienststelle in Weckhoven. "Die vom Land NRW angekündigten 300 zusätzlichen Polizeibeamten müssen auch vor Ort sichtbar werden", schrieb Jansen.

(cbo, -nau)