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Sexuelle Belästigung
Neusser Flüchtlinge unter Verdacht

Neuss: Flüchtlinge wegen sexueller Belästigung unter Verdacht
Ein Flüchtling aus dem Asylbewerberheim an der Aurinstraße sitzt in Untersuchungshaft. FOTO: Tinter, Anja
Neuss. Zwei Flüchtlinge, die in Neusser Asylbewerberheimen untergebracht waren, sitzen laut Staatsanwaltschaft Düsseldorf in Untersuchungshaft. Sie sollen Frauen sexuell belästigt haben. Ein dritter Mann führte ein gestohlenes Handy bei sich. Von Andreas Buchbauer

Die Polizei hat zwei Flüchtlinge, die in Neusser Asylbewerberheimen untergebracht waren, festgenommen. Das bestätigte Staatsanwalt Ralf Herrenbrück aus Düsseldorf. Die beiden 19 und 22 Jahre alten Männer sollen zum einen in Neuss, zum anderen in Düsseldorf Schülerinnen massiv sexuell angegangen haben. Jetzt sitzen sie bis zum Prozess in Untersuchungshaft. "Wir hatten über den Fall nicht unmittelbar berichtet, weil er nicht in einem direkten Zusammenhang zu den Silvester-Vorkommnissen in Köln oder Düsseldorf stand", sagt Staatsanwalt Ralf Herrenbrück.

Der erste Fall hat sich offenbar kurz nach Silvester in einer S-Bahn in Düsseldorf ereignet. Dort soll ein junger Nordafrikaner aus einem Neusser Flüchtlingsheim angetrunken eine 16 Jahre alte Schülerin begrapscht und sexuell genötigt haben. Das Mädchen erstattete Anzeige, der Mann wurde festgenommen. Anschließend erwirkte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf gegen ihn einen Haftbefehl. Schauplatz im zweiten Fall war die Aral-Tankstelle an der Bergheimer Straße in Neuss. Dort waren spätabends am 6. Januar ein 16 und ein 18 Jahre altes Mädchen unterwegs, als sie von einem Iraker (19) angesprochen wurden. Anfangs soll er es bei verbalen sexuellen Attacken und entsprechenden Bewegungen belassen haben, dann begrapschte er die Schülerinnen angeblich. "Die Mädchen konnten fliehen und haben die Polizei gerufen", sagt Ralf Herrenbrück, "die Beamten konnten den jungen Mann noch in Tatortnähe festnehmen."

Zunächst gab sich der Tatverdächtige als Syrer aus. Im Zuge der Ermittlungen fand die Polizei allerdings heraus, dass er aus dem Nordirak stammt. Mit Hilfe von Schlepperbanden war er in einem Boot übers Mittelmeer nach Europa geflüchtet. Seit gut zwei Monaten lebte er in Neuss im Flüchtlingsheim an der Aurinstraße. Dabei handelt es sich um die frühere Schule am Wildpark. Jetzt wartet der Tatverdächtige in Untersuchungshaft auf seinen Prozess. Den Ermittlungen zufolge dürfte der Vorwurf laut Staatsanwaltschaft auf sexuelle Nötigung lauten – im Fall einer Verurteilung droht ihm mindestens ein Jahr Haft.

Auch ein dritter Mann, der in Neuss untergebracht war, ist in den Fokus der Justiz gerückt. Weil er ein gestohlenes Handy bei sich führte, wurde ein Strafverfahren gegen einen 21 Jahre alten Marokkaner eröffnet, der zuletzt ebenfalls im Flüchtlingsheim an der Aurinstraße wohnte. Das berichtete das TV-Magazin "Spiegel TV" auf RTL am Sonntagabend. Vor der Flüchtlingsunterkunft wurde der junge Mann zu den Vorwürfen befragt. Er soll am 3. Januar zu einer Gruppe junger Männer gehört haben, die einen 25-Jährigen an einem S-Bahnsteig im Kölner Hauptbahnhof bestohlen und dort Frauen bedrängt haben sollen. Das bestätigte Christoph Gilles, Sprecher der Polizei Köln, Montag im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Marokkaner soll laut des Berichts von "Spiegel TV" auch am Silvesterabend in Köln gewesen sein. Dem Fernsehteam sagte er, er habe niemanden bedrängt oder bestohlen.

"Spiegel TV" berichtete über einen Marokkaner aus einem Neusser Flüchtlingsheim, der unter Verdacht steht, ein Handy gestohlen zu haben. FOTO: Screenshot Spiegel TV/RTL

Die Silvesternacht habe er als schöne Feier erlebt, es seien viele Nationalitäten zusammengekommen. Er selbst habe sich in der Nähe des Hauptbahnhofs aufgehalten, dort sei auch viel Polizei gewesen. Von Angriffen habe er nichts mitbekommen. Christoph Gilles erklärte im Gespräch mit unserer Redaktion, ein dringender Tatverdacht habe sich gegen den Marokkaner nicht erhärtet. Verantworten muss dieser sich allerdings wegen des gestohlenen Handys, das die Polizei bei ihm am 3. Januar sicherstellte. Der Tatverdächtige erklärte, er habe es einem anderen Mann am Düsseldorfer Hauptbahnhof abgekauft.

Inzwischen befindet sich der Marokkaner offenbar nicht mehr in der Flüchtlingsunterkunft an der Aurinstraße. Nach NGZ-Informationen wurde er inzwischen mit einer ganzen Gruppe dort untergebrachter Flüchtlinge in andere Städte verlegt. Eine offizielle Stellungnahme dazu gibt es allerdings nicht. Die Stadt verweist bei allen Anfragen diesbezüglich an die Bezirksregierung Arnsberg. Dort gibt es jedoch keine Auskünfte. Dazu, ob und wohin die Flüchtlinge verlegt worden seien, äußere man sich grundsätzlich nicht. Das teilte ein Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg am Montag auf Anfrage mit.

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