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Neuss
Gestohlenes Karussell hat hohen ideellen Wert

Neuss: Gestohlenes Karussell hat hohen ideellen Wert
Mit diesen Fotos sucht die Polizei nach dem Kettenkarussell: hier ist es in Betrieb. FOTO: Polizei (2), Woi
Neuss. Von dem Kettenkarussell, das in Neuss nach einer Kirmes gestohlen wurde, fehlt jede Spur. Es soll 100.000 Euro wert sein, der Schrottpreis ist dagegen sehr niedrig. Für die Schausteller hängen daran viele Erinnerungen.  Von Susanne Genath

"Der Hänger wurde zwar einen Tag später in Grevenbroich in einem Gewerbegebiet gesehen", berichtet Hans-Peter Schliebs von der Schaustellerfamilie. "Doch kurz danach war er weg." Unbekannte hatten das 15 Tonnen schwere Fahrgeschäft - ein jahrzehntealtes Erbstück - zwischen Donnerstagabend und Freitagmorgen in Neuss-Reuschenberg entwendet. Dort war es auf einem zwölf Meter langen Anhänger zum Abtransport bereitgestellt.

"Das Karussell ist rund 100.000 Euro wert", sagt Schliebs. Was die Diebe aber damit anfangen wollen, kann er sich nicht vorstellen. "Es auseinanderzubauen, um das Metall an Schrotthändler zu verkaufen, dürfte sich nicht lohnen. Der Schrottpreis liegt bei nur einem Euro für zehn Kilo Metall." Macht bei 15 Tonnen theoretisch 1500 Euro.

In diesem Anhänger war es zum Abtransport gelagert worden. Diebe stahlen den Anhänger mitsamt dem Karussell.

Auch Michael Hempen vom Deutschen Schaustellerbund sieht in der Beute keinen großen Wurf für die Diebe. "Jedes Karussell ist ein Unikat und hat einen riesigen Wiedererkennungswert", sagt der Schausteller. "Das kann man nicht mal eben einem Freizeitpark verkaufen." Und der Schrottwert sei schon allein deshalb gering, weil in historischen Karussells viel Holz verbaut sei. "Es passiert nur ganz selten, dass ein Fahrgeschäft gestohlen wird." Allerdings ist ihm ein Fall aus Frankfurt am Main in Erinnerung. Dort war einem Schausteller ebenfalls ein Karussell gestohlen worden. "Das ist in Osteuropa wieder aufgetaucht. Besucher hatten es in einem Freizeitpark wiedererkannt." Auch in Handorf im Kreis Lüneburg wurde vor einigen Jahren ein historisches Holzkarussell gestohlen, das sich in einem Anhänger befand (Schaden: 30 000 Euro), bei Tostedt (Niedersachsen) vergangenes Jahr ein liegengebliebener Sattelauflieger samt Kinderkarussell (Schaden: 180 000 Euro).

Das Kettenkarussell der Familie Schliebs, das mit Stadtwappen bestückt die Blicke auf sich lenkt, hatte nach der Kirmes in Neuss nicht direkt abgeholt werden können, weil es defekt war. Die Schausteller ließen es gesichert am Festplatz stehen. "Wir hoffen, es wiederzubekommen", sagt Hans-Peter Schliebs. Es gehe nicht nur um das Materielle. "Da hängen ganz viele Erinnerungen und Geschichten dran", sagt seine Schwester Diana Schliebs. Sie sei selbst als Kind darauf gefahren. "Allein deshalb möchte ich es wiederhaben." Die Familie ist jetzt mit einer Schießbude auf der Düsseldorfer Kirmes.

Quelle: RP
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