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Neuss
Neuss muss auch in die Höhe wachsen

Neuss. Das Forum Stadtentwicklung ist überzeugt: Mehr Wohnungsbau muss nicht mehr Freiflächen verschlingen. Von Christoph Kleinau

Neuss kann und muss bis Ende des Jahres 2030 insgesamt 6750 neue Wohnungen bauen. Davon gehen auch die Querdenker vom Forum Stadtentwicklung der Neuss Agenda 21 derzeit aus. Aber anders als die Stadtverwaltung sind Heinz Hick, Roland Kehl und Berward Ilse davon überzeugt, dass der Flächennutzungsplan dafür nicht ausgeknautscht werden muss, um über die schon eingeplanten 170 Hektar hinaus noch einmal 40 dafür auszuweisen. Ihr Rezept: Höher bauen, nachverdichten, Brachflächen nutzen oder auch Familien in Häuser vermitteln, die ihren Bewohnern zu groß geworden sind.

"Bei der notwendigen Schaffung von Wohnungen darf der Blick für die unwiederbringliche Ressource Fläche nicht verloren gehen", heißt es in dem Positionspapier des Forums, das noch im Rahmen der Reihe "Neusser Stadtgespräche" diskutiert werden soll. Dieser Satz umreißt die Motivation der Bürgerplaner. Aber er ist kein Selbstzweck. "Es lohnt sich, die Stadt kompakt zu halten", sagt Kehl. Zum Beispiel, weil so grüne Korridore zwischen den Ortsteilen erhalten bleiben.

Stimmen Hick und Kehl dem errechneten Wohnraumbedarf noch zu, so plädieren sie doch für eine andere Strategie. Aktiver müsste die Stadt werden und, so Hick, "nicht nur auf Investoren warten". Eine Stadtumbaustelle im Rathaus müsste vielmehr Flächenpotenziale aufspüren, die für Wohnzwecke nutzbar gemacht werden könnten. Für solche unstrukturierte Flächen könnte in einem weiteren Schritt ein Bebauungsplan im Sinne einer Angebotsplanung gemacht werden, um so bei den Besitzer ein Interesse zu wecken, Wohnraum zu schaffen. Aktuell fordert das Forum auch, dass die Stadt die ehemalige Schraubenfabrik Whitesell kauft, die Entwicklung der Fläche aber einer Stadtentwicklungsgesellschaft überträgt. Altlasten seien dabei ein beherrschbares Risiko, sagt Kehl mit Blick auf Fördermittel des Landes, die für die Sanierung von Brachflächen ausgeschüttet werden.

Das Positionspapier will auch - wie es im Untertitel heißt - "ein Weg aus dem Dschungel der Argumente" sein. Leider seien beim Wohnungsmarkt-Monitoring der Stadt Potenziale genauso wie Planungen nur unzureichend und als Auswahl dargestellt worden, monieren Kehl und Hick. Sie hätten gerne Antwort auf die Frage, ob und wie Flächen wie das Leuchtenberg-Gelände, die Schraubenfabrik oder das jüngst in die Diskussion gekommene Areal der Firma Eternit in der Flächenbilanz berücksichtigt sind. Ohne eine - jetzt auch von der Politik eingeforderte - Gesamtübersicht sei es schwierig, den Ruf der Verwaltung nach Inanspruchnahme weiterer Flächen in Feld und Flur richtig bewerten zu können.

Einig sind sich die Forums-Mitglieder mit der Verwaltung darin, dass die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum höchste Priorität genießen muss. Das heißt für sie: mehr Geschosswohnungsbau. Drei von vier neuen Wohneinheiten müssen in den kommenden 15 Jahren in diesem Segment entstehen. Das fordere auch der Markt, sagt Hick. In diesem Zusammenhang müsste auch dort, wo großstädtische Strukturen vorliegen, die Zahl der Etagen maßvoll erhöht werden.

Innenentwicklung sei aufwendiger und am Ende teurer, als die Überbauung grüner Wiesen, sagen Hick und Kehl. Aber Zeit habe die Stadt für diesen Strategiewechsel ja. Die Weichen, um bis 2020 jährlich 400 neue Wohnungen an den Markt bringen zu können, sind längst gestellt.

Quelle: NGZ
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