| 13.55 Uhr

Wohnungsbrand in Neuss
Ein Lebensretter als Nachbar

Feuer an der Hoistener Straße in Neuss
Feuer an der Hoistener Straße in Neuss FOTO: Daniel Bothe
Neuss. In der Nacht zum Mittwoch wurde Hans-Willi Steinfort zum Helden. Der Bewohner eines Mehrfamilienhauses in Neuss bemerkte den Brand in einer Nachbarwohnung - und reagierte schnell. So rettete der Freiwillige Feuerwehrmann mindestens einem Bewohner das Leben. Von Clemens Boisserée

Seine Wohnung muss Hans-Willi Steinfort auch am Donnerstag noch stoßlüften. Alles riecht nach Rauch. Hier, an der Hoistener Straße im Neusser Stadtteil Weckhoven, wäre es in der Nacht zum Dienstag beinahe zur Katastrophe gekommen. Dass es letztlich bei einem verletzten Bewohner und Sachschaden blieb, ist vor allem dem 41-Jährigen zu verdanken.

Es ist kurz nach 23 Uhr, als Steinfort am Computer sitzt und plötzlich das Signal eines Brandmelders bemerkt. Er tritt vor seine Wohnungstür im zweiten Obergeschoss, sucht nach der Quelle des Geräuschs und wird schließlich eine Etage tiefer vor der Nachbarswohnung fündig: Brandgeruch liegt in der Luft.

"Die meisten Nachbarn haben schon geschlafen"

Willi Steinfort vor dem Haus in der Hoistener Straße, in dem es am Dienstagabend brannte. FOTO: Andreas Woitschützke

Seit 27 Jahren ist Steinfort bei der Freiwilligen Feuerwehr in Neuss-Hoisten aktiv. Jetzt reagiert der Hauptbrandmeister so, wie er es selbst schon so häufig gelehrt hat. "Ich hatte mein Handy dabei und habe sofort die Kollegen alarmiert", beschreibt der Neusser. "Danach habe ich an den Türen der Nachbarn geschellt und geklopft. Die meisten haben schon geschlafen, niemand hat das Pipen des Brandmelders gehört."

Elf Parteien leben in dem Mehrfamilienhaus auf vier Etagen. Einer der Bewohner ist der 13-jährige Maik, "der wahre Held der Geschichte", wie Steinfort sagt. "Er hat perfekt reagiert." Denn der Nachbarsjunge hilft dem freiwilligen Feuerwehrmann, den verletzten Bewohner der Brandwohnung aus dem Haus zu tragen. Zuvor hatte sich das Opfer noch selbst bis zur Wohnungstür geschleppt.  "Als er die öffnete, kam sofort dichter, schwarzer Rauch raus", schildert Steinfort.

Verletzter könnte Brand selbst verursacht haben

Vor der Haustür betreut Maik den 31-Jährigen, bis die Rettungskräfte – darunter Steinforts Kameraden aus Hoisten – vor Ort sind. Mit einer schweren Rauchvergiftung kommt der Mann ins Krankenhaus. Laut Polizeiangaben deutet bislang vieles darauf hin, dass der Mieter selbst für das Feuer verantwortlich ist. Genauere Angaben wollte ein Sprecher mit Verweis auf laufende Ermittlungen jedoch nicht machen. "Er sagte noch, er sei im Bad gewesen und habe den Brandmelder nicht gehört", berichtet Steinfort, der den Nachbarn eine Etage tiefer bis zu dieser dramatischen Nacht nur flüchtig kannte.

Seit seiner Rettungstat kennt jeder Hausbewohner Steinfort. Auch der Vater des Opfers kam zu Besuch, um sich zu bedanken. "Dabei haben wir festgestellt, dass er früher mein Berufsschullehrer war", erzählt der gelernte Installateur und schmunzelt über so viel Zufall. Als großer Held will er sich nun aber nicht dargestellt sehen. Stattdessen nutzt er die Öffentlichkeit für einen Appell: "Nicht ich, sondern die Rauchmelder haben hier Leben gerettet. Sie gehören zwingend in jede Wohnung!"  Nur so können aufmerksame Nachbarn überhaupt zu Lebensrettern werden.

 
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