| 17.07 Uhr

Marienberg-Berufskolleg in Neuss
Schule bittet um Verzicht auf Hotpants

Neuss: Schule bittet um Verzicht auf Hotpants
Dieser Aushang erschien am Marienberg-Berufskolleg. FOTO: RPO
Neuss. Per Aushang hat das Marienberg-Berufskolleg Schülerinnen aufgerufen, sich "angemessen zu kleiden". Auch die Schülerinnen des Gymnasiums fühlen sich angesprochen. Es gibt Kritik. Von Simon Janssen

Ob bauchfreie Oberteile oder knappe Hosen, bei denen blanke Stellen des Hinterteils zu sehen sind – das möchte das erzbischöfliche Berufskolleg Marienberg in diesem Jahr verhindern. Die Schülerinnen wurden jetzt zum ersten Mal per digitalem Aushang darum gebeten, "sich in der Schule angemessen zu kleiden".

Auf der Anzeige sind ein Mädchen mit bauchfreiem Top und eins mit Hotpants zu sehen. Beide Fotos sind rot durchgestrichen wie auf einem Verbotsschild. "Als stilsichere Marienbergerinnen sollten Sie durch die Schönheit Ihres Charakters überzeugen und nicht durch die Schönheit Ihres Körpers" steht zwischen den Bildern.

Schülerinnen drohen keine Sanktionen

Geplant und umgesetzt hat diese Aktion Abteilungsleiter Matthias Holländer. "In den letzten zwei, drei Jahren hat sich die Mode verbreitet, dass Schülerinnen bauchfrei zur Schule kommen oder in so kurzen Hosen, dass der Hintern unten herausguckt", sagt Holländer. Sollte eine Schülerin der Bitte nicht entsprechen, seien jedoch keine Sanktionen zu befürchten. "Es ist ein freundlicher Hinweis", sagt der Abteilungsleiter.

Zwar befindet sich das Berufskolleg in der zweiten Etage des Gebäudes, in dem auch das Marienberg-Gymnasium untergebracht ist, Holländer betont aber, dass sich der digitale Aushang lediglich an die Schülerinnen des Berufskollegs richtet. Da der Aushang jedoch vom gemeinsamen Treppenhaus aus zu sehen ist und durch die allgemein gehaltene Formulierung "Marienbergerinnen", fühlen sich auch Schülerinnen des Gymnasiums angesprochen.

Gespräche über "stilsicheres Auftreten" 

Wie mehrere Jugendliche unserer Redaktion am Donnerstag bestätigten, sei der Hinweis bereits in diversen Handy-Chats thematisiert worden. "Wir können das nicht nachvollziehen. Wir kriegen ja kein Hitzefrei und sind immer lange in der Schule, da möchten wir uns auch entsprechend kleiden."

Eine Schülerin des Berufskollegs, die namentlich nicht genannt werden möchte, sagte: "Es hält sich eigentlich niemand daran. Es wird auch nicht kontrolliert. Von manchen Lehrern wird man nur manchmal gefragt, ob man auf dem Weg zum Strand sei." Auch wenn die Schulleitung des Marienberg-Gymnasiums angibt, nichts mit dem Aushang zu tun zu haben, hat sie ein Auge auf die Kleidung ihrer Schülerinnen.

Wie Schulleiter Josef Burdich auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilte, werde regelmäßig mit Schülerinnen aller Stufen über "stilsicheres Auftreten" gesprochen. "Das geschieht aber unabhängig vom Sommer", sagt Burdich, der nicht von einer Kleiderordnung spricht, die kontrolliert wird, sondern von einer "Beratung".

Seitens des Schulträgers – dem Erzbistum Köln – gibt es bezüglich eines "angemessenen Erscheinungsbildes" keine allgemeine Regelung. Als Orientierung für die einzelnen Schulen diene der Grundsatz, dass die Schülerinnen während ihrer Schulzeit lernen, mit ihrem individuellen Erscheinungsbild verantwortlich umzugehen, teilte eine Sprecherin mit.

 

 
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