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Neuss
Neusser baut sein "Hotel der Einheit"

Neuss: Neusser baut sein "Hotel der Einheit"
Blick über den Klosterteich auf den Gebäudekomplex (rot umrandet) Landhaushotel "Prinz Albrecht" mit Terrasse, gegenüberliegender Dependance "Residenz" und dahinterliegender Radlerherberge in Neuzelle, Ost-Brandenburg. FOTO: B. Geller
Neuss. Seit der Wiedervereinigung vor 25 Jahren hat die deutsche Einheit viele Geschichten geschrieben. Eine erzählt davon, wie ein Neusser Wirtschaftsprüfer nach Ost-Brandenburg ging und dort zum Besitzer eines Landhaushotels aufstieg. Von Ludger Baten

Wenn die Deutschen heute hoch offiziell ihre nationale Wiedervereinigung nach 25 Jahren feiern, dann begeht auch Jörg Wisbert (72) sein ganz persönliches Jubiläum: Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und mit der folgenden Wende verlegte der Neusser Wirtschaftsprüfer 1990 seinen Berufssitz nach Ost-Brandenburg. Damals ahnte er nicht, dass er einmal Besitzer eines der schönsten Hotels in Brandenburg sein würde: Landhaushotel "Prinz Albrecht" in Neuzelle im Oderland, unweit der Grenze zu Polen. Eine kleine, aber spannende deutsch-deutsche Geschichte wie es manche im Zuge der Einheit zu erzählen gibt; es ist aber vor allem eine Geschichte, die belegt, dass Jörg Wisbert ein Pionier des Zusammenwachsens von Ost- und Westdeutschland ist.

Alles fing Ostern 1990 damit an, dass ein Neusser Getränkehändler, mit familiären Banden nach Eisenhüttenstadt, "im Osten" ein berufliches Standbein aufbauen wollte. Für sein Projekt gewann er Jörg Wisbert - und der Berater fand generell Gefallen an einem Engagement im Aufbau Ost: "Ich war damals in Ost-Brandenburg der einzige Wirtschaftsprüfer. Da konnte ich nur erfolgreich sein." Schnell hatte er 100 Mandanten. Schließlich blieb er bis 2008, beschäftigte mehr als 40 Mitarbeiter und unterhielt Büros in Eisenhüttenstadt, Fürstenwalde und Frankfurt/Oder. Als Wisbert 65 Jahre alt wurde, übergab er sein ostdeutsches Geschäft an seine beiden dortigen Partner. Für seine rheinischen Mandanten hatte er ebenfalls zwei Partner gewonnen, so dass er in Neuss nur montags und freitags Bürotag hatte. Mitte der Woche war er in Brandenburg tätig.

Seinen 65. Geburtstag feierte Jörg Wisbert im eigenen Hotel, das er bereits viele Jahre zuvor eröffnet hatte. 1993 erwarb Wisbert - gemeinsam mit einem Neusser Unternehmer -ein "wunderschönes Grundstück am Klosterteich gegenüber einer der schönsten Barockkirchen in Deutschland" (Wisbert). Die Renovierung der Klosteranlage, die 52 Millionen Euro kostete, ist inzwischen abgeschlossen. Dort baute Wisbert den erstmals 1589 urkundlich erwähnten Gasthof "Newe Krug vom Closter" nach alten Plänen wieder auf. Heute ist das edle Hotel mit der später hinzugebauten Residenz und der Radlerherberge mit insgesamt 37 Zimmern eine erste Adresse für Geschäftsleute und für die mehr als 150.000 Touristen, die jedes Jahr das Städtchen Neuzelle besuchen.

Insgesamt drei Millionen Euro investierten Wisbert und sein Partner nach eigenen Angaben in den gesamten Komplex. Rund ein Drittel der Investitionssumme seien Zuschüsse gewesen, sagt Wisbert. Als Wirtschaftsprüfer ist Jörg Wisbert in Brandenburg nicht mehr tätig, aber Hotelbesitzer will er dort bleiben. "Adelige hatten früher ein Schloss", sagt Wisbert, "ich bin stolz auf mein Hotel." Und seine deutsch-deutsche Geschichte gefällt ihm: "Etwas habe ich immerhin mitbewegt."

Quelle: NGZ
 
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