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Neuss
Neusser bricht zu Flüchtlingslager Idomeni auf

Neuss: Neusser bricht zu Flüchtlingslager Idomeni auf
Lukas Stelzner bricht heute mit dem Rad nach Idomeni auf. FOTO: woi
Neuss. "Pedal for Refugees" hat Lukas Stelzner eine Tour überschrieben. Ziel: Spenden sammeln und damit Flüchtlingen helfen Von Christoph Kleinau

Ob Lukas Stelzner gut geschlafen hat? Vermutlich nicht, denn der 25-Jährige startet heute früh mit seinem voll bepackten Fahrrad zu einer Tour, die ihn ursprünglich über Frankreich und Spanien an Europas Küsten entlang bis nach Griechenland führen sollte. Kurzfristig aber hat er sie komplett umgedreht. Neues Ziel: Idomeni, 20 Tagesetappen á 100 Kilometer entfernt. In drei Wochen will er die Strecke bis zu dem griechischen Flüchtlingslager an der Grenze zu Mazedonien bewältigt haben, wo Tausende Flüchtlinge in der Hoffnung ausharren, doch noch nach Mitteleuropa weiterreisen zu dürfen. Helfen will Stelzer dort - und irgendwann seine Tour fortsetzen.

Damit er als freiwilliger Helfer mehr einbringen kann als seine Sprachkenntnisse und seine Erfahrung als ausgebildeter Erzieher, verknüpft Stelzer seine Fahrradtour mit einem Spendenaufruf und sagt größtmögliche Transparenz zu. Auf der Internetplattform Betterplace.org soll jeder die Gesamtsumme sehen können, die zur Verfügung steht, und in seinem Blog "Raus ausm Sessel, Rauf auf den Sattel" (www.facebook.com/Pedalforrefugees/) will er alle Ausgaben genau dokumentieren. "Gegen den Beitritt zu einer Organisation habe ich mich bewusst entschieden, um autonom über die Spendeneinnahmen verfügen zu können", sagt Stelzner, der seinen Unterstützern ein Mitspracherecht einräumt. Für seine Bedürfnisse sorge er natürlich selbst.

Seinen Unterstützerkreis bilden aktuell vor allem Familienangehörige und Freunde, aber auch Nachbarn wie Bärbel Reimer. Dass der Freund ihrer eigenen Kinder einige Punkte recht blauäugig angehe, macht ihr das Projekt eher noch sympathischer. "Wir helfen bei der Organisation, weil wir an Lukas glauben", sagt sie knapp.

Einige Punkte wie die Frage, wie man das Spendengeld ausgeben kann, wo doch griechische Geldautomaten nicht mehr als 60 Euro am Tag herausgeben, wurden vor Antritt der Reise geklärt. Andere Probleme wird Stelzner vor Ort bewältigen müssen. Das fängt mit den Schlafplätzen an. Für die ersten sieben Etappen in Deutschland setzt er noch auf das Netzwerk des ADFC. Danach bleibt wohl oft nur das Zelt.

Die Idee einer großen Radtour brachte Stelzner dazu, Anfang des Jahres seine Stelle zu kündigen. Reisen wollte er, "Völker vor Ort erleben und verstehen", wie er sagt. Mit Hilfe von Freunden konnte er zunächst Brasilien besuchen. Doch auch dort erreichten ihn die Bilder aus dem Flüchtlingslager Idomeni - und er warf alle Pläne für die anschließende große Runde um. Der Austausch mit Freiwilligen dort vor Ort über eine eigene Gruppe im Kommunikationsnetzwerk "WhatsApp" bestätigt ihn in dieser Entscheidung.

Der griechische Migratiosminister habe zwar behauptet, das Lager in Idomeni werde noch im April geordnet aufgelöst, sagt Stelzner. Aber daran glaubt er nicht. Falls doch, fährt er weiter. Flüchtlingslager gäbe es ja leider derzeit reichlich.

Quelle: NGZ
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