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Boot vor Griechenland
Neusser Leitstelle rettet Flüchtlinge in Seenot

Neusser Leitstelle rettet schiffsbrüchigen Flüchtling in Griechenland
Hier ging der Anruf ein: in der Kreisleitstelle Neuss. FOTO: Kreisleitstelle Neuss
Neuss. Diesen Einsatz werden die Helfer nie wieder vergessen: Am zweiten Weihnachtstag meldete sich am Notruftelefon der Kreisleitstelle ein Flüchtling aus einer Unterkunft in Neuss, um nach Hilfe zu rufen - jedoch nicht für sich, sondern für ein Flüchtlingsboot, das vor Griechenland zu sinken drohte. Ein Freund hatte ihn vom dem Boot aus angerufen.

In der Einsatzleitstelle des Kreises Neuss klingelt eines der Telefone zwischen den vielen Monitoren. Ein Mitarbeiter hebt ab. Am anderen Ende ist ein junger Mann, der nur arabisch spricht. Er wirkt hektisch und scheint um Hilfe zu rufen. Aber der Leitstellen-Mitarbeiter am Telefon versteht ihn nicht.

So beginnt eine der ungewöhnlichsten Rettungsaktionen, die es in der Kreisleitstelle Neuss wohl je gegeben hat. Am  zweiten Weihnachtsfeiertag erreicht die Leitstelle der Hilferuf eines Flüchtlings aus der Landesunterkunft im ehemaligen St. Alexius-Krankenhaus. Der Mann fleht um Hilfe für seinen Freund in Seenot. Von einem zu sinken drohenden Schiff an der griechischen Küste hatte der Flüchtling seinen Landsmann in Neuss angerufen - dieser Hilferuf an den Rhein rettete ihm das Leben. 

Den Mitarbeiter, der den Anruft des panischen Mannes entgegengenommen hatte, ließ das Telefonat nicht kalt. Also suchte er nach jemandem, der den Hilferuf des Flüchtlings aus Neuss übersetzen konnte. Er wandte sich an die Außenstelle der Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate in Bonn, die übersetzte: 50 Flüchtlinge in Seenot, die Menschen brauchen Hilfe, sonst ertrinken sie. 

Die Leitsellte Neuss setzte sich daraufhin mit dem griechischen Konsulat in Düsseldorf in Verbindung, das den Kontakt zu den griechischen Behörden herstellte. Um das Boot zu orten, wurde der Flüchtling, von dem der Hilferuf ausgegangen war, von seinem Freund aus dem Alexius-Krankenhaus dazu angewiesen, die Deutsche Notrufnummer zu wählen.

Das Manöver klappte: 30 Minuten nach dem Erstanruf, heißt es aus der Neusser Leitstelle, kam über die Botschaft der Vereinten Arabischen Emirate die erlösende Nachricht: "Rettungsaktion in der Ägäis angelaufen". 

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(sef)
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