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Neuss
Neusser macht aus Wohnung ein US-Wahllokal

Neuss: Neusser macht aus Wohnung ein US-Wahllokal
Wahllokal in Rosellerheide: Bill Purcell mit Auslandsamerikanern, die bei ihm ihre Stimme für Sanders oder Clinton abgeben konnten. FOTO: woi/dpa
Neuss. Der in Rosellen lebende Bill Purcell organisiert die Wahl für den US-Kandidaten der Demokraten im Rheinland. Von Dagmar Fischbach

Das Haus von Bill Purcell und seiner Familie war gestern kaum zu verfehlen. An allen umliegenden Zäunen und Laternenmasten wiesen blau-weiß-rote Plakate den Weg "Global Presidential Primary - Vote from Abroad". Vorwahlen zur Entscheidung über den künftigen US-Präsidenten.

Nach dem "Super Tuesday" mit Vorwahlen der Demokraten und Republikaner zur US-Präsidentschaft in gleich zwölf US-Bundesstaaten, gestern der "Super Sunday" von Neuss - mitten im Wohnzimmer der Familie Purcell im beschaulichen Stadtteil Rosellerheide.

Vater Bill ist Vorsitzender der US-Auslandspartei Democrats Abroad in Düsseldorf und Umgebung und hatte gestern seine Landsleute zur Stimmabgabe für ihren demokratischen Kandidaten eingeladen. Neben dem gebürtigen New Yorker Purcell hatten an diesem Wochenende noch sechs Mitglieder der "Democrats Abroad" in NRW Westfalen zur Vorwahl gebeten. "Die Wahlzettel sind namentlich gekennzeichnet. So kann niemand doppelt voten", erklärt Purcell.

Die Stimmzettel aller von den Democrats Abroad auf der ganzen Welt mobilisierten Wähler würden kommende Woche zur Zentrale am Chiemsee geschickt, von dort nach Washington weitergeleitet und ausgezählt. "Natürlich könnten wir auch per Briefwahl oder über das Internet abstimmen. Aber vielen ist das zu unsicher. Sie möchten ihren Zettel lieber klassisch in eine Wahlurne werfen", so Purcell. In Fall des Neusser Wahlbüros bestand die gestern aus einem mit Stars and Stripes beklebten Schuhkarton. Rund 30 US-Amerikaner waren aus Düsseldorf, Köln, Neuss oder dem Ruhrgebiet angereist, um das Votum für ihren Präsidentschaftskandidaten abzugeben.

Für Jody Russo gab es keinen Zweifel, wem sie ihre Stimme gibt. "Bernie Sanders. Er orientiert sich mit seiner Politik an Deutschland und Skandinavien und will beispielsweise eine Krankenkasse für alle einrichten. Und die enormen Studiengebühren will er abschaffen. Ich lebe seit 27 Jahren in Deutschland und sehe, wie das Sozialsystem hier funktioniert. Das ist vorbildlich, Amerika kann sich so etwas auch leisten", sagt die 54-Jährige, die in Hollywood geboren wurde. Auch ihr Sohn Robin wünschte sich den 74-jährigen Sanders als Präsidenten. "Manche sagen zwar, er sei zu alt. Aber er ist sehr liberal und setzt sich etwa für die Rechte von Minderheiten ein. Ein jüngerer Kandidat mit konservativen Ansichten ist für mich keine Alternative", sagt der 26-Jährige.

Nicole Groß ging gestern heim, ohne ein Kreuz gemacht zu haben. "Ich habe Briefwahl in Kalifornien beantragt, bevor ich von der Möglichkeit, hier zu wählen, erfuhr", erklärt sie. Dennoch habe sie Brownies gebacken und sei zur "Wahlparty" ins Haus der Purcells gefahren. "Weil ich es großartig finde, dass sich jemand soviel Arbeit macht", so die 39-Jährige, die seit sechs Jahren auf der Furth Zuhause ist. Ihre Stimme abgeben werde sie aber erst im September, sie sei froh über die Bedenkzeit, die ihr bleibt. "Ich war eigentlich immer für Hillary Clinton. Aber inzwischen überzeugt mich Bernie fast mehr", sagt sie. Am Ende würde sie aber mit beiden Kandidaten zufrieden sein können. "Für mich ist es auch keine Wahl zwischen Hillary und Bernie - sondern gegen Trump", sagt sie energisch.

Der amerikanische Wirtschafts-Tycoon, der für die Republikaner ins Rennen um den Präsidentenposten gehen will, ist für alle Democrats Abroads ein rotes Tuch. "Der ist richtig peinlich. Aber wenn er es tatsächlich zum Kandidaten der Republikaner bringt, wäre das für uns Demokraten vielleicht gar nicht so schlecht, Denn viele Mitglieder seiner eigenen Partei empfinden ihn schlicht als untragbar ", so Bill Purcell, der nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center im Jahr 2001 nach Neuss gekommen ist.

Quelle: NGZ
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