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Neuss
Neusser schreibt Krimi über das Berliner Schloss

Neuss: Neusser schreibt Krimi über das Berliner Schloss
Gerd Henrich, vor 56 Jahren in Neuss geboren, betreibt in Berlin das Ausstellungsbebäude Humboldt-Box, dessen Eigentümer er auch ist. FOTO: KN
Neuss. Die Wochenenden ist er in Neuss. Werktags arbeitet er in Berlin. Die Abende nutzt Gerd Henrich, um seinen ersten Thriller zu schreiben. Von Ludger Baten

Auf Seite 287 ist Katja in Neuss angekommen. Dort hält sie sich vor ihren Verfolgern versteckt, lebt unter falschem Namen im Stadionviertel, und ihr Sohn besucht das Quirinus-Gymnasium. Lange fünf Jahre geht das so, bis eine Meldung in der Neuß-Grevenbroicher Zeitung sie aufschreckt und nach Berlin zurückkehren lässt. Ausgedacht hat sich die Geschichte Gerd Henrich (56). Der Neusser Kaufmann lässt die Protagonisten seines ersten Kriminalromans auch einen Abstecher in seine niederrheinische Heimatstadt machen.

Moskau, New York, Zürich, Medina, Vietnam, Sardinien - Henrich lässt seine Helden weltweit an Schauplätzen agieren, die einem James-Bond-Film alle Ehre machen würden. Dazwischen erlaubt er sich eine Hommage an seine Quirinusstadt und immer wieder Berlin, Berlin, Berlin. Die deutsche Hauptstadt ist ihm zweite Heimat geworden.

Seit 2011 betreibt Henrich gemeinsam mit seiner Schwester Dory Vogel (58), der Hohen Reitersiegerin von 1985/86, über seine Firma Megaposter gegenüber dem Lustgarten in Berlin-Mitte die Humboldt-Box, in der die Geschichte des Berliner Schlosses und der Bau des Humboldtforums dokumentiert wird. Nach Angaben von Megaposter besuchten 2013 mehr als 135 000 Gäste die Humboldt-Box.

Sein Großprojekt macht ihn zum Pendler. Das Wochenende gehört seiner Familie am Rhein, die langen Abenden an der Spree nutzte er, um sein Buch zu schreiben. Ein Jahr arbeitete er "mit ganz viel Disziplin" daran. Und das Berliner Schloss, das ihm mit den Jahren ans Herz gewachsen ist, zieht sich wie ein roter Faden durch seine Geschichte. So kennt Gerd Henrich viele Orte, die in seinem Buch eine Rolle spielen, sehr gut, doch sein Thema sei fiktiv. Die Charaktere seien frei erfunden, und auch autobiografische Passagen habe er nicht in seinem Roman verarbeitet. Er habe nun endlich umgesetzt, was er schon lange im Kopf hatte: "Eine spannende Geschichte aufschreiben."

Mit dem Roman "Gift der Republik" bittet Henrich zu einer Tour de Force durch die Geschichte der Stadt Berlin und ihres Schlosses. Geheime DDR-Labore entwickeln ein verheerendes Gift, das in den Wirren der Wendezeit verschwindet. Als das tödliche Serum Jahre später von der Tochter des federführenden Forschers wiederentdeckt wird, leitet das eine verhängnisvolle Entwicklung ein. Das Gift wird zum Spielball mächtiger Organisatoren.

Für Lothar de Maizière, letzter Ministerpräsident der DDR, zeigt der Autor auf, "welche Gefahren in der Vergangenheit und Gegenwart Deutschlands und Berlins lauern". RTL-Moderator Wolfram Kons, wie Henrich in Neuss zu Hause, lobt, das Buch spiegele "die komplexen Gefahren unserer Zeit". Und Henrichs Schwester Dory formuliert vielsagend: "Wenn ich Beschreibungen der Orte lese, weiß ich, warum Gerd sie in die Geschichte eingewoben hat." Das gelte auch für Neuss. In der Stadt lebt Henrich gern, spielt beim HTC Schwarz-Weiß Tennis, kickt mit alten Kumpels und feiert leidenschaftlich Kirmes, "ohne in einem Schützenzug zu sein".

Quelle: NGZ
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