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Für den guten Zweck
Neusserin fährt 1000 Kilometer mit dem Roller durch Kambodscha

Neusserin fährt für den guten Zweck 1000 Kilometer mit dem Motorroller durch Kambodscha
Irene Seidler und Katharina Sondermann fahren für den guten Zweck Motorrad. Das Foto stammt von ihrer ersten Spenden-Tour, die nach Venedig ging. FOTO: Sondermann/Seidler
Neuss. 1000 Kilometer durch Kambodscha, und das auf dem Motorroller. Was nach Abenteuer-Urlaub klingt, ist für die Neusserin Irene Seidler und ihre Freundin Katharina Sondermann eine Herzenssache. Sie sammeln mit ihrer Tour Spenden, um eine Schule mit Trinkwasser zu versorgen. Von Laura Sandgathe

"Wenn es nach uns ginge, würde es sofort losgehen." Doch Irene Seidler aus Neuss und Katharina Sondermann aus Velbert müssen sich noch ein paar Tage gedulden. Am 30. November starten die beiden in Richtung Kambodscha in Südostasien. Dort wollen sie zwei Wochen bleiben - und 1000 Kilometer Motorroller fahren.

Zuerst klingt das ein bisschen wie das verrückte Vorhaben zweier Fans von ausgefallenen Abenteuer-Urlauben. Doch tatsächlich steckt mehr dahinter. Denn Seidler und Sondermann wollen nicht einfach nur ihre Leidenschaft - das Motorradfahren - an einem ungewöhlichen Ort ausüben, sie wollen helfen. Sie haben sich dem Projekt "Fundriding" des Neusser Vereins "Kleine Hilfsaktion e.V." angeschlossen. In einem Team von 15 Leuten wollen sie rund 1000 Kilometer durch Kambodscha fahren. Für jeden gefahrenen Kilometer sammeln sie Spenden, und zwar mindestens einen Cent pro Kilometer. Das Konzept erinnert an den Sponsorenlauf aus der Schule.

Vor Strapazen haben die beiden jungen Frauen keine Angst. Bei ihrer Tour nach Venedig saßen sie teilweise über zwölf Stunden auf dem Motorrad. 1000 Kilometer wollen sie in Kambodscha zurücklegen. FOTO: Sondermann/Seidler

Das Ziel: 10.000 Euro Spenden

Das Geld, das auf diese Weise zusammenkommt, soll vollständig Hilfsprojekten in dem asiatischen Land zugute kommen. Zum einen dem Projekt "Augenlicht", mit dem Operationen gegen die Augenkrankheit "grauer Star" finanziert werden sollen. "Wenn in Kambodscha ein Familienvater am grauen Star erkrankt und nicht mehr zur Arbeit gehen kann, kann er seine Familie nicht mehr ernähren", sagt Seidler. Die beiden wollen mit ihrer Tour 84 Augenoperationen finanzieren. Dazu brauchen sie 5000 Euro.

Außerdem wollen sie mithilfe der Spende ein Trinkwassersystem an einer Schule finanzieren. "Das kostet auch etwa 5000 Euro", sagt Sondermann. Macht zusammen 10.000 Euro, die die beiden jungen Frauen brauchen. Bislang haben sie über fünf Euro pro Kilometer gesammelt, also mehr als 5000 Euro zusammen. "Wir haben viele Privatpersonen, die einen oder auch zehn Cent pro Kilometer zahlen", sagt Sondermann. Aber auch Firmen unterstützen die Aktion, drei hätten jeweils einen Euro pro Kilometer gezahlt. Die Kosten für die Reise, etwa 2500 Euro plus Kosten für den Flug, übernehmen die beiden Frauen selbst. 

"Heels on Wheels" - engagierte Motorradfahrerinnen

Die 28-jährige Irene Seidler und die 29-jährige Katharina Sondermann sind zusammen "Heels on Wheels". "Das ist kein Verein, nur ein fiktiver Name, unter dem wir auftreten", sagt Sondermann. Als "Heels on Wheels" unterstützen sie mehrere soziale Projekte. 2015 fuhren sie schon einmal Motorrrad für den guten Zweck. Damals ging es in vier Tagen hin und zurück nach Venedig, über 2700 Kilometer. Auch bei dieser Tour sammelten sie pro gefahrenem Kilometer Spenden. Das Geld kam der Evangelischen Jugend- und Familienhilfe Kaarst zugute. Für 2016 haben sie einen Motorrad-Kalender herausgebracht, mit dessen Erlös sie eine Kampagne für Kinderschutz des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer in Velbert, der Heimatstadt von Sondermann, unterstützen. 

Das Erkennungszeichen der Heels on Wheels: Marienkäfer-Überzieher für den Helm. Katharina Sondermann hat sie selbst genäht. FOTO: Sondermann/Seidler

Seidler ist Maschinenbau-Ingenieurin und studiert nebenbei im Master, Sondermann arbeitet in der Luftfracht und plant eine Weiterbildung zum Fundrising-Manager. Wie sie ihr vielfältiges soziales Engagement mit ihren beruflichen Verpflichtungen unter einen Hut kriegen? "Wenig Schlaf ist der Trick", sagt Seidler. Schon bei ihrer Venedig-Tour bewiesen die zwei, dass sie belastbar sind. Teilweise über zwölf Stunden am Stück saßen sie auf dem Motorrad, nur zum Tanken stiegen sie ab. Trotz dieser Strapazen waren sie so begeistert von der Tour, dass sie jetzt Kambodscha wagen wollen. Auf die Idee brachte sie ein befreundeter Motorradfan: Roland Debschütz, Geschäftsführer des Vereins "Kleine Hilfsaktion e.V." und ehemaliger Motorradrennfahrer. Er engagiert sich bereits seit Jahren mit seinem Verein in Kambodscha in der Entwicklungshilfe und hat die Tour geplant.

Seidler und Sondermann waren noch nie in Asien, noch nie in einem Entwicklungsland wie Kambodscha. "Das wird eine ganz neue Erfahrung für uns", sagt Sondermann. Sie wollen auch etwas vom Land sehen, die Natur und Tempelanlagen. "Wir werden durch einige Dörfer fahren", sagt Seidler. Für die Kinder, die sie dort treffen werden, haben sie 20 Teddybären im Gepäck. Außerdem nehmen beide im Flieger jeweils einen Rollstuhl mit. "Dort sind immer noch viele Minen im Land, oft verlieren Menschen ihre Gliedmaßen", sagt Seidler. Die Rollstühle wurden ihnen gespendet.

Mit dem Großradroller über Kambodschas Schotterpisten

Während Seidler eine erfahrene Motorradfahrerin ist und rund 40.000 Kilometer im Jahr fährt, hat Sondermann ihren Motorradführerschein erst mit 25 gemacht und fährt nur etwa 4000 bis 6000 Kilometer pro Jahr. Ihre eigenen Motorräder nehmen die Frauen nicht mit nach Asien, stattdessen erwarten sie dort "Großradroller", also Motorroller mit größeren, dünneren Rädern, die für die Schotterpisten und unbefestigten Straßen Kambodschas geeignet sind.

Gedanken, dass bei der Reise etwas schief gehen könnte, machen sich Seidler und Sondermann nicht. "Die Leute um uns herum machen sich schon genug Sorgen", sagen sie. Sie selbst beschreiben ihr Gefühl als "freudig aufgeregt". Die beiden wissen, dass sie mit ihren Projekten die Welt nicht retten können. "Aber wenn jeder eine kleine Sache machen würde, wäre die Welt ganz schnell eine bessere", sagt Seidler.

Auf der Internetseite fundriding.de gibt es weitere Informationen zu dem Projekt. Dort kann, wer möchte, auch noch für Seidler und Sondermann oder die anderen Teilnehmer spenden.

 
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