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Neuss
Nichtschwimmer-Projekt schlägt Wellen

Neuss: Nichtschwimmer-Projekt schlägt Wellen
Christoph Znachowski leitet einen der Samstagskurse. Insgesamt liegt die Erfolgsquote bei den Nichtschwimmerkursen nach Angaben des Stadtsportverbandes bei 60 Prozent. FOTO: SWN
Neuss. Immer weniger Grundschüler können schwimmen. Was die DLRG jüngst angemahnt hat, wurde in Neuss schon vor Jahren erkannt. Die Initiative "Kinder müssen schwimmen lernen" hat seitdem hunderte Nichtschwimmer erreicht. Von Christoph Kleinau

Die Nachricht sorgte bundesweit für Schlagzeilen: Jeder zweite Grundschüler in Deutschland, so die alarmierende Nachricht der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) in der vergangenen Woche, kann nicht schwimmen. In die sich anschließenden Debatte platziert der Stadtsportverband (SSV) seine Gegenrechnung: Immer mehr Kinder in Neuss können schwimmen - dank des Projektes "Jedes Kind muss schwimmen lernen". Das hat, so betonte SSV-Vorsitzender Wilhelm Fuchs im Sportausschuss, "über die Landesgrenzen hinaus Beachtung gefunden".

Auch Jürgen Scheer vom Projektpartner Stadtwerke spricht von einem Erfolg, gibt aber zu bedenken, dass eine fundierte Überprüfung des Erreichten noch aussteht. Gösta Müller, der Geschäftsführer des SSV, hat genau das auf seine Wunschliste gesetzt. Auf der steht aber noch mehr: Die Erweiterung der Öffnungszeiten im Lehrschwimmbecken Konradbad zum Beispiel, das samstags und in den Ferien geschlossen ist, sowie mehr Personal für zusätzliche Angebote. Vor allem aber müssten die Bäderzeiten, die den Schulen zur Verfügung stehen, mit aller Konsequenz genutzt werden und bringt ein gar nicht so seltenes Beispiel aus dem Schulalltag: "Wenn ein Mathelehrer ausfällt, greift man gerne auf den Sportlehrer zurück, der eigentlich Schwimmen hätte." Nicht nur aus Sicht des SSV die falsche Gewichtung.

Das vor zwei Jahren unter der Schirmherrschaft von Bundestrainer Henning Lambertz gestartete Modellprojekt setzt daher von Anfang an auch bei den Lehrern an. Die sind zu greifen, weil sie verpflichtet sind, ihre Rettungsfähigkeit alle vier Jahre unter Beweis zu stellen. Ein entsprechender Erlass der Landesregierung sorgte für einen enormen Schulungsbedarf, sagt Müller, der zum Teil befriedigt werden konnte. In zwei Jahren wurden 490 Lehrer aus- beziehungsweise fortgebildet, rechnet Müller vor.

Unterstützt werden die Lehrer auch in dem Bemühen, den Schwimmunterricht attraktiv zu gestalten - eine entsprechende Fortbildung haben 50 Lehrer durchlaufen. Und sie werden begleitet. "60 Grundschulklassen erhalten derzeit beim Schwimmunterricht Unterstützung durch unser Fachpersonal", erklärt Bäder-Geschäftsführer Matthias Braun, der dafür zwei halbe Stellen eingerichtet hat. Vorteil: Der Sportlehrer kann seine Klasse nach Leistungsniveau einteilen und die Nichtschwimmer in die Obhut des Bademeisters geben. Insgesamt, rechnet Bäder-Betriebsleiter Alexander Bride vor, würden die Schwimmmeister so 635 Kinder betreuen.

Dass die Schwimmfähigkeit von Kindern verbessert werden muss, steht auch im Sportentwicklungskonzept ganz oben. Für das Projekt heißt das auch, Schwimmkurse in den Ferien und samstags anzubieten. 436 Kinder wurden 2016 in den Ferienkursen gezählt. Allein im Stadtbad laufen derzeit sechs Samstagskurse mit 56 Teilnehmern.

Quelle: NGZ
 
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