| 00.00 Uhr

Interview Andreas Beikirch
"Nie ohne Süßigkeiten auf Tour gehen"

Neuss. Der ehemalige Sechstage-König mit 600.000 Radkilometern in den Beinen hat jede Menge Tipps für flotte Fahrer auf Lager.

Rhein-Kreis Dreiunddreißig Jahre ist er im Radsport aktiv, davon zwei Jahrzehnte als Profi, er war Junioren-Weltmeister im Punktefahren und Europameister im Zweier-Mannschaftsfahren, Sechstage-Sieger in Berlin und Bremen, und hat gut 600.000 Radkilometer in den Beinen - wer hätte bessere Tipps fürs sportliche Fahrradfahren auf Lager als der beim VfR Büttgen zu erstem sportlichen Ruhm gekommene, gerade 46 Jahre alt gewordene Andreas Beikirch?

Herr Beikirch, können wir jetzt endlich losfahren?

Andreas beikirch Nur nichts überstürzen. Erst mal schauen wir uns die Sitzposition an. Grundsätzlich kann man beim Radfahren ja wenig falsch machen. Weil es keine stumpfen Bewegungen und keine bremsende Wirkung gibt, ist Radfahren wesentlich gelenkschonender als zum Beispiel Laufen. Aber wenn man falsch sitzt, nützt das nichts.

Worauf muss man achten?

Beikirch Wenn die Sitzposition nicht stimmt, kann der Schuss mit dem gesunden Radfahren durchaus nach hinten losgehen. Die meisten sitzen zu tief, das heißt, der Sattel ist zu niedrig. Und bei vielen ist der Vorbau zu lang, also der Lenker zu weit vom Körper weg. Am besten lässt man sich bei einem Fachhändler beraten und sich dort auch die richtige Sitzposition einstellen. Über eins sollte man sich aber im Klaren sein: Je sportlicher die Position auf dem Rennrad, desto unkomfortabler wird sie.

Für wen lohnt es sich denn überhaupt, auf ein Rennrad zu steigen? Tut es ein Trekkingrad oder Mountainbike nicht auch?

Beikirch Mindestens zwei Mal die Woche 50 Kilometer und mehr sollten es schon sein, sonst braucht man kein Rennrad. Bei der Anschaffung sollte man auch bedenken, dass die Saison nur von Ostern bis Mitte Oktober geht. Es gibt zwar inzwischen tolle Funktionskleidung, aber ganz ehrlich: Im Winter oder bei Regen macht das Radtraining auch Profis keinen Spaß. Und man sollte abwägen, wo man fahren möchte - wenn ich viele Waldwege benutze, dann bin ich auf einem Trekkingrad besser aufgehoben. Ein Mountainbike braucht man meines Erachtens nur, wenn es viel rauf und runter geht - also in unserer Gegend kaum. Habe ich mich für ein Rennrad entschieden, stellt sich noch die Frage nach dem Lenker: Selbst Profis greifen im Training zu 90 Prozent oben, deshalb kann ich auch ans Rennrad einen Trekkinglenker machen.

Wie sieht das denn aus?

Beikirch In der Szene der ehemaligen Rennfahrer machen das viele so. So ist man weiter flott unterwegs, hat aber die bessere Sitzposition. (Lacht) Und das kleine Bäuchlein sieht man auch nicht so gut.

Jetzt geht's aber los.

Beikirch Bevor wir starten, noch ein wichtiger Tipp: Damit man kraftschonender und ausdauernder fährt, nicht in die großen Gänge schalten. Die bringen einen vielleicht am Anfang schneller voran als viele kleine Umdrehungen, aber die kosten auch viel Kraft. Und wenn die einmal weg ist, dann gute Nacht.

Was sollte man auf eine Tour mitnehmen?

Beikirch Bei Touren, die länger als drei Stunden gehen, auf jeden Fall etwas zu essen und zu trinken. Die Hungermacke ist das Schlimmste, was einem unterwegs passieren kann. Von einem zum anderen Moment kommt der Mann mit dem Hammer - und dann kann man nur hoffen, dass man nicht so weit von zu Hause weg ist. Für solche Fälle sollte man immer Kleingeld im Trikot haben - etwas Zuckerhaltiges wie eine Cola oder ein Mars füllen die Speicher so weit wieder auf, dass man langsam weiterrollen kann.

Und wenn gar nichts mehr geht?

Beikirch Zuhause anrufen und hoffen, dass die Chefin gut gelaunt ist und einen abholt (lacht). Ansonsten ein Taxi rufen - aber schon bei der Bestellung darauf hinweisen, dass man ein Rad dabei hat, sonst lassen die einen schon mal stehen. Das Gleiche gilt auch bei Pannen, die ich nicht selbst beheben kann.

Welche kann ich denn beheben?

Beikirch Einen Platten, deshalb immer einen Ersatzreifen mitnehmen. Und eine Pumpe, denn sonst nützt der gewechselte Reifen gar nichts.

Ein Helm ist Pflicht?

Beikirch Sollte er auf jeden Fall sein. Ich habe immer einen Helm getragen. Auf den Moment, wo es passiert, musst du vorbereitet sein - und ohne Helm bist du das weniger. Und die heutigen Helme lassen sich ja auch besser tragen als die Dinger aus meiner aktiven Zeit.

Haben Sie sonst noch einen Tipp?

Beikirch In der Gruppe macht sportliches Radfahren mehr Spaß als alleine. (Lacht) Und am schönsten ist es im Verein.

VOLKER KOCH FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Interview Andreas Beikirch: "Nie ohne Süßigkeiten auf Tour gehen"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.