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Neuss
Noch einmal mit dem alten Chef

Neuss: Noch einmal mit dem alten Chef
Die Kammerakademie Neuss (DKN) bekommt ab 2017/18 einen "Artist in Residence" als Chef für den Übergang. FOTO: Fabio Borquez
Neuss. Die Kammerakademie spielt in der nächsten Saison das letzte Mal unter Dirigent Lavard Skou Larsen. Von Helga Bittner

Zum letzten Mal hat der Geiger und Dirigent Lavard Skou Larsen einer Spielzeit der Deutschen Kammerakademie (DKN) seinen Stempel aufgedrückt. "Vollendet - unvollendet" ist dabei nicht nur ein passender Titel mit Blick auf das Musikprogramm, sondern auch als Kommentar zu Skou Larsens Arbeit. Er hat aus dem Stipendiatenorchester eine homogene Einheit geformt, die zudem einen unverwechselbaren Stil entwickelt hat. Einen, der Gastdirigenten stets in den höchsten Tönen schwärmen lässt.

Mit Ende dieser zwölften Saison verlässt der in Salzburg lebende Musiker die DKN. Wohl nicht ganz freiwillig, denn der die DKN tragende Verein hat entschieden, den Vertrag mit dem Chefdirigenten auslaufen zu lassen, aber Skou Larsen gibt auch zu, dass "es nach elf Jahren nicht leicht ist, für eine Spielzeit Neues zu finden und sich nicht zu wiederholen".

Er hat es natürlich geschafft. Wie schon so viele Jahre zuvor. Besonders beim Thema "Wiederholung" gibt es im Programm ein nettes Schmankerl: Das letzte Abo-Konzert im Zeughaus in 2016/17 ist das erste, das Skou Larsen in Neuss mit der DKN dirigiert hat. "Vollendet unvollendet!" ist just dieses Konzert mit der Ouvertüre aus Mozarts "Zauberflöte", dem Violinkonzert von Robert Schumann und eben der "Unvollendeten" von Franz Schubert überschrieben.

Da werden wohl Tränchen fließen, auch wenn der Abschied des Dirigenten von Neuss damit noch nicht perfekt ist. Zumindest nicht, wenn es nach Orchestermanager Martin Jakubeit geht, der damit kalkuliert, das Lavard Skou Larsen auch das traditionelle Rosengartenkonzert am letzten Freitag im Juni noch leitet. Der 46-Jährige, der 2009 zum Orchestermanager gewählt wurde, geht zudem davon aus, dass der Noch-Chefdirigent auch bei den Probespielen für die nächsten Stipendiaten dabei ist. Was bei Skou Larsen indes nur ein fragend-zweifelndes "Ja?" hervorruft.

So oder müssen zwei Musikerstellen besetzt werden: Heike Schuch und Ania Bara werden die DKN verlassen. Vorerst, so bestätigt Jakubeit, bleibt es aber bei den sieben festen Stipendiatenstellen in der DKN, die bei Bedarf in den Konzerten um Gastmusiker aufgestockt wird. So ein Gast will übrigens auch Skou Larsen sein: Er hat schon jetzt versprochen, zu einzelnen Konzerten nach Neuss zurückzukehren, aber will sich auf jeden Fall erst mal zwei Jahre komplett zurückziehen. Genau passend zu seinem Rückzug hat er noch das "Händel-Projekt" abgeschlossen. Die dritte CD der Händel-Gesamteinspielung seiner "Piano Concerts" mit Matthias Kirschnereit ist gerade in den Handel gekommen.

In der nächsten Saison aber profitiert das Ensemble noch von seiner Präsenz und seinen Kontakten. So wird Skou Larsens Ehefrau, die Violinistin Emeline Pierre, die Solistin beim ersten Abo-Konzert sein. Im Mittelpunkt steht nämlich eine Komposition, die ihr und auch Skou Larsen als Geiger gewidmet ist: "Sarumba" von Peter Lieuwen, der aus Samba und Rumba ein "Latin Jazz"-Stück für Schlagzeug, zwei Geigen und Klavier gemacht hat. Das Werk erlebt damit seine erste öffentliche Neusser Aufführung, hat zwar auf dem Programm der Klassiknacht 2014 gestanden, aber wurde nicht gespielt, da die Veranstaltung wegen der Folgen von Sturm "Ela" abgesagt wurde.

Dem Besonderen dieses Konzerts trägt zudem die Absicht Rechnung, es für eine CD-Aufnahme aufzuzeichnen. "Gesponsert", wie Jakubeit betont. Damit kommt auch das neue Tonstudio im Romaneum zu Ehren: "Meines Wissen ist das die erste professionelle Aufnahme dort", erklärt er.

Eine richtige Uraufführung beschert dann das dritte Abo-Konzert. Der Engländer Peter Sebourne hatte über Facebook den Kontakt zu Skou Larsen gesucht: "Er hat mich offensichtlich beobachtet und dann angemailt", erzählt der DKN-Chef. Und ihm Kompositionen angeboten, die auf Gedichte des deutschen Lyrikers Stefan George reagieren - auch wenn sie englische Titel tragen. "Give me another Song" wird dabei zum ersten Mal überhaupt von einem Orchester gespielt.

"Ein Dirigent muss auch zeitgenössische Komponisten fördern", sagt Skou Larsen bestimmt. Das fiel ihm in diesem Fall auch deswegen leicht, weil seine Konzertmeisterin Fenella Humphries Seabourne ebenfalls gut kennt. Sie wird auch die Solistin des Konzerts sein. Sowohl Peter Lieuwen aus den Niederlanden (zum ersten Abo-Konzert) wie auch Peter Seabourne wollen zu den Neusser Konzerten kommen, sagt Skou Larsen.

Quelle: NGZ
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