| 16.32 Uhr

"Osmanen Germania" in Neusser Innenstadt
Polizeigewerkschafter rechnet mit weiteren Rocker-Aktionen in NRW

Rockertreffen in Neuss - Polizei im Großeinsatz
Rockertreffen in Neuss - Polizei im Großeinsatz FOTO: Dieter Staniek
Neuss. Im Rockermilieu in NRW versucht offenbar, eine neue Gruppe Fuß zu fassen. Die türkischstämmigen Rocker der "Osmanen Germania" haben sich in Neuss mit einem Aufmarsch präsentiert. Polizeigewerkschafter Arnold Plickert geht davon aus, dass es nicht bei dieser einen Machtdemonstration in NRW bleiben wird. 

Die rasch wachsende Gruppe "Osmanen Germania" drängt offensichtlich in die Szene in  NRW. Mit einem martialischen Aufmarsch in Neuss hat die von türkischstämmigen Migranten dominierte Gruppe in der Nacht zum Dienstag Aufsehen erregt. Mehr 200 Polizisten waren dort im Einsatz gegen etwa 80 Rocker der Gruppierung. Diese stammten aus Neuss selbst und anderen Städten in NRW, seien aber auch aus anderen Bundesländern angereist, sagte ein Polizeisprecher in Neuss. 

Mehrere Autos wurden durchsucht und Platzverweise erteilt. Die Beamten beschlagnahmten einen Schlagring und mehrere Messer. Die Polizei ermittelt nun wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz gegen zwei 23 und 25 Jahre alte Männer aus dem Raum Siegen.

Die Männer gehören nach Angaben der Polizei zur Rockergruppe "Osmanen Germania", die aus dem süddeutschen Raum und Hessen stammt. Bereits am vergangenen Donnerstag sollen sich etwa 20 Mitglieder der Gruppe zu einem Gruppenfoto in der Neusser Innenstadt getroffen haben. 

Die genauen Hintergründe des aktuellen Rockertreffens waren zunächst unklar. Im Internet existiert aber seit Anfang Dezember ein Facebook-Profil eines Niederrhein-Ablegers der Osmanen-Rocker, die sich im Gegensatz zu den klassischen Rockergruppen nicht als Motorrad-Club (MC), sondern als Box Club (BC) verstehen. "Wir haben die Gruppe im Blick", versicherte ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei.

Rocker: So haben sich die Mitgliederzahlen entwickelt FOTO: RP

Unklar blieb, ob der Auftritt in Neuss als Kampfansage an die Hells Angels zu verstehen ist, die die Stadt als ihr Revier betrachten. Weder Landeskriminalamt noch Düsseldorfer Polizei wollten dazu am Dienstag Stellung nehmen. Eine ähnliche Machtdemonstration der "Osmanen" hatte die Polizei im vergangenen Jahr Medien zufolge auch in Berlin registriert.

Arnold Plickert, NRW-Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), interpretiert den Aufmarsch der "Osmanen Germania" eindeutig als Machtdemonstration. "Die Osmanen wollen die Bevölkerung einschüchtern  - und den Etablierten, den Hells Angels und den Bandidos, den Kampf ansagen. Die Botschaft lautet: Seht her, auch wir können 70-80 Rocker mobilisieren", sagt Plickert im Gespräch mit unserer Redaktion. Es gelte einen Fuß in die organisierte Kriminalität zu bekommen. "Da reden wir von Rotlicht- und Türsteherszene sowie vom Drogenhandel", sagt Plickert. Neuss habe möglicherweise als Plattform gedient, um auf sich aufmerksam zu machen. Der Aufmarsch am Montagabend in Neuss war der erste dieser Gruppierung in ganz NRW. Plickert geht davon aus, dass weitere in NRW folgen werden.

Auf Youtube kursiert ein Video, in dem sich die Rocker martialisch präsentieren. Die Osmanen kommen und übernehmen das ganze Land, heißt es dort zu Beginn. Außerdem wird angekündigt, die Türsteher-Szene übernehmen zu wollen.

In einem etwa dreiminütigen Rap, mit lautem Beats und stellenweisen sehr schnellen Sprechgesangsequenzen, übermitteln die Rocker ihre Ziele noch einmal auf ihren ganz eigene Weise. Dabei zeigen sie mehrfach ihre muskulösen und schwer tätowierten Arme in die Kamera. Zudem deuten sie mit Lufthieben ihre Boxkampfkünste an. 

(url/lnw)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

NRW-Polizei hat Rocker "Osmanen Germania" im Visier


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.