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Interview Bijan Djir-Sarai
"Ohne Breitband stockt der Fortschritt"

Interview Bijan Djir-Sarai: "Ohne Breitband stockt der Fortschritt"
Aus dem Kreistag in den Dezernentenstuhl: Bijan Djir-Sarai. FOTO: Lber
Neuss. Der neue Dezernent für Infrastruktur, Controlling und Kommunikation im Kreishaus spricht über seine ersten Eindrücke, seine Aufgaben und seine Ziele: Die Digitalisierung als wichtiger Faktor der Wirtschaftsförderung besitzt höchste Priorität.

Herr Djir-Sarai, wie haben Sie sich als neuer Dezernent seit dem 1. Mai im Kreishaus eingelebt?

Bijan Djir-Sarai Mein Schreibtisch ist schon voll. Noch bin ich bei meiner Vorstellungsrunde durch die Ämter der Kreisverwaltung. Ich werde freundlich empfangen und erfahre, welch' große Kompetenz in der Kreisverwaltung vorhanden ist. Die Aufgabe bereitet mir viel Freude.

Alle reden von der Digitalisierung. Welchen Nutzen bringt sie für den Kreis, aber auch die Kommunen?

Djir-Sarai Sie ist von zentraler Bedeutung. Je digitaler eine Kommune aufgestellt ist, desto attraktiver ist sie für Bürger und Unternehmen. Die Digitalisierung umfasst alle Lebensbereiche und ist ein wichtiger Standort- und Wettbewerbsfaktor.

Wenn die digitale Welt so wichtig ist, warum hat sie nicht längst Einzug in die Kreis- und Rathäuser gehalten?

Djir-Sarai Es ist schon eine ganze Menge geschehen. Die ITK Rheinland ist ein gutes Beispiel dafür, wie in IT-Fragen die interkommunale Zusammenarbeit nützt. Weil nicht jede Stadt, jede Kommune das Rad neu erfinden muss. Die bevorstehende Fusion mit dem IT-Betrieb der Stadt Mönchengladbach ist daher ein richtiger Schritt in die richtige Richtung. Weitere Kooperationen sind aber notwendig.

Auch hierzulande klagen Unternehmen, dass der Breitbandausbau auf sich warten lässt. Sie zahlen zum Teil aus eigener Tasche für Anschlüsse ans leistungsfähige Datennetz. Wunsch und Wirklichkeit klaffen doch auseinander, oder nicht?

Djir-Sarai Bei der Digitalisierung ist Deutschland generell schlechter aufgestellt als andere. Das ist eine Frage des Geldes und des Wollens. Die skandinavischen Länder sind da weiter als wir. Dennoch: Wir holen auf, und gerade im Rhein-Kreis Neuss tun wir alles, die Breitbandnetze zügig flächendeckend auszubauen. Natürlich wissen wir, dass in Gewerbegebieten ohne Breitbandausbau nichts läuft. Aber einen Dezernenten zu berufen, der sich um Infrastruktur und Digitalisierung kümmert, belegt doch, dass die Wichtigkeit des Themas erkannt wurde.

Die gewerbliche Nutzung der Breitbandnetze ist nur eine Seite des Problems. Wann schließen Sie die Wohngebiete endlich an?

Djir-Sarai Wenn wir uns vielerorts schwer tun, die 40-Prozent-Quote zu erreichen, dann zeigt das nur, dass die Bedeutung der Digitalisierung in vielen Köpfen noch nicht angekommen ist ...

Was tun Sie als Dezernent, was tut der Rhein-Kreis Neuss, um diese Situation zu verbessern?

Djir-Sarai Unser Ziel ist es, die für einen öffentlich geförderten Breitbandausbau in Frage kommenden sowie heute und auch in absehbarer Zukunft unterversorgten Wohn- und Gewerbegebiete im Rhein-Kreis Neuss zunächst zu benennen. Für diese Gebiete werden dann fachlich und wirtschaftlich fundierte Vorschläge für eine Breitbandausbau-Planung entwickelt. Der Rhein-Kreis Neuss möchte mittelfristig eine flächendeckende Internetverbindung über Glasfasernetze mit einer Übertragungsrate von 100 Megabit je Sekunde in jeden Haushalt und in jeden Betrieb erreichen.

Wie soll das zeitnah geschehen? Der Rhein-Kreis Neuss kann doch keine Leitungen verlegen lassen.

Djir-Sarai Die Förderanträge können nur über den Kreis gestellt werden. Wir haben eine zentrale Rolle, die wir als Partner im Sinne der Kreisgemeinschaft wahrnehmen.

Das bedeutet beim Ausbau der leistungsstarken Leitungen letztlich doch unterschiedliche Ausbau-Geschwindigkeiten im Kreisgebiet?

Djir-Sarai. Ja. Das liegt im System. Aber das ist in mancher Stadt auch nicht anders.

Was bedeutet das E-Government-Gesetz für die Städte und Gemeinden?

Djir-Sarai E-Government schafft die Voraussetzung für Zeit und ortsunabhängige Verwaltungsdienste. Im Kern geht es um die Frage, wie Verwaltungsdienste für die Bürger einfacher, nutzerfreundlicher und effizienter gestaltet werden können. Elektronische Aktenführung, elektronische Nachweise, elektronische Bezahlung und die Bereitstellung von Daten - Open Data - sind dabei wesentliche Inhalte.

Die Attacke auf das digitale System im Neusser Lukaskrankenhaus belegt, dass es an Sicherheit fehlt. Wie wollen Sie gegensteuern - und das nicht nur mit Blick auf die digitalen Systeme in den Krankenhäusern?

Djir-Sarai Wir wissen um die Sensibilität und Wichtigkeit dieses Themas. Gemeinsam mit den Städten und Gemeinden wird viel investiert und Verbesserungen erreicht!

Sie sind jetzt auch Dezernent für Controlling im Haus der Kreisverwaltung. Wie kam es dazu?

Djir-Sarai Das ist eine Entscheidung des Landrats. Ich freue mich aber, dass mir auch eine Querschnittsaufgabe zugeteilt wurde.

LUDGER BATEN FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: NGZ
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