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Neuss
Oma und Opa - das kann man lernen

Neuss: Oma und Opa - das kann man lernen
Roswitha Deffge (links) und Oberärztin Margarete Albiez (rechts) erklärten den angehenden Großeltern, was sich, seit sie selbst Eltern geworden sind, im Umgang mit Neugeborenen verändert hat. FOTO: georg Salzburg
Neuss. Im Johanna-Etienne-Krankenhaus lernen nicht nur werdende Eltern den richtigen Umgang mit ihrem Baby, sondern auch die Großeltern werden in einem Geburtsvorbereitungskursus für ihre neue Rolle geschult. Von Bärbel Broer

Ihnen steht eine kostbare Zeit bevor. Deshalb wollen sie möglichst viel richtig machen - von Anfang an. Etwa 20 angehende Omas und Opas waren daher zum "Geburtsvorbereitungskursus für Großeltern" ins Eltern-Kind-Zentrum des Johanna-Etienne-Krankenhauses gekommen, um sich von Oberärztin Margarete Albiez und Stillberaterin Roswitha Deffge Tipps rund um Themen wie Baden, Wickeln, Stillen oder Fläschengeben zu holen.

"Ich habe erstaunlich viel gelernt", sagt Winfried Lippert, Vater von drei erwachsenen Kindern. Bald steht ihm eine neue Erfahrung bevor: Er wird Opa, denn seine 29-jährige Tochter erwartet bald ihr erstes Baby. Lippert ist "voller Vorfreude" und möchte nach der Geburt Tochter und Enkelkind möglichst gut unterstützen.

Dass sich viel verändert hat in den vergangenen Jahrzehnten, machte Stillberaterin Deffge ganz deutlich: Sie hat ihre Kinder in den 70er Jahren bekommen. "Auch wir haben uns bemüht, möglichst viel richtig zu machen, doch es war manches anders." Dann zählt sie auf: früher Stoffwindeln, heute Wegwerfwindeln. Früher Babyhaut regelmäßig eincremen und pudern, heute nur, wenn der Popo wund ist. Früher hieß es, Babys auch mal schreien zu lassen. Heute weiß man: Das Urvertrauen verstärkt sich, wenn nach dem Neugeborenen geschaut und mit ihm gesprochen wird. Früher wurden Babys täglich, heute nur noch wöchentlich gebadet. "Wir haben es damals übertrieben mit der Hygiene. Vielleicht sogar Allergien dadurch begünstigt", sagt die Stillberaterin. Früher sollten Mütter alle vier Stunden füttern. "Heute empfehlen wir, nach Bedarf zu stillen."

Ebenso habe sich bei den Abläufen im Kreißsaal viel verändert, erklärt Margarete Albiez: Nach der Geburt bleiben Eltern und Kind zusammen. "Dafür haben wir extra Familienzimmer." Während der Geburt seien Väter ausdrücklich willkommen. Und auch nach einem Kaiserschnitt werde der Mutter ihr Baby im sogenannten Bonding-Tuch möglichst schnell auf den Bauch gelegt. Währenddessen beenden die Ärzte den Eingriff.

Auch über die frühgeburtliche Entwicklung wisse man heute viel mehr als noch vor 20 oder 30 Jahren. Albiez: "Die Kinder bekommen im Bauch ganz viel mit. Deshalb ist es so wichtig, dass es den Schwangeren gut geht in unserer heutigen Gesellschaft. Wenn die Arbeit beispielsweise sehr belastend ist, sollten Frauen auch freigestellt werden", erklärt die Ärztin.

Ganz berührt aufgrund der vielen neuen Informationen zeigte sich die angehende Oma Monika Bartels kurz vor dem Rundgang durch den Kreißsaal. Sie war in Begleitung ihrer schwangeren Tochter Melanie Lüdtke im Krankenhaus: "Das war sehr spannend, diese Neuigkeiten zum Baden, Wickeln und Stillen zu erfahren." Auch Gabi Hoever fiebert der Geburt ihres Enkelkindes entgegen. Nach der Geburt würde sie gerne helfen: "Ich hoffe, dass ich stark gebraucht werde."

Margarete Albiez bestärkte die Großeltern in ihrer Rolle: "Großeltern sind sehr kostbar für Kinder. Auch weil sie viel vorbehaltloser sein können als die Eltern." Wie wichtig Oma und Opa sind, weiß Albiez als Mutter von drei Kindern aus eigener Erfahrung: "Ich hätte meine Laufbahn ohne deren Unterstützung so nicht machen können."

Quelle: NGZ
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