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Onleihe-Nutzer sind auch Stammleser

Neuss: Onleihe-Nutzer sind auch Stammleser
Sebastian Stratmann hat die Onleihe in der Stadtbibliothek von Beginn an verantwortet und in den vergangenen zehn Jahren dafür gesorgt, dass der Bestand der elektronischen Medien auf 20.000 angewachsen ist. FOTO: : lber
Neuss. Vor zehn Jahren ging die digitale Ausleihe mit vier Pilotbibliotheken an den Start. Schon im Dezember 2007 war auch die Neusser dabei. Die Zahl der Nutzer ist von den anfänglichen gut 500 auf mehr als 2000 gestiegen. Von Helga Bittner

Die Stadtbibliothek war nicht die erste, aber stand mit an der Spitze derjenigen, die 2007 die Onleihe angeboten haben - noch im ersten Jahr, nachdem die digitale Ausleihe von Büchern und anderen Medien aufs Tablet oder einem E-Book-Reader von vier Pilotbibliotheken getestet wurde. Dass die erste Statistik des Hauses am Neumarkt nur 26 Nutzer mit 52 Ausleihen ausweist, ist heute, zehn Jahre später, kaum zu glauben. Ein Jahr später, 2008, waren es schon 521 Nutzer (mit 2732 Ausleihen), inzwischen sind es mehr als 2000, die sich rund 65.000 Mal ein Medium über das Internet ausgeliehen haben. "500 sind allein in diesem Jahr dazugekommen", sagt Sebastian Stratmann, der in der Stadtbibliothek für die Onleihe verantwortlich ist. Viele Nutzer seien inzwischen schon Stammleser, sagt Stratmann.

Rund 20.000 Medien - Bücher, aber auch elektronische Zeitungsausgaben - umfasst der Onleihe-Katalog des Neusser Hauses. Rund 27.000 Euro stehen Stratmann jährlich zur Verfügung, um Lizenzen zu kaufen, wobei der Etat in den vergangenen vier Jahren nicht sehr stark gewachsen ist. Er beträgt etwa zehn Prozent des Gesamtetats für Neuanschaffungen. Doch trotz aller technischen Fortschritte auf dem Gebiet der Ebook-Reader und Tablets ist der Kaufvorgang für Stratmann weitergehend gleich geblieben.

Der Lektor und Fachangestellte der Bibliothek kauft Lizenzen. "Man kann sich das wie beim Online-Shopping vorstellen", sagt er, "auch für die Ebooks gibt es eine Art Online-Shop, in dem ich alle Informationen über Neuerscheinungen - auch über Ausleih-Erfolge - finde und dann entscheide, welche ich kaufe." Dass dennoch Bestseller wie aktuell Ken Folletts Roman "Das Fundament der Ewigkeit" nicht in der Onleihe zu finden sind, ist nicht Stratmanns Schuld. "Der Verlag gibt keine Lizenzen heraus", sagt er, "will vermutlich erst abwarten, wie sich der Roman als Buch und als Ebook auf dem Markt verkauft, bevor er sich Leih-Lizenzen an die Divibib verkauft." Divibib (Digitale virtuelle Bibliotheken) - das ist sozusagen der Großhandel, das Dach für alle Onleihen (oder eBibliotheken) der bundesdeutschen Bibliotheken. Große Häuser sind in der Regel als Einzelne dort verzeichnet, kleinere schließen sich manchmal zu einem Verbund zusammen. Auch wenn man auf der Homepage der Divibib alle digitalen "Zweigstellen" findet - um sie zu nutzen, braucht es den Ausweis des jeweiligen "Mutterhauses".

Rund zwei Drittel der Ebooks in der Neusser Stadtbibliothek gehören zum Bereich Belletristik, sagt Stratmann. Bis zu fünf Vormerkungen von Nutzern und maximal fünf pro Medium sind in der Onleihe möglich, die Leifrist hat sich längst ebenso geändert wie die technische Entwicklung und der digitale Auftritt. Statt zwei Wochen kann man Ebooks heute bis zu drei Wochen ausleihen, technisch ist das Anspielen von Hörbüchern offline möglich, und für die Onleihe gibt es eine eigene App. Stratmann wundert sich manchmal selbst über die schnelle Entwicklung. "2007 gab es das erste iPhone", sagt er lachend, "das kann man sich heute, wo es selbstverständlich ist, kaum mehr vorstellen."

Für 2018 kündigt er eine weitere Änderung an: Jedes Ebook kann bis zu vier Wochen - wie jedes Papierbuch - ausgeliehen werden. "Unter Umständen dauert es aber länger, bis ein Ebook wieder frei zum Ausleihen ist", meint er und überlegt: "Vielleicht muss ich dann weniger Ebooks, aber mehr Lizenzen von einem einzelnen kaufen."

Quelle: NGZ
 
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