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Neuss
Operette im Bühnenbild des Freithofs

Neuss: Operette im Bühnenbild des Freithofs
Baron Weps (Agris Hartmanis, l.) nimmt seinen verarmten Neffen Graf Stanislaus (James Park) singend ins Gebet. FOTO: Woi
Neuss. Die szenische Freiluft-Aufführung von Carl Zellers Operette "Der Vogelhändler" vor dem Zeughaus auf dem Freithof zog bei schönstem Wetter Hunderte von Zuhörern an. Viele schauten voller Vergnügen auch im Stehen zu. Von Hansgeorg Marzinkowski

Zu den bekanntesten Operettenfiguren zählen der Vogelhändler Adam und die Christel von der Post. Sie waren jetzt in einer Open Air-Veranstaltung live vor Hunderten Zuhörern vor dem Zeughaus zu erleben. In einer halbszenischen Aufführung - ohne Bühnenbild, aber mit Kostümen - nutzten ausnahmslos junge Darsteller und Musiker die durch das Zeughaus als Kulisse überraschend gute Akustik. Die Aufführung hatten bei freiem Eintritt Neuss Marketing und das Kulturamt der Stadt zusammen mit dem Verein "Music to go" arrangiert.

Initiatorin dieses Vereins ist Désirée Brodka. Die deutsche Sopranistin stammt aus Kaarst (Büttgen) und war Marienberg-Schülerin. Sie hat bereits in den beiden letzten Jahren "Oper und Operette im Espresso-Format" nach Neuss gebracht. So oder auch "Taschenbuch-Format" nennt sie ihr Anliegen, klassische Musik authentisch und hautnah, in entspannter Atmosphäre, mit versierten Künstlern "unters Volk" zu bringen.

Auch für den "Vogelhändler" hat sie mit dem Komponisten Raphael D. Thöne zusammengearbeitet, der die Operette für fünf Opernsänger und Streichquartett eingerichtet hat und auch die Regie führt. Bereits die Ouvertüre, vom Streichquartett vital begonnen, trug bis weit über den Marktplatz. In den gut besetzten Cafés rund um den Freithof und auf dem Marktplatz wurde es zunehmend ruhiger. Die Besucher spürten: "Das ist Klasse Musik" und hörten zu.

Das Streichquartett wurde von Dmitry Pichugin (Viola) zusammengestellt, der im Hauptberuf Direktor einer Düsseldorfer Musikschule ist. Mit seinem Bruder Alexander (Violoncello), Katharina Storck (1. Violine) und Alvaro Navarro Diaz (2. Violine) hat er sicher musizierende Mitstreiter gefunden.

Der österreichische Jurist Carl Zeller (1842 - 1898) - nur nebenbei auch Komponist - schuf mit "Der Vogelhändler" eines der letzten Meisterwerke der alten Wiener Operette, das bis heute auf vielen Bühnen gespielt wird. Zahlreiche Musiktitel wurden zu richtigen Volksliedern ("Grüß euch Gott, alle miteinander") oder gar zu Weltschlagern ("Schenkt man sich Rosen in Tirol".

Die Szenerie vor dem Zeughaus beginnt temperamentvoll mit Baron Weps (Agris Hartmanis, Bass) und seinem Neffen, dem verarmten Graf Stanislaus (James Park, Tenor). Beide singen vollkommen auf der Höhe, der Bass-Bariton Agris Harmanis nutzt das Podium mit zunehmender Spieldauer zu ausgelassener Komik. Beide singen auch lustvoll die Professoren Süffle und Würmchen, die den Vogelhändler einer fragwürdigen Prüfung unterziehen.

Denn Adam (Walther G. Rösler, Tenor) darf seine Christel (Désirée Brodka) nur heiraten, wenn er eine Festanstellung hat. Der Adam bekommt sie, singt zunächst angesichts des großen Publikums etwas aufgeregt, aber immer sicherer. Die Christel von der Post gestaltet Désirée Brodka überragend, in der Höhe etwas spitz besorgt wirkt die Sopranistin Lisa Kaltenmeier in der Rolle der Kurfürstin Marie.

Ihr Duett mit Adam "Schenkt man sich Rosen in Tirol" aber wird zum vielfach mitgesummten Höhepunkt. Schlag 19 Uhr unterbrach das Festgeläute von St. Quirin die Aufführung. Dazu passte aber genau das Duett "Dieses Läuten, was soll es bedeuten?". Bravos und große Begeisterung.

Quelle: NGZ
 
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