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Neuss
Organist aus Neuseeland drückt das Niveau beim Orgelsommer

Neuss. Paul Rosoman, reisender Konzertorganist aus Wellington (Neuseeland), beschloss eine größere Europatournee mit Konzerten vornehmlich in Großbritannien, beim Neusser Orgelsommer zum Thema "Willkommen Max Reger!". Wenige Tage davor spielte er bei den internationalen Orgelwochen in der Hofkirche Dresden. Was aber der auch als Komponist und Leiter einer Künstleragentur arbeitende Musiker im Gepäck hatte, reichte nicht an das Niveau der bisherigen Konzerte im Orgelsommer heran.

Dabei begann das Programm vielversprechend: Johann Sebastian Bachs "Fantasie und Fuge g-Moll" war etwas prinzipallastig, aber angemessen groß und breit voranschreitend, das lebhafte Thema der vierstimmigen Fuge hätte hingegen mehr Fluss vertragen. Die sehr kurze "Passion" aus "7 Orgelstücke" hat Max Reger in seinem Todesjahr 1916 geschrieben, sie gehört folglich zu seinem Spätwerk, sofern man bei einem im Alter von 43 Jahren verstorbenen Komponisten von einem solchen sprechen mag. Sie endet schlicht mit dem Johann Crüger-Choral "Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen?"

Was aber Paul Rosoman bewogen haben mag, daran das "Scherzo g-Moll" von Marco Enrico Bossi anzuschließen, bleibt sein Geheimnis. Die beiden Scherzi aus Opus 49 gehören zu den meistgespielten Orgelwerken aus dem umfangreichen kompositorischen Schaffen des Erneuerers der italienischen Instrumentalmusik, das aber bis auf wenige Orgelwerke hier kaum bekannt ist.

Johann Christian Heinrich Rinck war ein bedeutender Komponist für die Orgelmusik zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Seine "6 Variationen über ein Thema von Corelli" im vorwiegend getragenen Stil reißen aber trotz schöner Solo-Tutti-Wirkungen keinen Konzertbesucher hin.

Dann gab es aber glücklicherweise nochmals Reger. Sein "Präludium und Fuge G-Dur" hat im Titel den Zusatz "leicht ausführbar". Das ist aber bei Max Reger irreführend, denn auch hier sind die technischen Anforderungen an den Organisten enorm. Paul Rosoman spielte variabel, mit souveräner Übersicht und einer guten Hand für geschmackvolle Registerkombinationen der großen sinfonischen Münsterorgel. Im Stile europäischer Spätromantik komponierte der 2001 verstorbene Neuseeländer Douglas Lilburn. Sein "Präludium und Fuge g-Moll" beschloss das Konzert, und auch die Zugabe - ein Inselsong im langsamen Walzertakt - stammte von ihm.

Info Heute Abend spielt im Orgelsommer (20. Uhr) mit Martin Seiwert (Schweinfurt) wieder ein ausgewiesener Reger-Interpret in der Quirinusbasilika.

(Nima)
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