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Neuss
Orgelmusik zwischen Harmonik und Freiton

Neuss. Der Orgelsommer legte auch die Probleme der Münsterorgel in der Registeranlage offen. Von Hansgeorg Marzinkowski

Der diesjährige Orgelsommer in der Quirinusbasilika hatte auch im letzten Konzert eine ansprechende Zuhörerkulisse. Die wiederum von Liebhabern aus dem weiteren Umfeld besuchte Konzertreihe in der Trägerschaft des Förderkreises am Quirinusmünster hatte diesmal aus Anlass des 125. Todesjahres "César Franck und seine Erben" zum Thema gemacht. Der die Reihe beschließende Interpret war Thomas Dahl, verantwortlicher Organist und Kirchenmusikdirektor der evangelischen Hauptkirche St. Petri in Hamburg.

Für viele überraschend begann er mit einem "Ricercar" von J. S. Bach aus seinem "musikalischen Opfer". Das Orchesterwerk hat Jean Guillou für Orgel bearbeitet, und ihn - auch einer der Lehrer von Thomas Dahl - darf man mit Recht als Francks Erben würdigen. Die "Eloge I" von Jean Guilluo, der mit seinen 85 Jahren als Konzertorganist noch höchst aktiv ist, sollte auch erklingen.

Da die Quirinusorgel aber nicht über eine moderne Setzeranlage verfügt, waren Guilluos umfangreiche Registerangaben nicht zu realisieren. Auf Dauer wird die Basilika nicht auf eine solche Anlage verzichten können. Sie macht vielfältige Registerkombinationen programmierbar, für große symphonische und zeitgenössische Musik eine unabdingbare Voraussetzung.. Jetzt aber entstand noch eine lange Pause, als Dahl mit Hilfe des Münsterkantors Joachim Neugart die vielfarbige Registrierung des "Joie et clarté des corps glorieux" aus Olivier Messiaens siebenteiligem Zyklus "Visionen des Lebens der Auferstandenen" einrichtete.

Die lange Wartezeit hatte sich aber gelohnt: Das Freudenmotiv über die "verherrlichten Leiber" wurde im ruhigen Mittelteil höchst abwechslungsreich variiert, bricht spektakulär auf und entzieht sich im himmelwärts strebenden Glissando dem Zuhörer.

Natürlich spielte Thomas Dahl auch César Franck. Seine "Fantasie in C-Dur" aus den sechs Stücken für große Orgel (Nr. 1 - 1860) gehört zu den Werken, die ihn zum Vater der Orgelsinfonie machten. Daniel Roth (73), Titularorganist an St. Sulpice de Paris, gehört ebenfalls zu Thomas Dahls Lehrern. Die drei Sätze aus seinem "Livre d'Orgue pour le Magnificat" hatten ebenfalls viele Farben im Wechselbad zwischen warmer Harmonik und freitonaler Ästhetik. Nach einer wunderbar sternenklaren Improvisation zu "Der Mond ist aufgegangen" spielte Thomas Dahl mit der "Toccata" aus Charles Marie Widors 5. Orgelsinfonie ein mit viel Beifall bedachtes mitreißendes Finale.

Quelle: NGZ
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